Am Samstag findet in Berlin und Köln jeweils ein Marsch für das Leben statt. Zu den Tausenden erwarteten Teilnehmern in Berlin gehören auch die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), Cornelia Kaminski, und Alexandra Linder, Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht (BVL), der die Märsche organisiert. Man rechne in Berlin wie Köln „wie immer“ mit Gegendemonstranten. „Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit, sind entspannt und die Polizei ist gut vorbereitet“, sagte Linder der „Tagespost”.
Grundlage für die Gefährdung des menschlichen Lebens „in allen Phasen“ sei „die Art, wie wir über Menschen, Leben und Töten sprechen“ und „dass wir die Dinge nicht mehr bei ihrem wirklichen Namen benennen“, betonte Kaminski gegenüber dieser Zeitung. Spreche man von „assistiertem Suizid“ oder „Schwangerschaftsabbruch“ statt von „Töten“, werde „die Wirklichkeit vernebelt“. Ebenso verhalte es sich beim „Nebelbegriff“ der „Leihmutter“, denn „weder wird hier eine Frau geliehen, noch darf sie jemals die Mutter des Kindes sein, das sie austrägt“.
„Die Verteidigung des Lebens ist ein zivilisatorisches Ziel“, zitierte Linder Papst Leo XIV.. Gefährdet würde menschliches Leben aktuell „von einer Geisteshaltung, die das Recht des Stärkeren“ propagiere. Nur wer seine Rechte lautstark einfordere, Geld habe und nur an sich denke, gelte als erfolgreich. Damit werde man dem Wesen des Menschen nicht gerecht und lasse die Mehrheit „durch ein Rost fallen“.
Jens Spahns Babyglück
Dass zwei führende CDU-Politiker – Jens Spahn und Hendrik Streeck – in diesem Jahr Väter durch Leihmutterschaft geworden sind, zeige „eine moralische Erosion an der Spitze einer christlichen Partei“ und werfe die Frage auf, „wie glaubwürdig unsere Politiker noch sind“. Kaminski befürchtet folgende Entwicklung: „Zunächst wird ein Gesetz unter großer, verständnisvoller Anteilnahme der medialen Öffentlichkeit umgangen, dann folgt die Schleifung des Gesetzes. So war es zuletzt beim Werbeverbot für Abtreibungen.“ Gerade jetzt müsse man darum fordern, dass Kinder zu schützen sind.
Kaminski fordere daher von deutschen Politikern, die Menschenwürde zu achten und das menschliche Leben zu schützen. Wer den Schwächsten nicht schütze, habe „jeden Anstand verloren. Politik ohne Lebensschutz ist darum Politik ohne Anstand“, so Kaminski. Auch täten die Vertreter der Politik „gut daran, sich jeder Diffamierung und Verleumdung“ der Menschen, die sich für die Schwächsten einsetzen, entgegenzustellen.
Gerade jetzt sei es an der Zeit, zum Marsch für das Leben zu kommen, so Linder: „Um einen positiven Gegenentwurf in die Öffentlichkeit zu bringen, der auf Gerechtigkeit, Solidarität, Gemeinwohl und Selbstlosigkeit“ setze. Wer komme, zeige, dass „er für die universale Menschenwürde und das Recht jedes Menschen auf Leben“ einsteht. „Ein Staat, der sich auf Menschenwürde gründet“, könne weder die Tötung Unschuldiger noch die Verzweckung von Menschen zulassen.
Auch mehrere katholische Bischöfe, darunter Rainer Kardinal Woelki und der Münsteraner Weihbischof Stefan Zekorn, sowie ranghohe Kirchenvertreter anderer christlicher Konfessionen veröffentlichten ihre Grußworte. Der Marsch für das Leben erinnere daran, „menschliches Leben in allen seinen Phasen zu achten, zu schützen und zu fördern“, äußerte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer. Weiter zitierte auch er Papst Leo XIV., laut dem sich „die moralische Größe eines Landes vor allem in seiner Fähigkeit zeigt, das Leben aller, insbesondere der Schutzlosen und derer, deren Wert infrage gestellt wird, zu unterstützen, zu schützen und wertzuschätzen“. Eine Gesellschaft sei dann human, wenn sie dem ungeborenen Leben Raum gebe, Lasten gemeinsam trage und niemanden allein lasse, betonte Wilmer. DT/elih
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