Das britische Unterhaus hat einen erneuten Anlauf zur Legalisierung des assistierten Suizids in England und Wales abgelehnt. Nach einer vierstündigen Debatte stimmten am Freitag 286 Abgeordnete gegen den von der Labour-Abgeordneten Lauren Edwards eingebrachten „Terminally Ill Adults (End of Life) Bill“, 270 dafür. Da die Regierung sich neutral erklärte, waren die Abgeordneten nicht an die Parteilinie gebunden.
Nach dem Gesetzentwurf hätten Erwachsene mit einer prognostizierten Lebenserwartung von weniger als sechs Monaten die Möglichkeit gehabt, mit Zustimmung zweier Ärzte und eines Expertengremiums Hilfe zu erhalten, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Ein nahezu identischer Gesetzentwurf der Labour-Abgeordneten Kim Leadbeater wurde im November 2024 mit 55 Stimmen Mehrheit angenommen, wobei der Vorsprung bei der dritten Lesung auf 23 Stimmen schrumpfte. Im Oberhaus kam das Gesetz vor dem Ende der Legislaturperiode nicht mehr zum Abschluss.
Auch zahlreiche medizinische Fachverbände äußern Bedenken
Gegen den neuen Entwurf bildete sich jedoch eine parteiübergreifende Mehrheit. Zu den Kritikern gehörten die Vorsitzenden der Konservativen, der Liberaldemokraten und von Reform UK sowie auch prominente Labour-Politiker. Bedenken äußerten außerdem zahlreiche medizinische Fachverbände. Das Royal College of Psychiatrists warnte vor „zu vielen unbeantworteten Fragen“ zum Schutz psychisch kranker Menschen. Kritiker sahen insbesondere die Gefahr, dass alte, behinderte oder anderweitig schutzbedürftige Menschen unter Druck geraten könnten.
Der Labour-Abgeordnete und Krebschirurg Zubir Ahmed stellte darüber hinaus die Zuverlässigkeit der für das Gesetz entscheidenden Sechs-Monate-Prognose infrage: Wenn er beurteilen müsse, ob ein Patient noch sechs Monate zu leben habe, liege er „genauso oft falsch wie richtig.“
Auch die Kirchen hatten sich gegen die Gesetzesvorlage ausgesprochen. Der katholische Erzbischof Richard Moth von Westminster bezeichnete sie als „grundsätzlich falsch“ und „zutiefst mangelhaft“. Die anglikanische Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally, lehnte sie ebenfalls ab.
Lauren Edwards kündigte an, die Frage werde wieder auf die politische Tagesordnung kommen. Alisdair Hungerford-Morgan von der Lebensschutzorganisation Right To Life UK sprach dagegen von einem „bemerkenswerten Sieg für die Schwächsten“ und forderte, den Zugang zu hochwertiger Palliativversorgung auszubauen.
Mit dieser Entscheidung stellen sich England und Wales gegen den Trend in einer wachsenden Zahl westlicher Staaten, die den assistierten Suizid oder die aktive Sterbehilfe zulassen. DT/jg
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