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Diese Herausforderungen erwarten Bischof Wilmer

Der neue Bischof von Münster wird herzlich empfangen. Zugleich verbinden Verbände, Gemeinschaften und Gläubige mit ihm unterschiedliche Erwartungen – von geistlicher Erneuerung bis zur Bewältigung kirchlicher Herausforderungen.
Heiner Wilmer als neuer Bischof von Muenster in sein Amt eingefuehrt
Foto: IMAGO/Detlef Heese | Heiner Wilmer beim Einzug in den Münsteraner Dom, wo er ins Amt als Bischof vom Münster eingeführt wurde.

Bischof Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ist am vergangenen Sonntag offiziell in sein Amt als 77. Bischof von Münster eingeführt worden; und zwar vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki als Metropolit der Rheinischen Kirchenprovinz. Unter den Konzelebranten war auch der neue Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Hubertus Matheus Maria van Megen, für den es einer der ersten großen öffentlichen Auftritte in seiner noch jungen Amtszeit war.

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Damit hat das Bistum nach 15 Monaten Vakanz wieder einen Bischof. Wilmer löst Felix Genn ab, dessen Rücktrittsgesuch Papst Franziskus am 9. März 2025 angenommen hat. Dieser hatte die Diözese seit 2009 geleitet. Die Frage ist nun, was Wilmer im Bistum Münster erwartet – und was die Menschen von ihm erwarten. Eine erste Erwartung wurde ausgerechnet von Papst Leo XIV. in der Einführungsmesse verlesen. In der päpstlichen Ernennungsurkunde mahnte Leo den neuen Bischof zu „Festigkeit und Lauterkeit des Glaubens“ und verwies dabei auf den seligen Kardinal Clemens August Graf von Galen, Bischof von Münster von 1933 bis 1946, als Vorbild.

Gläubige wünschen „alles Gute und Gottes Segen“

Der neue Bischof übernimmt eine Diözese, die einerseits als reformfreudig gilt: Münster gehört zu den Diözesen, in denen viele Haupt- und Ehrenamtliche die Reformforderungen des Synodalen Weges unterstützen. Wilmer selbst hat auf dem Synodalen Weg in Frankfurt bei den meisten Reformwünschen mit „Ja“ gestimmt, und in seinem bisherigen Bistum Hildesheim hat er Leitungsmodelle erprobt, in denen Laien – auch Frauen – weitreichende Leitungs- und Organisationsaufgaben übernehmen. Andererseits gehören zum Bistum auch Regionen mit starker katholischer Prägung und eher konservativer Einstellung. Dazu gehören unter anderem die Emmanuel-Gemeinschaft oder die Schönstattschwestern, die in kirchlichen Reformfragen die Position des Papstes vertreten.

Unabhängig von all den Themen, die in der Diözese Münster bei den unterschiedlichen Gremien und Gruppierungen auf der Agenda stehen, zeigten sich alle von dieser Zeitung Befragten dankbar und erfreut, Wilmer als Bischof im Bistum Münster begrüßen zu dürfen und wünschten ihm „alles Gute und Gottes Segen“ für die neue Aufgabe, wie es beispielsweise die Katholische junge Gemeinde (KjG) im Gespräch mit dieser Zeitung formulierte. Hans-Bernd Köppen, Domprobst vom St. Paulus-Dom und Pfarrer von St. Lamberti, würdigte besonders die Menschenfreundlichkeit und Teamfähigkeit des neuen Bischofs. Dieser zeichne sich dadurch aus, dass er leicht auf Menschen zugehe.

Malteser hoffen auf Stärkung des Ehrenamts

Der Sprecher des Malteser Hilfsdienstes, Till Neuhaus, freue sich zudem „auf eine gute Zusammenarbeit mit Bischof Heiner Wilmer“. Bislang sei das Miteinander zwischen der Bistumsleitung und den Maltesern im Bistum Münster eng und vertrauensvoll gewesen. Dies wünsche er sich weiterhin, so Neuhaus im Gespräch.

Des Weiteren hoffe er auf eine Stärkung des Ehrenamts. „Viele unserer Dienste, vom Besuchs- und Hospizdienst über den Malteser Herzenswunsch bis hin zum Katastrophenschutz und der Begleitung von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen, leben vom Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher“, führte Neuhaus aus. „Wir wünschen uns, dass dieses Engagement weiterhin Wertschätzung erfährt und gute Voraussetzungen für Ausbildung, Nachwuchsgewinnung und gesellschaftliche Anerkennung geschaffen werden.“ 

Kirchenpolitisch wolle er sich nicht äußern, da bei den Maltesern weniger kirchenpolitische Debatten als der Dienst am Menschen im Fokus stünde. „Wir setzen uns für Menschen in Not ein, stehen an der Seite von Kranken, Hilfsbedürftigen und Benachteiligten und bringen unsere Dienste dort ein, wo Unterstützung benötigt wird“, so Neuhaus.

KjG will Kirche für alle

Gleichwohl dürften viele Gläubige eine klare Positionierung erwarten, unter anderem zur Sexualmoral und zum Kirchenverständnis. Dazu gehören Fragen rund um die Rolle der Frau in der Kirche und die Segnung homosexueller Paare – ein Thema, zu dem sich Wilmer schon als Hildesheimer Bischof geäußert hatte: 2023 begrüßte er die vatikanische Erklärung „Fiducia supplicans“ ausdrücklich, konnte aber noch nicht sagen, wann er selbst ein erstes gleichgeschlechtliches Paar segnen werde. Darüber berichteten diverse kirchliche Medien. Bei seiner eigenen Amtseinführung am Sonntag richtete Wilmer bereits einen Appell gegen Ausgrenzung an die Gläubigen, was besonders bei den katholischen Jugendverbänden gut ankam. 

So äußerte die KjG des Bistums gegenüber der „Tagespost“ den Wunsch, dass die Kirche im Bistum Münster auch unter dem neuen Bischof „eine Kirche für alle ist, die Vielfalt lebt und in der sich alle Menschen willkommen fühlen“. Insbesondere würden sie sich eine Kirche wünschen, „die gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen entscheidet, und nicht nur für diese“. Die KjG freue sich „auf die Zusammenarbeit und auf einen Bischof, der Kinder und Jugendliche beteiligt, ihre Perspektiven ernst nimmt und die Jugendverbandsarbeit stärkt.“

Wilmer hat Missbrauchsfrage bereits im Blick

Ein weiterer Punkt, der den Bischof in Münster beschäftigen wird, ist die Missbrauchsfrage: Besonders beim Thema Missbrauch, das das Bistum 2022 erschütterte, ist anzunehmen, dass Wilmer daran gemessen wird, ob Transparenz und Kontrolle dauerhaft verankert werden. Dass ihm das Thema wichtig ist, hat er selbst bereits in seiner ersten Predigt als Bischof von Münster gezeigt, als er von den „Geschichten von Überlebenden von Machtmissbrauch“ sprach, die „lange nicht gehört wurden“ und „uns nicht in Ruhe lassen dürfen“. Und aus früheren Jahren stammt von ihm der Ausspruch, Machtmissbrauch stecke in der DNA der Kirche, was das Nachrichtenportal „katholisch.de“ dokumentiert hat.

Auf Anfrage äußerte sich die Stabsstelle Intervention und Prävention nicht zu den aktuellen Herausforderungen der Aufarbeitung im Bistum Münster. Lediglich eine der Ansprechpersonen bei Fällen sexuellen Missbrauchs, Marlies Imping, erklärte, sie würde sich freuen, wenn man sich kennenlernen könne und der Bischof „einmal zum Beraterstabtreffen kommt und ein offenes Ohr hat, wenn es um ganz schwierige Fälle geht“. 

Wie weit wird Wilmer Veränderungen zulassen?

Als Nachfolger von Felix Genn, der sich besonders reformfreudig zeigte, dürfte Wilmers Einstellung zu Veränderungen im Bistum kritisch verfolgt werden. Besonders nach den gehäuften Interventionen und Erklärungen aus Rom zu Lehre und Kirchenrecht wird die Frage sein, wie weit Wilmer Reformanliegen unterstützen kann, ohne in Konflikt mit Vorgaben aus Rom zu geraten.

Ganz konkret stellt sich das bei der geplanten Synodalkonferenz, dem zentralen strukturellen Ergebnis des Synodalen Wegs: Wilmer hat der Römischen Kurie kürzlich die Satzung für das Gremium zur Anerkennung vorgelegt – ob Rom zustimmt, ist offen. Schon zuvor hat Rom die Handreichung zur Segnung homosexueller Paare eindeutig abgelehnt und auch bei anderen Forderungen die rote Karte gezückt: Gerade hat Rom sein Nein zu Laienpredigten innerhalb der Eucharistiefeier bekräftigt und den Unterschied zwischen sakramentalem Amt und allgemeinem Priestertum der Gläubigen dargelegt. Daneben gibt es bislang weder eine Zustimmung zur Diakoninnenweihe noch zu grundlegenden Änderungen der kirchlichen Sexuallehre.

Im Visier der Weltkirche

Besonders als DBK-Chef, als der er seit Februar 2026 amtiert, dürfte alles, was Wilmer sagt und tut, in die Waagschale fallen – vor allem auch international und in Rom. Papst Franziskus erwog 2023 offenbar, ihn an die Spitze eines vatikanischen Dikasteriums zu berufen; konservative Kurienkardinäle intervenierten jedoch. Wilmer galt ihnen als zu starker Verfechter des Synodalen Wegs. Immerhin kennt Wilmer den Vatikan und die römische Kurie als ehemaliger Generaloberer der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) gut, was für die Verhandlungen zwischen deutschen Synodalvorstellungen und Rom von Vorteil sein dürfte.

Neben diesen spannungsreichen Themen hat Münster wie andere Diözesen sinkende Mitgliederzahlen und mangelnden Priesternachwuchs zu beklagen. Nach zwei Jahren Dürre wurden 2025 wieder zwei Kandidaten geweiht. Doch für die Jahre 2026 und 2027 sind laut dem Nachrichtenportal „Kirche + Leben“ wieder keine Neupriester zu erwarten. Außerdem werden im Zuge einer Strukturreform Pfarreien größer, pastorale Räume weiter, Priester weniger.

Wunsch nach tiefer Spiritualität 

Neben der „doppelten Herausforderung“ als Bischof von Münster und DBK-Chef sieht Domprobst Köppen in dieser Strukturreform eine besondere Herausforderung, der sich Wilmer stellen müsse. „Die Struktur steht, so Köppen, sie muss aber mit Leben gefüllt werden.“ Es sei wichtig, dass deren Bischof dabei mit Seelsorgern und Ehrenamtlichen gemeinsam „überlegt, wie man das am besten machen kann". Teilhabe ist also ein Thema.

Wilmer tritt sein Amt damit in einer Phase des Wandels an. Und die Herausforderung lautet, wie er diesen Wandel gestaltet und wie kirchliches Leben unter veränderten Bedingungen lebendig bleiben kann. Die Schönstätter Marienschwestern aus Borken haben darauf indirekt eine eigene Antwort gegeben. Sie würden sich freuen, so sagten sie gegenüber der „Tagespost“, dass Wilmer wie sie selbst einer geistlichen Gemeinschaft angehöre. Deshalb würden sie sich wünschen, „dass alle anstehenden Herausforderungen im Bistum Münster von einer tiefen Spiritualität und von lebendigen Glaubenszeugnissen getragen sind“.

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