Es wird keinen Indult – also keine kirchenrechtliche Ausnahmegenehmigung von einer geltenden Norm – für Laienpredigten in der Eucharistiefeier geben. Kardinal Arthur Roche, Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst, hat dies in einem ausführlichen Schreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, unmissverständlich klargestellt und die Gründe auf mehreren Seiten dargelegt – gründlich und ausführlich hat er wiederholt, was er 2023 an den damaligen DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing auch schon gesagt hat: Laienpredigten in der Eucharistiefeier sind nicht zulässig – eine Norm, die in can. 767 § 1 des Kirchenrechts festgeschrieben ist.
Roche eröffnet sein Schreiben dabei höflich, mit ausdrücklichem Dank für das pastorale Anliegen hinter dem Antrag. Doch an der Substanz der Antwort ändert diese Höflichkeit nichts. Für die Antragsteller dürfte sich die Antwort aus Rom anfühlen wie eine verbale Ohrfeige auf fünf Seiten. Aber es ist nur die nächste rote Karte und damit nicht die erste Absage an Forderungen aus dem Umfeld des Synodalen Weges. Und doch enthält das Schreiben mehr als nur ein Nein.
Wahrheiten des katholischen Glaubens und der kirchlichen Ordnung
Es ist zugleich eine Katechese über Wesen und Bedeutung der Homilie, über das Verhältnis von Weiheamt und Verkündigung und über die innere Ordnung der Liturgie. Roche verweist dabei auf die schon unter Johannes Paul II. erlassene Instruktion „Redemptionis Sacramentum“, die festhält, dass Laien die Homilie in der Messe nicht halten dürfen – auch nicht im Auftrag.
Eigentlich gleicht der gesamte Schriftverkehr zwischen Rom und Deutschland inzwischen einer fortlaufenden Katechese. Häppchen für Häppchen erklärt der Vatikan Wahrheiten des katholischen Glaubens und der kirchlichen Ordnung, die viele Gläubige längst von ihren Hirten hätten hören sollen, die nun aber selbst erst einmal unterwiesen werden. Rom tut dabei nichts anderes, als die Lehre der Kirche unverfälscht zu bekräftigen.
Unterschiedliche Aufgaben, gleiche Würde
Die Saat wird vermutlich nicht sofort aufgehen. Zu tief sitzen manche Vorstellungen, die in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen sind. Doch Rom tut, was es tun muss, was eigentlich jeder Bischof tun müsste: Es erinnert daran, dass die Kirche nicht frei über ihre sakramentale Ordnung verfügen kann, sondern sie treu zu bewahren hat.
In diesem Fall ist zu hoffen, dass das Nein zu Laienpredigten nicht als Nein zu den Laien selbst gedeutet wird. Die Würde der Laien steht überhaupt nicht zur Debatte. Im Gegenteil: Die Kirche kennt unterschiedliche Berufungen, Dienste und Charismen, die sich gegenseitig ergänzen. Nicht alles, was verschieden ist, ist deshalb weniger wert. Darauf weist auch Roche hin.
Die wackelige Basis der Gleichmacherei
Doch genau hier scheint ein Denkfehler vieler Reformforderungen zu liegen; die wackelige Basis der Gleichmacherei. Wer Gleichwertigkeit mit Gleichheit verwechselt, landet logischerweise bei der Forderung, jede Aufgabe müsse prinzipiell jedem offenstehen. Doch die Kirche denkt anders. Sie kennt eine Vielfalt von Berufungen, die gerade nicht durch Gleichmacherei verwischt werden sollen. Darum kann sie dem Drängen und Flehen der Deutschen auch nicht nachgeben.
Wie ernst es der deutschen Seite mit dieser Gleichmacherei ist, zeigt ein Detail aus dem Antrag, das Roche besonders deutlich zurückweist: Die DBK hatte vorgeschlagen, den der Homilie vorbehaltenen Akt einfach umzubenennen – nicht „Homilie“, sondern „Predigt“ solle der Beitrag der Laien heißen, gehalten an genau derselben Stelle, unmittelbar nach dem Evangelium; ein semantisches Spielchen, mit dem die deutsche Seite nur ihren spitzfindigen Versuch entlarvt, durch Umetikettierung zu erreichen, was inhaltlich verwehrt bleibt. Nun, Roche hat dies durchschaut und lässt sich nicht darauf ein: Eine solche Differenzierung sei nicht zulässig, da Ort und ausgeübte Funktion im Wesentlichen mit denen der Homilie selbst übereinstimmten.
Homilie ist Teil einer sakramentalen Wirklichkeit
Auffällig bei dieser Gleichmacherei ist, dass gerade dort, wo am lautesten von Vielfalt gesprochen wird, Unterschiede oft nur dann akzeptiert werden, wenn sie den eigenen Vorstellungen entsprechen. Die sakramentale Eigenart des Priesteramtes wird dagegen zunehmend als Problem betrachtet. Doch echte Vielfalt bedeutet auch, unterschiedliche Aufgaben und Sendungen anzuerkennen.
Der Brief aus Rom erinnert daher daran, dass die Homilie nicht deshalb dem Priester oder Diakon vorbehalten ist, weil Laien weniger kompetent wären. Der Vatikan betont ausdrücklich, dass weder theologische Qualifikation noch rhetorische Begabung den entscheidenden Punkt darstellen. Die Homilie ist vielmehr Teil einer sakramentalen Wirklichkeit, in der Wortverkündigung, Eucharistie und das geweihte Amt untrennbar miteinander verbunden sind.
Mehr als eine Machtfrage
Die Befürworter einer Lockerung argumentieren meist mit pastoraler Notlage. Wilmer hatte zudem darauf verwiesen, dass die Homilie bereits nicht ausschließlich Priestern vorbehalten sei, da sie auch von nicht zelebrierenden Diakonen gehalten werden könne. Das klingt auf den ersten Blick plausibel, geht aber letztlich auch am Kern der römischen Argumentation vorbei. Und so fegt Rom auch dieses Argument mit Verweis auf Möglichkeiten, die Laien längst offenstehen, elegant vom Tisch.
Was Rom hier festhält und was der Vatikan in früheren lehramtlichen Schreiben bereits ausführlich dargelegt hat, dürfte vielen in Deutschland gegen den Strich gehen. Doch indem Teile der deutschen Ortskirche Rom immer wieder von der Notwendigkeit einer Revision zentraler Glaubens- und Lehrpositionen zu überzeugen versuchen, bewegen sie sich in gefährlichem Fahrwasser; was an eine andere Gruppe am Rande der Kirche erinnert, die ebenso hartnäckig davon überzeugt ist, es in bestimmten Punkten besser zu wissen als der Rest der Weltkirche.
Es geht um das Selbstverständnis der Kirche
Wer die Position Roms verstehen will, sollte wenigstens zur Kenntnis nehmen, dass es hier nicht um Machtfragen geht, sondern um das Selbstverständnis der Kirche. Genau das erklärt Kardinal Roche in seinem Schreiben – sachlich, ausführlich und unmissverständlich.
Wer Ohren hat, der höre. Es gibt in dem Schreiben nichts, was missverständlich wäre. Die eigentliche Frage lautet daher: Will ich annehmen, was die katholische Kirche über Liturgie, Weiheamt und Homilie lehrt – oder nicht? Jetzt geht es nur noch um die Frage, ob man bereit ist, die Antwort zu akzeptieren.
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