Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich in der Debatte um den CDU-Politiker Jens Spahn zu Wort gemeldet. Spahn hatte vor wenigen Tagen bekannt gemacht, dass er Vater eines von einer amerikanischen Leihmutter ausgetragenen Kindes geworden sei. Für einen „echten Skandal“ hält das der Passauer Oberhirte, der sich am Freitag als erste Stimme aus dem deutschen Episkopat mittels einer Stellungnahme auf seiner Website zu Spahns Vaterschaft äußerte.
Der wesentlichste Grund dafür, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten sei, sei der „Verstoß gegen die Menschenwürde“, schreibt Oster. „In aller Regel empfinden Eltern die Geburt eines gemeinsamen Kindes als Geschenk, als eine Gabe, die nicht zur Verfügung steht – und die deshalb auch nicht gekauft werden kann oder gekauft werden darf. Als Christen glauben wir, dass Kinder ein Geschenk Gottes sind – und ihre Würde als Personen auf Gott zurückgeht.“
Er sei „völlig überzeugt, dass jedes Kind vor allen anderen Rechten zunächst ein Recht auf seine natürlichen Eltern hat – und zwar vielmehr, als dass potenzielle Eltern ein Recht hätten, sich ein Kind ‚anzuschaffen‘ oder ‚machen zu lassen‘ oder gar ‚einzukaufen‘.“ Obwohl auch die natürlichen Umstände so schrecklich sein könnten, dass jede andere Lösung für ein Aufwachsen besser sei, seien „im Normalfall die ursprünglich gegebenen Verhältnisse aus der Natur der Dinge die jeweils besten“ – das dürften „wenige Pädagogen und Psychologen bestreiten.“
Spahn will nicht perfekt sein
Skandalös sei es, wenn ein prominenter CDU-Politiker „in Sachen Leihmutterschaft zur Erfüllung eigener Wünsche gegen die Gesetze des Landes und gegen die Grundlinien der eigenen Partei in dieser für unser Menschenbild so wichtigen Sache“ bewusst verstoße und „damit auch noch positiv werbend für Leihmutterschaft eintritt“ – „zumal dann, wenn dieser Politiker sich öffentlich zur katholischen Kirche bekannt hat“, so Oster weiter. Spahn habe damit „einen Schritt getan, den wir als Glaubensgemeinschaft auch in Zukunft nie werden mitgehen können.“
Ebenfalls am Freitag hatte Spahn sich indessen im Podcast des Bild-Journalisten Paul Ronzheimer gerade unter Bezug auf seinen katholischen Glauben gerechtfertigt. „Der Christenmensch in mir … der weiß eben auch darum, dass es halt auch im Glauben manchmal keine einfachen Antworten gibt“. Der Christ wisse, „wir sind nicht perfekt, wir sind manchmal zerrissen … oder um es mit Adenauer zu zitieren, nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, es gibt keine anderen“. Das sei das echte Leben – „zerrissen zu sein zwischen Grundsätzen, Überzeugungen, manchmal rigorosen, klaren Lehren, vermeintlichen Lehren, tatsächlichen Lehren, und dem, was eben das Leben ist“. Das müsse auch er „halt gelegentlich aushalten“. Ethische Argumente im engeren Sinne pro Leihmutterschaft formulierte Spahn dabei allerdings nicht.
Spahn ist schon der zweite CDU-Politiker mit Leihmutter-Kind. Bereits im April war bekannt geworden, dass der ebenfalls homosexuelle CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Streeck ebenfalls in den Vereinigten Staaten Vater geworden ist. Einen mit der Spahn-Debatte vergleichbaren öffentlichen Aufschrei hatte es damals noch nicht gegeben. (DT/jra)
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