Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Einwurf – die „Tagespost“-WM-Kolumne

(K)eine Kommerz-WM

Nörgler wegtreten: Im Fußball geht es nur ums Geld? Ach was.
Lionel Messi, Lautaro Martinez
Foto: IMAGO/Li Ming (www.imago-images.de) | Echte Tränen - und nein, die werden nicht extra bezahlt. Gerade die Argentinier überzeugten bei dieser WM mit ganz viel Herz. Dem steht auch Messis dreistelliges Millionensalär nicht im Wege.

Jetzt mal ganz ohne moralische Bewertung: Wenn der Fall Jens Spahn eines zeigt, dann doch, dass Geld die Welt regiert. Wer es sich leisten kann, der kauft sein Lebensglück einfach. Und wenn dazu eine Leihmutter und ein mutterloses Kind herhalten müssen. Und damit zum Fußball. Der ist ja nach landläufiger Stammtischauffassung auch immer öfter nur noch Kommerz. Der meistbietende Verein kauft sich die Meisterschaften auf dem Transfermarkt zusammen. Und wen etwa die auch zu Werbezwecken genutzten Trinkpausen stören, der mag die Entwicklung zum großen Fußballgeschäft gerade bei der laufenden Weltmeisterschaft im Stammland des Kapitalismus bestätigt sehen. Ach übrigens: Die spanischen Spieler haben ihrem Verband rekordverdächtige Prämien abgehandelt – rund 756.000 Euro bekommt jedes der Mitglieder des spanischen Kaders, wenn am Ende die WM gewonnen wird.

Also alles klar? Der mit den meisten Moneten gewinnt? Am Ende geht es nur ums Geld? Nein. Die Schönheit des Fußballs zeigt sich erstaunlich resilient gegenüber den Reizen des Mammons. Auf die paar hunderttausend Euro Erfolgsprämie kommt es den Stars sicher nicht an. Was kratzen einen Lamine Yamal ein paar Nachkommastellen auf dem Konto? Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wären die regelmäßig eingefangenen Tränen der Freude oder des Leids nicht authentisch. Und auch so dämliche Aktionen wie die nationalbewegte politische Demonstration der Argentinier nach dem Sieg im Halbfinale („Die Falklands gehören uns“) sprechen gegen kommerzielle Interessen. Fußball, das sind echte Gefühle – deswegen schauen wir so gerne zu.

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Christlich gedacht, müssten einem die „reichen“ Spieler sowieso fast schon leidtun. Aber auch abseits des Himmels, in den die Armen vielleicht leichter kommen, gilt: Zu viel Geld kann dem Lebensglück sogar im Weg stehen. Eine Betrachtung dazu formulierte der englische Stürmerstar Harry Kane, der seine Ehefrau bereits in der Grundschule kennenlernte, vor einigen Jahren: „Wenn ich jetzt Single wäre und Leute kennenlernen würde, wüsste man nie, ob sie aus den richtigen Gründen mit einem zusammen wären. Ist es das Geld? Man würde es nie wirklich wissen. Ich habe also Glück, dass ich meine Jugendliebe habe.“ Und wir haben Glück, dass die Knete im Fußball gar keine so entscheidende Rolle spielt. Wo bliebe sonst vor dem Finale die Spannung?

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Jakob Ranke Einwurf – die „Tagespost“-WM-Kolumne Jens Spahn Leihmütter

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