Die WM, bei der Shakira mehr Einsatzzeit hatte als die deutsche Nummer Eins der letzten Jahre, geht dem Ende entgegen. Das kleine Finale am Samstag zwischen Frankreich und England, dann das große Finale am Sonntag, Spiel Nr. 104 von 104, zwischen dem amtierenden Europameister Spanien und Titelverteidiger Argentinien schließen sie ab, diese Fußball-Weltmeisterschaft, die gefühlt nur in den USA stattfand, aber eigentlich auch noch von Mexiko und Kanada ausgerichtet wurde.
Dass der Fußball ein Showgeschäft ist, sollte man mitbekommen haben, aber der Hauptausrichter USA sprengte dann doch den Rahmen. Allein die Identifikation und das Ins-Bild-Setzen mehr oder minder bekannter Persönlichkeiten auf der VIP-Tribüne nahm – zusammengeschnitten – sicher 90 Minuten in Anspruch. Dass dies nicht mehr die Dauer eines Fußballspiels ist (vgl. Herberger, Josef), ist der als „Hydration Break“ getarnten Werbepause inmitten einer Halbzeit zu verdanken. Heute dauert ein Spiel gut zwei Stunden brutto.
Wie viele Fans haben sich wohl über beide Ohren für ein Ticket verschuldet?
Mehr zu sehen fürs Eintrittsgeld bekommt man so allerdings auch nicht. Wer regelmäßig die Spiele der UEFA-Champions League schaut, kann einer WM sportlich kaum etwas abgewinnen. Die gleichen Spieler, nur eben nicht so gut aufeinander eingestellt wie bei ihren Arbeitgebern, den Vereinen, in denen ein Großteil der Trainings- und Spielpraxis erfahren wird.
Apropos – Eintrittsgeld: Man durfte sich ja schon wundern, auf der Tribüne ganz normale Menschen zu sehen, nicht nur KI-Aktionäre. Wie viele dieser Fans sich allerdings fürs Ticket bis über beide Ohren verschuldet haben, ist nicht bekannt. Die Fans haben jedenfalls wieder Phantasie und Farbe in den Fußball gebracht. Rote Wut, rote Teufel. Wichtig, gerade in einer Zeit, in der rote Karten keine Bedeutung mehr haben.
Eine Sache ist jedoch bemerkenswert gewesen. Während in Deutschland die Politik den Souverän, also uns, behutsam darauf vorbereitet, dass bald das Renteneintrittsalter erhöht wird (auf 69 oder 70 oder 77 Jahre), haben einige angehende Fußball-Rentner bei der WM Fakten geschaffen. Die alten Wilden (oder wilden Alten) bringen die historisch gewachsene Gewissheit ins Wanken, dass Fußballprofis ab Mitte 30 in den Ruhestand gehen beziehungsweise ins Lager der Trainer, Experten und Markenbotschafter wechseln. Nicht so anno 2026.
Ronaldo, Dzeko, Ochoa: alle über 40
Unter den zahlreichen Alten sind auch einige von gewisser Bekanntheit wie der Portugiese Cristiano Ronaldo, der zu Beginn des Turniers 41 Jahre und 126 Tage alt war. Oder Mexikos Guillermo Ochoa (40 Jahre und 333 Tage), der Kroate Luka Modrić (40 Jahre und 275 Tage), Edin Džeko, der für Bosnien und Herzegowina spielte (40 Jahre und 86 Tage), unser Manuel Neuer (40 Jahre und 76 Tage) und – na, klar – der Argentinier Lionel Messi, der mit 38 Jahren und 352 Tagen in dieser Reihe wie ein Jungspunt erscheint und der am Sonntag sein drittes WM-Finale bestreitet. Den Altersrekord für die diesjährige WM hält übrigens der schottische Torwart Craig Gordon mit 43 Jahren und 162 Tagen. Die wohl größten Sympathiewerte erzielte Vozinha, der Torwart der Kapverdischen Inseln, der mit 40 Jahren und acht Tagen auch schon zu den reiferen Akteuren gehörte.
Angesichts solcher Ü40-Spieler musste ich dann doch mal die KI fragen, was der Altersrekord für die aktive Teilnahme an Fußballweltmeisterschaften ist. Antwort: „Der älteste Spieler mit WM-Einsatz in der Geschichte ist Essam El Hadary. Der ägyptische Fußballtorhüter war bei der WM 2018 in Russland 45 Jahre und 161 Tage alt“. Also, noch ein Torwart. Im Tor kann man schon mal mit Mitte 40 stehen, aber auf dem Feld hoch und runter rennen wie CR7, Modrić und Messi – das verpflichtet zu Respekt. Alle drei sind älter als Ex-Bundestrainer Nagelsmann.
Mal sehen, wer von den 20 Ältesten der WM 2026 in vier Jahren noch dabei ist. Vielleicht ja einer der Torhüter. Oder Cristiano Ronaldo. Andere Sportarten machen es vor. Der schwedische Sportschütze Oscar Gomer Swahn war 64 Jahre alt, als er bei den Olympischen Spielen in Stockholm 1912 Gold gewann. Und der ist danach auch nicht einfach in Rente gegangen, sondern trat auch acht Jahre später in Antwerpen an – und holte Silber. Erst 1924, als die Spiele zum zweiten Mal in Paris stattfanden, fehlte er krankheitsbedingt.
Ja, Olympia ist dann auch das nächste sportliche Großereignis in den USA. Zum dritten Mal nach 1932 und 1984 ist Los Angeles in zwei Jahren Ausrichter der Spiele. Inklusive Trump und Gefolge auf der VIP-Tribüne. Unterbrechung der 400-Meter-Hürden für Werbung. Eintrittskarten, teuer wie Reihenhäuser in Thüringen. Und Russland wieder dabei. Schwer zu ertragen, das alles.
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