Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Wer verhindert eine neue Intifada?

Das Heilige Land befindet sich wieder einmal in einer gefährlichen Spirale der Gewalt. Papst Franziskus warnt, US-Außenminister Blinken versucht zu moderieren.
Palästinensische Proteste
Foto: IMAGO/Belal Salem \ apaimages (www.imago-images.de) | Die regionalen Akteure, im Bild palästinensische Demonstranten, sind zu einer Deeskalation derzeit weder bereit noch fähig.

Im Heiligen Land ist die Gewalt in den zurückliegenden Tagen neuerlich eskaliert. Manche Beobachter warnen bereits vor einer neuen Intifada. Die Eskalations-Spirale dreht sich Besorgnis erregend. Auf beiden Seiten hat die Gewalt viele Ursachen, manche Gründe und keine Rechtfertigung. Viel zu viele Unschuldige kommen seit viel zu langer Zeit zu Schaden.

Der Papst steht auf der Seite des Friedens

Der Angriff auf eine Synagoge in Ostjerusalem, symbolträchtig am Holocaust-Gedenktag, empört mit Recht nicht nur die israelische Politik, sondern die Welt. Der UN-Sicherheitsrat, derzeit in vielen zentralen Fragen tief gespalten, verurteilte den Anschlag einstimmig. Papst Franziskus richtet seine Kritik an beide Seiten: Er benennt die Opfer der Attacke auf Besucher der Synagoge ebenso wie die Opfer der Anti-Terror-Aktionen des israelischen Militärs. Auf welcher Seite steht der Papst?

Lesen Sie auch:

Er steht, wie seine Vorgänger, auf der Seite des Friedens, der Versöhnung, der Gerechtigkeit. Darum warnt er vor einer „Spirale des Todes, die sich von Tag zu Tag weiterdreht“, und die jegliches „Vertrauen zwischen den beiden Völkern bedroht“. Seit mehr als einem Jahrhundert, von Papst Benedikt XV. bis Papst Franziskus, haben die Nachfolger Petri stets zum Frieden gemahnt und vor kriegerischen Eskalationen gewarnt: meist hellsichtiger als die politische Klasse, häufig ohne Gehör zu finden.

In Israel setzt die Regierung Netanjahu auf ein hartes Vorgehen – nicht nur gegen Terroristen und Gewalttäter, sondern auch gegen deren Angehörige und in ihrer Siedlungspolitik. Das stimmt nicht nur den Papst sorgenvoll, sondern macht auch die Biden-Administration in Washington nervös. US-Außenminister Antony Blinken war gestern in Ägypten; heute spricht er mit Israels Regierungschef Netanjahu, am Dienstag mit Palästinenserpräsident Abbas. Ob Amerika noch das Gewicht hat, die Spirale der Eskalation zu stoppen, ist ungewiss. Die regionalen Akteure jedenfalls sind zu einer Deeskalation derzeit weder bereit noch fähig.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Antony Blinken Benjamin Netanjahu Heiliges Land Mahmud Abbas Papst Franziskus

Weitere Artikel

Im Heiligen Land geben die Hamas und die israelische Regierung der Zwei-Staaten-Lösung keine Chance. Doch der Papst hält an ihr fest.
20.08.2026, 07 Uhr
Stephan Baier
Traditionell stand der Vatikan den arabischen Ländern näher als dem Judenstaat. Erst unter Johannes Paul II. kam die Wende.
29.08.2025, 17 Uhr
Guido Horst
Die Weltgemeinschaft ringt um eine Friedenslösung für Nahost, aber die Hamas und die Regierung Netanjahu wollen davon nichts wissen.
19.11.2025, 11 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Wie aus der Schwester des Märtyrers Jacques Hamel und der Mutter des Mörders Freundinnen wurden. Das Meeting in Rimini startet mit emotionalem Höhepunkt – und morgen kommt der Papst.
21.08.2026, 19 Uhr
Guido Horst
Mehr als reine Übersetzung: Wie Pierre Perrier die mündliche Weitergabe der Heiligen Schrift und ihre Verschriftlichung in der aramäischen „Peschitta“ gewichtet.
23.08.2026, 11 Uhr
Margarete Strauss
Das Himmelreich kennt ein draußen und ein drinnen. Die Schlüssel sind Petrus anvertraut. Aber was ist mit dieser Schlüsselgewalt ausgesagt?
22.08.2026, 21 Uhr
Martin Seiberl