Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Was Bätzing dem Bundeskanzler raten würde

„Brandmauer muss so lange es geht halten“

Im Gespräch mit dem „Deutschlandfunk“ nimmt der DBK-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, Stellung zu Migration, AfD, Papst und Weltkirche. 
Bischof Bätzing
Foto: Imago/epd | Jüngsten Umfragen zufolge halten 57 Prozent der Deutschen selbst das Niveau der legalen Einwanderung der vergangenen zehn Jahre für eher zu hoch oder gar viel zu hoch.

Ein Grund zum Aufatmen kurz vor Weihnachten? Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, kann sich einen deutschen Abschied aus der Weltkirche „überhaupt nicht vorstellen“. Dies sagte der Limburger Oberhirte Ende vergangener Woche im Deutschlandfunk. Zudem äußerte sich Bätzing in dem umfangreichen Interview auch über Migration, politische Spannungen, den Umgang mit der Alternative für Deutschland (AfD) sowie seinen Eindruck von Papst Leo XIV.

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Letzteren hält Bätzing für einen „Mann der Mitte“, der verbinde und nicht schnell „große Botschaften in die Welt sende“. Der neue Papst tue der katholischen Kirche und „sogar unserer Welt“ gut. Angesprochen auf ein Interview des in diesem Jahr gewählten Pontifex, das die Frage aufgeworfen habe, ob die katholische Kirche in Deutschland noch auf demselben Weg unterwegs sei wie die Weltkirche, räumt Bätzing ein, dass es durchaus Differenzen gebe. Diese seien „in den letzten Jahren insbesondere im Blick auf den ‚Synodalen Weg‘ auch immer wieder markiert worden“.

Jedoch sei laut dem DBK-Vorsitzenden nicht das Bestehen von Differenzen entscheidend, sondern der Umgang mit ihnen. Diese würden durch „vertrauensvolle Gespräche mit Vertretern der römischen Kurie und auch mit dem Papst“ bearbeitet. Die katholische Kirche in Deutschland bleibe Teil der Weltkirche, etwas anderes könne er sich „überhaupt nicht vorstellen“.

Dennoch gebe es in der Welt „kulturelle Unterschiede“, was ihm als Teilnehmer der Weltsynode „sehr deutlich geworden“ sei. Die „große Aufgabe“ der Zukunft werde laut Bätzing darin bestehen, „wie diese kulturellen Unterschiede in einer großen, sichtbar klar verbundenen Einheit der katholischen Kirche gelebt werden können“. Wie genau es weitergeht, könnte freilich auch von seiner eigenen Personalie abhängen: die Amtszeit Bätzings als DBK-Chef endet im kommenden Jahr. Ob er sich wiederwählen lassen möchte, ließ Bätzing jedoch offen: Sowohl ein Verzicht als auch eine erneute Kandidatur habe „etwas für sich“, da müsse „man gut überlegen“.

Orientierung jenseits und diesseits politischer Krisen

Das Weihnachtsfest habe trotz fortschreitender Säkularisierung nach wie vor viele Berührungspunkte mit dem christlichen Verständnis, sagt Bätzing. Familie und Kinder stünden im Mittelpunkt, zudem gebe es eine „unglaubliche Spendenbereitschaft“ und Solidarität mit Armen in der Welt und in der Gesellschaft. 

Als besonderes Zeichen nennt der Bischof das Friedenslicht von Bethlehem, das jährlich von Pfadfindern nach Europa gebracht werde und vielen Menschen als Symbol des Friedens diene. Die Botschaft von Weihnachten bestehe darin, dass „in Jesus der Welt ein Licht erschienen“ sei, das Orientierung geben könne, auch angesichts politischer Krisen und gesellschaftlicher Spannungen.

Den Ängsten und Sorgen der Menschen wolle Bätzing „Gemeinschaft, Dialog, also alles, was Menschen zusammenführt“ entgegensetzen. Dafür sei „Kirche irgendwie auch da“. Die „Angsttreiber in unserer Gesellschaft“ seien diejenigen, „die Spaltungen aufbrechen wollen“. Dagegen müsse „man die Gemeinsamkeiten“ setzen.

Spaltende Botschaften seien laut dem Bischof: „Hier sind die einen, da sind die anderen; die interessieren sich nicht für euch, wie es euch wirklich geht und die lassen die Migranten in unser Land und die überschwemmen uns.“ In Deutschland gebe es laut Bätzing eine „ganz große Solidarität untereinander“, welche sogar „in unserem Sozialstaat“ organisiert sei und dazu führe, „dass wir aufeinander achten und füreinander da sind“. 

Guter Rat an den Bundeskanzler

Vom Interviewer wird Bätzing mit einem fiktiven Szenario konfrontiert: Ein zwischen „links und rechts außen“ zerriebener Bundeskanzler ruft ihn an und bittet um Rat. Die „merkwürdige Mauer, auch Brandmauer genannt“, gegenüber der Oppositionspartei AfD würde, so die Annahme, nicht mehr zu halten sein. 

Darauf antwortet Bätzing, dass diese seiner Überzeugung nach „so lange wie es geht“ zu halten sei. Denn die Brandmauer sei „ein Schutz“, denn diese Art des von der AfD vertretenen „völkischen Nationalismus“ sei „menschenverachtend“. „Wir haben das als Kirche immer wieder gesagt“, betont der DBK-Vorsitzende. Dass die Bischofskonferenz sich „deutlich zum völkischen Nationalismus positioniert“ habe, sei „ein großer Erfolg“ gewesen, betont Bätzing an anderer Stelle. 

Auch spricht  Bätzing eine Warnung an (potenzielle) AfD-Wähler aus: Die Menschen, welche die Partei für sich zu gewinnen versuche, würden „als allererste die Augen erschrocken aufmachen, was da passiert in unserem Land“, sollte sie in politische Verantwortung kommen. „Spalten geht nicht“, rundet Bätzing seine Antwort ab. 

Neue Narrative braucht das Land

Bezüglich der „Botschaften zur Migration“ sieht Bätzing sich und die Kirche  in „großer Gemeinsamkeit mit der großen Mehrheit der Mitte“ der Gesellschaft. Er finde es „verheerend, dass Migration zu einem Angstbegriff geworden“ sei. Einwanderung hält der DBK-Vorsitzende für unabdingbar: „Was täten wir denn ohne Migration in unserem Land?“ Bezüglich des Stichworts „Migration“ benötige es „neue Narrative“. 

Gegenüber Deutschlandfunk-Redakteur Andreas Main berichtet der Bischof von einem von ihm persönlich erlebten Positivbeispiel für Einwanderung nach Deutschland. Bei dem Besuch eines Ausbildungsprojekts im Norden seines Bistums sei er „auf migrierte Menschen, die mittlerweile in unsere Gesellschaft integriert sind, weil man sie unterstützt hat, Ausbildungsberufe zu ergreifen“ gestoßen. 

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Dort seien ein Kfz-Mechatroniker, ein Busfahrer, eine Notargehilfin sowie eine Diätassistentin vor ihm gesessen. „Leute, wir brauchen doch diese Menschen. Wer will denn diese Berufe machen in unserem Land? Also, wir brauchen Migration“, schlussfolgert der Bischof von Limburg. Dennoch würde laut Bätzing das Land „eine ungehemmte Migration“ nicht verkraften. Straffällige Einwanderer müssen „mit allen Konsequenzen rechnen“, auch einer Abschiebung.  DT/jna/jra

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