Bärbel Bas hat gerade einfach einen Lauf. Die Duisburg-stämmige Arbeits- und Sozialministerin von der SPD sorgt mindestens im Monatstakt mit waghalsigen Äußerungen für Aufruhr. Erst die „Bullshit“-Äußerung zur Sicht des Kanzlers auf den Sozialstaat, dann die Offenbarung auf dem Juso-Kongress, ihr sei auf dem Arbeitgebertag klargeworden, „gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen“, in jüngerer Zeit unverblümte Werbung für Planwirtschaft, zuletzt der Bundestagskracher, es wandere „niemand in die Sozialsysteme ein“. Kann man da noch einen draufsetzen?
Die Parteilinke, die ihrer Flügelzuordnung alle Ehre macht, hat vermutlich noch so einiges auf Lager. Letzte Woche überraschte sie schließlich mit einem Bekenntnis zur „Vielfalt“, das vor allem auf sozialen Medien mit Fassungslosigkeit aufgenommen wurde. „Wir wollen Farbe bekennen und wehren uns auch gegen dieses sogenannte Einheitsgrau oder, ich will es sogar braun nennen. Auch wenn manche sich danach sehnen vielleicht sogar, aber so ist es halt nicht mehr und das ist auch gut so, meine Damen und Herren, es kann nur gelingen, wenn Vielfalt eben im Alltag auch gelebt wird. Und deswegen ist es mir auch als Arbeitsministerin besonders wichtig, genau hier anzusetzen, wir brauchen die Menschen, die zu uns kommen, auch als Fachkräfte, ja – aber wir brauchen sie auch für die Vielfalt in unserer Gesellschaft, das ist genauso wichtig.“
Soweit die Ministerin auf dem „Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt“ am 21. Mai. Man könnte fast meinen, Bas räumt die Position, es gebe keine Einwanderung in die Sozialsysteme, flugs wieder: Warum sonst vom Narrativ der Fachkräfte auf die Nazikeule ausweichen? Es schien ihr aber wohl nötig, deutlich zu machen, dass ihr die deutsche Gesellschaft immer noch nicht vielfältig genug ist. Wer sich das „Einheitsgrau“ – von wann eigentlich? Vor 2015? – zurückwünscht, steht im Verdacht, es eigentlich wieder „braun“ haben zu wollen. Wenn man so will, servierte Bas damit auch Friedrich Merz einen neuen Bullshit-Befund: Zumindest lässt sich ihre Einordnung als Replik auf die „Stadtbild“-Debatte lesen. In des Kanzlers Wahrnehmung gibt es in demselben bekanntlich „weiterhin ein Problem“. Ja, scheint Bas zu meinen – nämlich, dass deutsche Städte immer noch nicht divers genug aussehen.
In ihrer entwaffnenden Plattheit erinnert Bas’ Aussage schließlich ein wenig an Wolfgang Schäubles Diktum – ebenfalls zur Migrationspolitik, ein Zufall? – von 2016: „Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe.“ Wenn gar nichts mehr geht, gestatte dir einfach einen Ausflug in die Biologie, in Bas’ Fall wohl in die Geschichtswissenschaft, der so absurd ist, dass darauf auch keiner mehr zu antworten weiß.
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