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Der unbequeme Genosse

Torsten Albig plädiert für einen anderen Umgang mit der AfD – und rührt damit an einem sozialdemokratischen Dogma.
Thorsten Albig
Foto: Imago/penofoto | Der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig sorgt mit Forderungen nach einem anderen Umgang der SPD mit der AfD für Diskussionen.

Die Erfahrung, dass zugespitzte Aussagen in einem Interview eine ganz schön ordentliche Wucht entfalten können, hat Torsten Albig schon in seinem ersten Leben gemacht. Da war er noch Berufspolitiker. Ausgerechnet gegenüber dem Boulevard-Magazin „Bunte“ erläuterte der damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident, warum seine Ehe gescheitert sei.

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Er habe zum Schluss mit seiner Frau einfach keine Gespräche auf Augenhöhe mehr führen können. Die habe zwar perfekt Haushalt und Familie gemanagt und sich um die Kinder gekümmert, aber man habe keine gemeinsamen Themen mehr gehabt. In dieser Logik folgerichtig tat sich Albig auch mit einer jüngeren Unternehmerin zusammen, mit der er jetzt verheiratet in Kiel lebt. Der SPD-Politiker stand damals im Wahlkampf. Und bei den Wählerinnen brachte ihm solche Sätze nun wirklich keine Pluspunkte ein. Viele Beobachter gingen damals davon aus, dass sein Wahlkampf nicht zuletzt auch wegen dieses Interviews in die Binsen ging.

Ein spezieller Sozi

Das ist jetzt neun Jahre her, nun arbeitet Albig als Lobbyist für einen Tabakkonzern. Als politischen Kopf sieht sich der 63-Jährige offenbar immer noch und gibt auch wieder Interviews. Seiner Partei machte er jetzt einen Vorschlag, der von den führenden Genossen sofort entrüstet zurückgewiesen wurde, der aber vielleicht doch den einen oder anderen Sozi in einer stillen Stunde zum Nachdenken bringen könnte: Die SPD solle anders mit der AfD umgehen.

Mit Blick auf die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern riet der Norddeutsche, der, bevor er in der Kieler Staatskanzlei saß, Oberbürgermeister dieser Landeshauptstadt war, seiner Genossin Manuela Schwesig, über eine mögliche Minderheitsregierung nachzudenken, die eben auch von der AfD je nach Thema im Parlament unterstützt werden könnte.

Ein Allparteien-Bündnis gegen die AfD halte er hingegen für kontraproduktiv, am Ende stehe dann nur „der frustrierte Wähler“, erklärte er gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle.“ Wenn die SPD aus so einer Einsicht nicht Konsequenzen ziehe, drohe sie zu verschwinden.

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Wenn jemand in der SPD der Gegenwart die Rente mit 75 fordern würde, er käme wahrscheinlich ungeschorener davon als ein Sozi, der in die Richtung Albigs denkt. Die „Brandmauer“-Politik besitzt für die Sozialdemokraten dogmatischen Charakter. Wenn ansonsten gar nicht mehr so klar ist, was eigentlich typische SPD-Politik sein soll, hier darf es für die Parteiführung kein Wanken geben. Albig ist jetzt ein Parteiketzer.

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