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Schewtschuk beklagt Zermürbungstaktik in der Ukraine

Familien und die Bevölkerung seien durch die Erfahrungen des russischen Angiffskrieges „zerrissen“ worden, meint der Kiewer Großerzbischof.
Schewtschuk sprach mit "Kirche in Not" über seine aktuellen Beobachtungen zu dem fast zwei Jahre andauernden Krieg
Foto: IMAGO/IPA/ABACA (www.imago-images.de) | Schewtschuk sprach mit "Kirche in Not" über seine aktuellen Beobachtungen zu dem fast zwei Jahre andauernden Krieg: „Der Krieg, den wir jetzt erleben, ist nicht mehr nur ein direkter Angriff, sondern ein Krieg der ...

Im zweiten Winter des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine macht sich eine tiefe Erschöpfung und Spaltung der Bevölkerung breit, meint das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk.

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Russland fahre als Teil seiner psychologischen Kriegsführung eine Zermürbungstaktik gegen die Bewohner seines Landes, erklärte Schewtschuk gegenüber einer Delegation des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN). Vertreter des Hilfswerks hielten sich Anfang Dezember zu einem Solidaritätsbesuch in der Ukraine auf.

Durch Kriegserfahrungen zerrissen

Schewtschuk teilte seine aktuellen Beobachtungen zu dem fast zwei Jahre andauernden Krieg: „Der Krieg, den wir jetzt erleben, ist nicht mehr nur ein direkter Angriff, sondern ein Krieg der Erschöpfung.“ Durch die „Kriegserfahrungen“ seien die ukrainische Bevölkerung und die Familien „zerrissen“ worden:  Es gebe eine Trennung zwischen denjenigen, die das Land verlassen hätten, und denjenigen, die geblieben seien, zwischen Soldaten an der Front und ihren evakuierten Ehefrauen, zwischen der Ost- und Westukraine, so der Großerzbischof.

Etwa 80 Prozent der Menschen in der Ukraine habe der Krieg körperlich oder seelisch verwundet. Kriegstraumata würden sich laut Schewtschuk zu einem immer größeren Problem entwickeln. Seine Kirche versuche, die betroffenen Menschen nach ihren Möglichkeiten zu betreuen, doch auch viele Priester seien am Ende ihrer Kräfte.

Gleichzeitig sei die aktuelle Versorgungslage katastrophal, besonders im Hinblick auf Energie. Im Zuge des Krieges sei im vergangenen Jahr bereits über die Hälfte der Strominfrastruktur des Landes zerstört worden. Schätzungen zufolge seien knappe drei Viertel der Bevölkerung auf Generatoren angewiesen, um ihre Wohnungen zu heizen oder Stromanschlüsse zu nutzen. 

Wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) meldet, will auch die Bundesregierung weiterhin humanitäre Hilfe für die Ukraine leisten. Einzelheiten teilten das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium am vergangenen Freitag in Berlin mit. Demnach sollen Hilfsgüter in Höhe von über sechs Millionen Euro für die ukrainische Feuerwehr, den Rettungsdienst und den Katastrophenschutz bereitstehen. Besonders um in den frontnahen Gebieten die Energieinfrastruktur zu stärken, bereite das Technischen Hilfswerk (THW) mehr als 500 Stromgeneratoren im Gesamtwert von rund 3,5 Millionen Euro vor. 

Menschliche Beziehungen sind entscheidend

Trotzdem hätten viele Menschen in der Ukraine laut Schewtschuk die Sorge, dass ihr Schicksal in Vergessenheit geraten könnte. „Insofern haben die Besuche und die Hilfe von Organisationen wie ,Kirche in Not’ eine therapeutische Wirkung für uns“, bedankte er sich. „Neben der humanitären Hilfe ist auch die menschliche Beziehung entscheidend.“

„Kirche in Not“ hat seit Beginn der russischen Invasion stetig die Nothilfe der griechisch-katholischen und der römisch-katholischen Kirche unterstützt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt laut eigenen Angaben auf Heizungsprojekten, der Instandsetzung zerstörter Gebäude und dem Kauf von Fahrzeugen, um Hilfsgüter in entlegene Gebiete transportieren zu können. Ebenso bieten sie Schulungen zur Betreuung von traumatisierten Menschen an.

In der mehrheitlich orthodoxen Ukraine gehören nach Vorkriegsstand etwa vier Millionen Menschen der griechisch-katholischen Kirche an. Sie pflegt Ritus und Kirchenstruktur der Ostkirchen, steht aber in Einheit mit dem Papst. Die Zahl der Angehörigen der römisch-katholischen Kirche liegt bei unter einer Million. DT/jmo

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