Insgesamt elf Personen wurden am Dienstag und Mittwoch im Kontext des gewaltsamen Todes von Quetin Deranque in Lyon verhaftet und werden laut übereinstimmenden Medienberichten von der Staatsanwaltschaft verhört. Einer der Verdächtigen ist Jacques-Elie Favrot, parlamentarischer Assistent des Abgeordneten Raphaël Arnault von der Linksaußen-Partei „La France Insoumise“ (LFI). Beide sind Gründer der linksextremen „Jeune Garde Antifasciste“, einer militanten Organisation, gegen die das Innenministerium ein Verbot angestrengt hat, das aber noch nicht rechtskräftig ist. Mehrere weitere Verdächtige sollen der Organisation angehören.
Wegen der engen Kontakte von LFI und „Jeune Garde“ steht nun auch die Partei in starker Kritik, insbesondere wegen ihrer regelmäßigen Gewaltrhetorik. In der Nationalversammlung erinnerte Innenminister Gérald Darmanin diese Woche daran, dass LFI-Chef Jean-Luc Mélanchon im letzten April die „Jeune Garde“ als befreundete Organisation bezeichnet hat, die mit LFI verbunden sei.
Quentin Deranque, 23 Jahre alt, wurde am Donnerstagabend am Rande einer Konferenz der LFI-Europaabgeordneten Rima Hassan an der Universität Sciences Po Lyon von mehreren vermummten Personen angegriffen. Der katholische Konvertit aus dem rechten politischen Milieu war gekommen, um die Sicherheit von Aktivistinnen des identitären Kollektivs „Némésis“ zu gewährleisten, die gegen die Hamas-Apologetin Hassan protestieren wollten. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und starb am Samstag an den Folgen der Verletzungen.
Mitarbeiter und Abgeordneter waren polizeilich bekannt
Nachdem in einigen Medien zunächst von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Extremen die Rede war, stellte der Staatsanwalt bereits am Montag fest, es habe sich um einen gezielten Angriff mit Tötungsabsicht gehandelt. Sechs der elf Festgenommenen, darunter Jacques-Élie Favrot, werden verdächtigt, die tödlichen Schläge ausgeführt zu haben. Favrot hatte zu Wochenbeginn zunächst über seinen Anwalt angekündigt, wegen Verleumdung gegen alle vorzugehen, die ihn für den Tod von Quentin Deranque verantwortlich machten.
Aktuell weitet sich der Fall zu einer politischen Krise für „La France Insoumise“ aus, weshalb sich Mélenchon bemüht, einen möglichst großen Abstand zwischen seine Partei und den Vorfall zu bringen. Nur: Jacques-Élie Favrot ist parlamentarischer Mitarbeiter des LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault und Mitglied des ultralinken Kollektivs „La Jeune Garde“. Favrot wird im Zusammenhang mit seinen „antifaschistischen“ Aktivitäten im Register für potentielle Staatsgefährder („Fiche S“) geführt, war also den Behörden bereits bekannt.
LFI-Abgeordneter ist vorbestraft
Das gilt ebenso für seinen Arbeitgeber, den LFI-Abgeordneten Arnault, der im vergangenen Jahr sogar rechtskräftig zu vier Monaten Haft auf Bewährung wegen „vorsätzlicher Gewalt in der Gruppe“ verurteilt wurde. Parteigründer Jean-Luc Mélenchon hatte im Juni 2024 erklärt, nichts davon gewusst zu haben, dass sein Schützling Arnault bei den Behörden bekannt ist. Gleichzeitig relativierte Mélenchon dessen Taten laut dem „Figaro“ mit der Bemerkung, es handle sich um „einen jungen Mann, der in antifaschistischen Gruppen ist und sich mit Faschisten schlägt“.
Abgeordnete von LFI, allen voran Jean-Luc Mélenchon, fielen in den vergangenen Jahren immer wieder durch eine latent gewalttätige Rhetorik auf. Der Europaabgeordnete François-Xavier Bellamy erklärte im Interview mit „France Inter“, Mélenchon trage eine „immense moralische und politische Verantwortung für die zunehmende Gewalt im Land“. Bellamy sprach zudem von einem „ohrenbetäubenden Schweigen“ weiter Teile der Linken angesichts des Todes von Quentin Deranque. Bellamy sieht ein „offensichtliches Einvernehmen“ zwischen der „Jeune Garde“ und Jean-Luc Mélenchon. Er verweist darauf, dass ein Auflösungsverfahren eingeleitet worden sei und LFI sich noch vor wenigen Tagen dagegen ausgesprochen habe.
Unterstützung für LFI wackelt – politische Zukunft ungewiss
Scharfe Kritik kommt aber auch aus der gemäßigten Linken. Der sozialistische Ex-Präsident François Hollande erklärte gegenüber dem Fernsehsender BFMTV, die Sozialisten könnten „keine Allianz mehr mit LFI eingehen“ – auch nicht im zweiten Wahlgang der Kommunalwahlen. Er bezeichnete LFI als „extreme Linke“ und begründete dies mit den Verbindungen zur Jeune Garde. Hollande erklärt die Beziehung zwischen seiner eigenen sozialistischen Partei PS und LFI als „vollständig abgebrochen“, da die Partei ihre Verpflichtung zur Ablehnung einer „Brutalisierung“ der politischen Debatte nicht eingehalten habe.
Inmitten der Spannungen wurde am Mittwochmittag der nationale Sitz von „La France Insoumise“ im 10. Arrondissement von Paris nach einer Bombendrohung evakuiert. Auf X teilte der LFI-Abgeordnete Manuel Bompard mit, die Polizei sei vor Ort, Mitarbeiter und Aktivisten seien in Sicherheit. DT/fha
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