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Rosenkranz statt Rache

Vielleicht kommt der Tag, an dem auch die gewalttätige Linke Gott auf Knien dafür dankt, dass sie es nicht geschafft hat, das Christentum auszurotten.
Chefredakteurin Franziska Harter, Rosenkranz
Foto: DT / IMAGO / Eibner | Tugendübung: Die Ungerechtigkeit in dieser Welt aushalten.

Quentin Deranque war Neugetaufter und praktizierender Katholik. Das macht ihn nicht automatisch zum Märtyrer. Aber seine Ermordung durch Antifa-Schläger im Kontext einer Demonstration geht auf das Konto einer radikalen, nihilistischen Linken, die seit Jahren gegen alles kämpft, was nicht in ihr Weltbild passt. Immer wieder kommt es im Kontext linksextremer Demonstrationen zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen Andersdenkende.

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Deutschsprachige Medien beeilten sich, den Ermordeten mir nichts, dir nichts als Rechtsextremen zu bezeichnen – wohl wissend, dass im Kopf des Lesers damit das Bild eines leicht minderbemittelten, Springerstiefel tragenden, glatzköpfigen Raufboldes entsteht, der es vielleicht irgendwie nicht anders verdient hat –, ohne sich im Entferntesten für die Positionen und Beweggründe des Opfers zu interessieren. Und ja, es wäre bequem, den Vorfall als gewaltsames Aufeinanderprallen der Extreme abzutun, wie Friedrich Merz es auch schon mit den doch sehr einseitig linksextremen Ausschreitungen anlässlich der Neugründung der AfD-Jugendorganisation in Gießen tat. Dass es sich im Fall Deranque mitnichten um eine Straßenschlacht im Stil der Weimarer Republik, stattdessen aber um willentliche Tötung durch gezielte Schläge gegen den Kopf handelte, hat mittlerweile die französische Staatsanwaltschaft höchstoffiziell festgestellt.

Am Tod von Quentin Deranque gibt es viele Mitschuldige. Denn man braucht seinen Überzeugungen nicht zustimmen, aber in einer Demokratie muss man sie aushalten. Man muss es auch aushalten, dass junge Frauen wie die vom Kollektiv Nemesis lautstark darauf hinweisen, was eine zunehmende Islamisierung und unkontrollierte Massenimmigration für die Sicherheit und Freiheit von Frauen und Mädchen sowie für das Fortbestehen der eigenen Kultur bedeutet. Und: Selbst in der radikal laizistischen Republik Frankreich müssen säkularisierte Bürger es friedlich ertragen, dass andere in Gott die Quelle von Gesetz, Ordnung und Moral erkennen.

Gegen vermeintliche Faschisten sind dann alle Mittel erlaubt

Für Teile der radikalen französischen Linken besteht aber zwischen praktiziertem Christentum und Faschismus kein großer Unterschied: „Ni Dieu ni Maître“ („Weder Gott noch Herr“) ist nicht nur die historische Parole des Anarchismus, sondern bis heute in linksextremen Kreisen beliebter Wahlspruch. Die Ablehnung von Homo-„Ehe“ und Abtreibung, der Einsatz für die natürliche Familie von Vater, Mutter und Kind, der Wunsch, französische Kultur und Traditionen zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben, all das gilt für diese Bewegung als faschistisch und mit allen Mitteln zu bekämpfen. Aber die parlamentarische Linke des äußeren Randes lässt rhetorisch immer wieder durchscheinen, dass im Kampf gegen „Faschisten“ alle Mittel erlaubt sind. Viel zu oft zeigte sie sich nachsichtig gegenüber Gewalt gegen Personen, die gewaltlos ihre Meinung äußern. Viel zu lange wurden auch in Frankreich nicht-linke Positionen in die faschistische Ecke gestellt.

Vielleicht kommt der Tag, an dem auch die extreme Linke Gott auf Knien dafür dankt, dass sie es nicht geschafft hat, das Christentum auszurotten. Denn würde es nach Antifa-Logik gehen, müsste auf den Wind der Ermordung der Sturm der Vergeltung folgen. Quentins Unterstützer reagieren aber mit Rosenkranzgebet statt mit Rache. Seine Freunde rufen dazu auf, für die Bekehrung seiner Mörder zu beten. Verzeihen ist so ungefähr die schwerste christliche Tugendübung, denn sie beinhaltet, den eigenen Gerechtigkeitssinn zu transzendieren und ein Unrecht auch dann auszuhalten, wenn keine Wiedergutmachung erfolgt. Am Ende wird genau das den Unterschied machen zwischen einer Gesellschaft, die in Barbarei versinkt, und einer, die die Kraft zu geistig-kultureller Erneuerung findet.

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