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Salvini und Franziskus: Auf ihre Weise Populisten

Papst Franziskus und Italiens Innenminister Matteo Salvini sind beide authentisch und kommen beim Volk gut an. Doch mit seiner Dauerpräsenz drängt Salvini den „Politiker Franziskus“ in den Hintergrund.
Matteo Salvini spaltet italienische Katholiken
Foto: Gregorio Borgia (AP) | Dass die Bischöfe Italiens in der Migrationsfrage die harte Linie der Regierung, vor allem aber Salvini immer wieder kritisieren, wird in Italien nur noch als Rumoren im Hintergrund wahrgenommen.

Matteo Salvini ist tagein tagaus 24 Stunden in den sozialen Medien präsent, zeichnet mit seinem Smartphone laufend kurze Videos auf, mit denen er rund um die Uhr den politischen Gegnern antwortet. Dafür hat er kein Amtszimmer nötig, mit Schreibtisch und italienischer Fahne dahinter, wie das frühere Politiker-Generationen gerne taten. Seinen Dienstsitz als Innenminister im römischen Viminalpalast braucht er dazu nicht. Er inszeniert sich selbst, indem er den Matteo Salvini gibt, der er einfach ist. Das kommt gut an.

Auch von Franziskus sagen die Leute: "Der ist einer von uns"

Es gibt einen anderen, der in Italien sehr authentisch daherkommt und von dem die Leute sagen: „Der ist wie einer von uns“: Papst Franziskus. Doch ihn drängt das Protokoll immer wieder in die Kulisse des päpstlichen Amtes zurück. So etwa, als er am Sonntag beim traditionellen Gebet des Angelus von der „terza loggia“ des Apostolischen Palasts aus einen starken Appell an die europäischen Führer richtete, für die 49 auf den Rettungsschiffen von „Sea Watch“ und „Sea Eye“ vor Malta treibenden Flüchtlinge endlich einen Hafen zu öffnen.

Prompt kam die Video-Antwort von Salvini. Die italienischen Häfen bleiben geschlossen, auch für die beiden Rettungsschiffe. Italien habe in der Vergangenheit genug für die Flüchtlinge getan und wolle nicht zum Auffanglager Europas werden – jetzt seien die anderen dran. So ungenau diese Behauptung ist, so gut kommt sie an und ist immerhin konsequent.

Salvini spaltet die Katholiken im Land

Dass die Bischöfe Italiens in der Migrationsfrage die Haltung von Franziskus teilen und die harte Linie der Regierung, vor allem aber Salvini immer wieder kritisieren, wird in Italien nur noch als Rumoren im Hintergrund wahrgenommen. Es geht um zwei Protagonisten, die beide auf ihre Weise „Populisten“ sind: Franziskus und Salvini. Das spaltet nicht nur die Katholiken im Land, die scharenweise zur „Lega“ übergelaufen sind, sondern wird auch ein Thema des Europa-Wahlkampfs sein, der in Italien längst begonnen hat.

DT

Wie Italiens Vize-Regierungschef Salvini die Gewichte in Straßburg ändern will, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 10. Januar 2019.

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