Wenn sich Südtirol in ein Meer aus goldgelben, orangefarbenen und tiefroten Blättern verwandelt und der erste Schnee auf den Bergspitzen glitzert, beginnt eine Zeit, in der das Land seine ganze Seele zeigt. Inmitten dieser magischen Jahreszeit laden rund 2 000 Bauernhöfe und Schankbetriebe mit dem Qualitätssiegel „Roter Hahn“ zu einem ganz besonderen Erlebnis ein: einem Urlaub, der erdet, inspiriert und verbindet.
Seit vielen Jahren steht der „Rote Hahn“ als Gütesiegel des Südtiroler Bauernbunds für Echtheit, Qualität und gelebte Tradition. Wer hier einkehrt, betritt nicht einfach eine Unterkunft – er tritt ein in das Herz bäuerlicher Kultur. Familien öffnen ihre Höfe und ihre Herzen, erzählen Geschichten aus längst vergangenen Tagen und teilen ihr Wissen mit jenen, die die Natur und das einfache Leben schätzen.
Einst gehörte der Lanznasterhof bei Bozen drei Schwestern. Im 19. Jahrhundert brannte er ab und die drei Frauen mussten ihr Hab und Gut verkaufen, um die finanzielle Not zu lindern. Rund 200 Jahre später, seit 2008, ist der Hof im Besitz der Familie Lang. Bäuerin Renate kümmert sich um die Feriengäste und stellt schmackhafte Fruchtaufstriche, Gelees und Sirup aus Blau-, Johannis-, Stachel- und Brombeeren her.
Ihr Mann Ivan ist bekannt als Südtirols Pferdeflüsterer und für sein Gestüt Feuerstein, wo er Araberpferde züchtet und Reitunterricht gibt. Oma Jula ist für die Blumenpracht und den Kräutergarten zuständig. Für die Feriengäste hat sie immer eine Geschichte parat.
Üblich ist, dass den Gästen am Morgen das Frühstück im Korb oder auf dem Tablett in die Ferienwohnung gebracht wird. Fast alle Produkte sind selbst gefertigt und ausschließlich Bio. Leckere Marmeladen, Müsli, Säfte, Eier von Freilaufhühnern und selbst gebackenes Brot erzählen den Touristen vom bäuerlichen Handwerk in den Bergen.
Auch in der dunkleren Jahreszeit verspricht Südtirol unbegrenzte Urlaubsfreude. In Bozen lockt die Laubengasse mit einem großen Angebot an Geschäften. Wochen- und Bauernmärkte finden sich von Montag bis Samstag in vielen Orten. Empfehlenswert ist der Besuch einer typischen „Buschenschänke“, die ihre eigenen Produkte in bäuerlichen Stuben auftischt.
Im Winter gibt es Wanderungen direkt ab Hof. „Wir verleihen Schneeschuhe und Stöcke“, ergänzt Renate Lang. Jeder Gast bekommt einen Gästepass für die kostenlose Nutzung der Südtiroler Verkehrsmittel. Auch die Fahrt mit der Rittner Horn Bergbahn sowie der Eintritt zum Eislaufen und zu den Eishockeyspielen in der Arena Ritten sind frei. Letztere ist die schnellste Freiluft-Eisbahn der Welt, wo internationale Stars ihre Rekorde aufstellen.
Als Skischule für die Kleinen ist das Rittner Horn ideal. „Es gibt keine steilen Pisten, viel los ist auch nicht und die Kinder können sich nicht verlaufen“, rät die dreifache Mutter. Familie Lang beherbergt auch Übernachtungsgäste über Weihnachten. „Wir schmücken am Nachmittag des Heiligen Abends gemeinsam den Baum und gehen in die Kinderweihnacht. Wir glauben fest daran, dass alle Tiere am Heiligen Abend sprechen können. Sie bekommen dann etwas besonders Gutes zu fressen. Das ist bei uns seit uralten Zeiten gelebte Tradition.“
Katholisch geprägtes Südtirol
Südtirol ist eine katholisch geprägte Region. Rund 98 Prozent der Einwohner sind römisch-katholische Christen. Dagegen ist die Anzahl der evangelischen Christen gering. „Wir leben in einer absoluten Diaspora“, betont Pfarrerin Frauke Leonhäuser von der evangelischen Christuskirche in Bozen.
„Der Zusammenhalt ist stark, die Kirchengemeinde gibt ein Stück Heimat, auch weil die Predigten auf Hochdeutsch sind.“ Die gebürtige Fuldaerin erzählt vom gemeinsamen Adventskranzbinden und vom Kirchencafé nach jedem Gottesdienst. „Die Gemeindemitglieder freuen sich jedes Mal aufeinander.“ Zudem hat Bozen den größten Weihnachtsmarkt ganz Italiens und ist allein deshalb schon einen Besuch wert.
Überhaupt gehören die Weihnachtsmärkte in der Region zu den schönsten in ganz Italien. Zu den Original Südtiroler Christkindlmärkten zählen die in Meran, Brixen, Bruneck und Sterzing. Die meisten bleiben sogar bis zum sechsten Januar geöffnet. Der Alpenadvent in Sarntal ist still und besinnlich. Seniorbäuerin Jula Lang gefällt dieser daher am besten. Und beim Gassladvent ziehen Hirten, Esel und Schafe gemeinsam mit Maria und Josef durch die malerischen Winkel von Klausen und erzählen die Geschichte der Herbergssuche.
Bäuerin Jutta Tappeiner vom Kräutererbe-Bacherhof steht in ihrem winterlichen Naturgarten. „Jeder, der hierherkommt, soll später mit mehr Freude und Liebe in seinen eigenen Garten zurückkehren“, sagt sie. „Jetzt lasse ich alles so, wie es ist – unsere tierischen Mitbewohner, wie der Igel, brauchen schließlich ein geschütztes Winterquartier.“
Die Ferienwohnungen ihres Bio-Obsthofs in Nals schmiegen sich in die Bergwelt um Meran. Alles hier folgt den Naturlehren von Sebastian Kneipp und Hildegard von Bingen. „Mehr als sechs Gäste nehme ich nicht auf“, erzählt Jutta. „Ich möchte für jeden Einzelnen Zeit haben – mit echter Aufmerksamkeit.“
Für die wenigen Urlauber öffnet sie Herz und Hof: Es gibt Apfelverkostungen, Kurse in Naturkosmetik und kleine Hausmusik-Konzerte. Auch schreibt sie Bücher über lebendige Südtiroler Bräuche und über Naturkosmetik aus Rosen. „Man muss nur eine Handvoll Kräuter wirklich kennen und verstehen“, betont sie. „Dann kann man Wunder bewirken.“
Das Buch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ von Maria Treben wurde für sie zum treuen Begleiter. Wie sie selbst war auch ihre Mutter eine gläubige Katholikin. „Wenn man glaubt, kann man sehr viel schaffen. Für mich ist es die Nähe zu Gott und zur Natur, die mich trägt. Das macht dankbar und zutiefst glücklich.“ Gemeinsam mit dem verstorbenen Ethnologen Hans Griessmair erforschte sie über viele Jahre hinweg katholische Traditionen in Südtirol und hielt dieses Wissen in ihrem Buch fest.
Der Südtiroler Bauernbund hat fünf Angebote unter seiner Dachmarke zusammengeführt und verbindliche Qualitätsstandards festgelegt: Geprüfte Bauernhöfe als Urlaubsziel, hochwertige Produkte der Direktvermarkter, köstliche Hausmannskost in ausgewählten Hof- und Buschenschänken, echtes bäuerliches Handwerk sowie die Roter Hahn-Kochschule. www.roterhahn.it
Die Autorin ist Journalistin und Reiseautorin.
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