In den letzten Jahren hat mich eine Frage immer wieder beschäftigt: Wie lernt man eigentlich, richtig zu beten? Auf der Suche nach Antworten bin ich bei großen Meistern des Gebets gelandet – etwa beim heiligen Ignatius und Franz von Sales, die das betrachtende Gebet als eine Art Königsweg beschreiben. Einen Weg, auf dem man Gott zunächst mit dem Verstand und dann immer tiefer mit dem Willen kennenlernt.
Dann lernte ich bei einem Vortrag auf der Mehr-Konferenz 2026 John Eldredge kennen, der mich die 10 .999 anderen Menschen in der Halle vergessen ließ und im Gespräch mit Gott den Weg zum Herzen führte. Diese Art des Gebets war neu für mich. Hier ging es um die Beschäftigung mit dem Herzen – dem Ort, an dem wesentliche Entscheidungen getroffen werden und Erinnerungen, schmerzhafte wie gute, sichtbar werden. Während der Minuten der Stille, in denen Eldredge uns anleitete, das Herz zu öffnen, wurde mir etwas schmerzlich bewusst: Ich hatte eine behütete Kindheit, eine traditionelle katholische Schulbildung, eine starke Familie und gute Freunde. Was sollte mich in meinem Herzen schon erwarten? Und doch erlebte ich, dass jedes böse Wort, jeder Streit, jeder Verlust und jede Unsicherheit dort immer wieder kleine Wunden hinterlassen hatten. Wunden, die mir – und, wie ich glaube, auch vielen anderen – zum ersten Mal wirklich bewusst wurden. Aber das Herz ist schließlich auch der Ort, an dem Christus wohnt und auf uns wartet – um alle Wunden zu heilen. Was für eine wichtige Art des Gebets!
Zunächst eine Ausrede
Es gibt jedoch noch eine weitere Schule, an der ich mein Gebetsleben gerne ausrichte. Ungefähr jedes halbe Jahr überkommt mich das Verlangen, die Don-Camillo-Filme zu schauen. Abgesehen davon, dass es einfach gute Filme sind, beeinflussen sie jedes Mal mein Gebetsleben. Dieser Einfluss ist so groß und so fruchtbar, dass ich mir in der Fastenzeit – obwohl ich mir vorgenommen hatte, keine Filme (außer Dokumentationen) allein zu schauen – Don Camillo kurzerhand als Doku erlaubt habe, da für mich der geistliche Mehrwert den bloßen Unterhaltungswert übersteigt. Mag das eine Ausrede gewesen sein oder nicht – wie kann ein Film einen so großen Einfluss auf das Gebetsleben haben?
Camillo spricht wieder mit dem Herrn über seine Probleme, dreht das Kreuz um, damit dieser seine nächste Schlägerei nicht mitansehen muss, oder schleicht sich mit einem mehr oder weniger christlichen Plan gegen die Kommunisten aus der Kirche, in der Hoffnung, der Gekreuzigte würde ihn nicht sehen. Es sind solche Szenen, die die Filme so besonders machen. Dabei ertappe ich mich bei dem Gedanken: Warum kann es bei mir nicht auch so sein? Warum kann Christus nicht so mit mir sprechen wie mit Don Camillo? Warum habe ich nicht immer ein solches kindlich-vertrauendes Verhältnis zu Gott?
... dann fällt das Aufgesetzte
Genau hier setzt die „Don-Camillo-Gebetsschule“ an: Rede so mit Christus wie Camillo – und du wirst etwas davon erleben. Wie oft merke ich, dass ich mit Gott rede wie mit einem Fremden. Don Camillo hingegen hat es verstanden: Er spricht mit Gott als seinem besten Freund. Er erzählt ihm alles, auch wenn er etwas nicht versteht oder einen göttlichen Plan nicht gutheißt. Er ist authentisch im Gebet und muss sich nicht verstellen. Gott ist für ihn Herr und bester Freund zugleich.
Und wenn ich mich nach dem Film hinknie und versuche, so zu beten wie Camillo, dann fällt alles Aufgesetzte ab. Dann können zwei Menschen beste Freunde werden – nur dass der eine gleichzeitig Gott, der Schöpfer des ganzen Universums, ist und der andere die Antwort nicht mit den Sinnen hört, sondern erst in seinem Herzen danach suchen muss.
Die Autorin, Jahrgang 2004, studiert in Regensburg Deutsch und Geschichte auf Gymnasiallehramt.
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