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„Ich liebe dich!” – Was heißt das?

Vielfach wird dieser Satz einfach nur dahin gesagt. Es ist wichtig, sich auf die eigentlich Bedeutung dieser Aussage zu besinnen.
Liebespaar
Foto: Imago | Die Worte „Ich liebe dich!“ drücken, sofern sie wahr und aufrichtig gesprochen sind, eine tiefe Hingabe, ein Versprechen und eine Zusage an den Geliebten aus.

Ich liebe dich! – Das kann vieles heißen: Ich mag dich; ich will was von dir; oder das, was es eben sagt: Ich liebe dich. Wenn das keine Floskel ist, sondern ernst gemeint, dann haben diese drei Worte eine sehr tiefe Bedeutung. Was sich dahinter verbirgt, erklärt Leda Galli sehr schön in ihrem Buch „Vom Leib zur Person – Sex, Sexualität und Liebe: Reichtum statt Banalität“ (Wien: Fassbaender, 2013). Sie setzt die Aussage „Ich liebe dich!“ gleich mit „Ich will dein Wohl!“. Die Bedeutung dieses Satzes erläutert sie anhand der Aufschlüsselung der einzelnen Worte.

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Am Anfang steht das „Ich“. Das Ich meint die Person in ihrer Ganzheit mit ihrem Körper, ihren Gefühlen und ihrem Willen oder, anders ausgedrückt, mit ihrem Leib, ihrer Psyche und ihrem Geist. Auf das „Ich“ folgt „Ich will“; der Wille, also die bewusste und freie Entscheidung, genauso wie der Verstand, der prüft und erwägt. So entscheidet man sich, damit treu zu einer Person mit all ihren Fehlern zu stehen. Das Gefühl der Verliebtheit kann enden. Aber mit dem „Ich will“ sichert man dem anderen zu, sich auch dann noch, wenn die Gefühle verschwunden sind, an die noch folgenden zwei Worte zu halten. An dieser Stelle stellt Galli klar: Eine wirkliche Entscheidung gibt es nur „mit dem Willen, der das Gefühl nährt, und mit dem Gefühl, das dem Willen neue Kraft verleiht“. Das heißt: Wille und Gefühl bedingen und stützen einander.

Das Wohl des Anderen

Das dritte Wort – das „Wohl“ – könnte man auch gleichbedeutend mit „das Gute“ ausdrücken. Es meint, dem anderen zu helfen, sich bestmöglich zu entwickeln, seine Fähigkeiten zu entfalten und besser zu werden, also den anderen dabei zu unterstützen, seine Fehler abzulegen. Allerdings kann das ganz schön nach hinten gehen, wenn man jemandem helfen möchte, seine Fehler zu beseitigen. Daher muss man zuerst demütig an sich und seinen Fehlern arbeiten, bevor man dem anderen helfen kann. Galli erklärt Demut mit der Anerkennung der Wahrheit, im Guten wie im Schlechten. Sie nennt das Beispiel eines „großen Lehrmeisters“. Es erfordert Geduld und Stärke, führt aber gleichzeitig auch zu einem Wachsen der Liebe.

Wichtig ist also in einer Beziehung von Bestand, wo jeder das Wohl des anderen will, dass man sich gegenseitig annimmt, achtet und gelassen „in die Möglichkeiten der eigenen Besserung und die des anderen vertraut“. Zu guter Letzt noch das Possessivpronomen „dein“ – „dein Wohl“. Galli führt vor Augen: „gerade in der Beziehung verwirklicht sich das Ich in Fülle“. Dies kommt in besonderer Weise bei „Ich liebe dich!“, „Ich will dein Wohl!“ zum Tragen. Der Blick verlagert sich dabei von sich selbst auf den anderen. Galli nennt das die „Liebe der Hingabe“, die sagt: „Ich bin dein“. Tröstend und ermutigend finde ich die Klarstellung, dass es nicht wichtig ist, nie zu fallen, sondern immer wieder aufzustehen mit dem Wissen, wohin man gehen will, was das Ziel ist.

Wie man hier also sehen kann, drücken die Worte „Ich liebe dich!“, sofern sie wahr und aufrichtig gesprochen sind, eine tiefe Hingabe, ein Versprechen und eine Zusage an den Geliebten aus. Mir hilft es, mir immer wieder diese Bedeutung bewusst zu machen. Denn es besteht die Gefahr, dass diese Worte zur Gewohnheit und leeren Floskel werden. Darum muss ich mich immer wieder fragen: Ist das nur ein Ausdruck meiner Zuneigung oder ist das wahr und echt, mit seiner vollen ganzen Bedeutung gemeint, dass ich meinem Geliebten nur das Gute will und ihn im Blick habe, nicht mich.

Die Autorin, Jahrgang 2007, ist Schülerin.

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Rebekka Reinhart

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