Es ist Katholikentag und der römische Papst könnte – warum eigentlich nicht? – durchaus ein Pfund sein, mit dem die zusammengeschmolzene Kirche in Deutschland wuchern könnte. Auch bei manchen, die dem katholischen Wesen eher gleichgültig gegenüberstehen, hat Leo XIV. gepunktet. In dem nicht von ihm, sondern vom amerikanischen Präsidenten gewollten Schlagabtausch mit Donald Trump hat der Papst klug reagiert und Kante gezeigt. Das hat vielen imponiert.
Aber mit Rom ist das so eine Sache. Die deutschen Bischöfe – nicht alle, aber die meisten – haben da ein gar nicht so kleines Problem. Es stehen gleich zwei Elefanten im Raum, über die in Würzburg wohl kaum einer der Herren mit dem violetten Scheitelkäppchen offen und deutlich sprechen will. Und sicherlich erst recht nicht der gewichtige Kirchenfürst aus München mit dem roten Pileolus. Der eine Elefant trägt den Namen Synodalkonferenz, beziehungsweise Statut für die Synodalkonferenz, das zur Begutachtung im Vatikan liegt und ohne dessen grünes Licht das Prestigeprojekt der deutschen Bischöfe im November nicht starten kann. Das interessiert zwar kaum einen derjenigen, die noch zur Kirche gehen. Und wer sich da kaum noch blicken lässt, weiß erst recht nichts davon. Aber die Mehrheit der Deutschen Bischofskonferenz weiß ganz genau, dass der ominöse Synodale Weg endgültig gescheitert ist, wenn das Okay aus Rom, sprich die „Recognitio“, nicht kommt. Und genau danach sieht es derzeit aus.
Schon einmal hat ein Papst den Deutschen gut zugeredet
Der andere Elefant trägt den Namen Segnungsfeiern für Paare, die sich lieben, aber nicht katholisch verheiratet sind. Da haben Papst und Glaubensdikasterium expressis verbis deutlich gemacht, dass der Vatikan mit diesen deutschen Riten und den entsprechenden Handreichungen nicht einverstanden ist. Und nicht nur das: Rom hat die Briefe öffentlich gemacht, mit denen der Vatikan das den deutschen Bischöfen schon im November 2024 unmissverständlich klargemacht hat. Was viele Herren mit dem violetten Scheitelkäppchen nicht daran hinderte, mit diesen Segnungsfeiern zu starten. Auch nicht den rot geschmückten Kirchenfürsten in München.
Zwar hat Staatssekretär Pietro Parolin das Wort „Sanktionen“ ins Spiel gebracht, für die „es noch zu früh“ sei – man solle lieber miteinander reden. Diese Gespräche werden kommen. Irgendwann. Aber ist Rom auch bereit, die Instrumente anzuwenden, die man jetzt den deutschen Bischöfen zumindest gezeigt hat? Schon einmal hat ein Papst den Deutschen gut zugeredet. Franziskus, mit seinem Brief an das Gottesvolk in Deutschland im Jahr 2019, kurz vor dem Start des Synodalen Wegs. Aber die Bitte des Papstes, nicht über Strukturen zu reden, sondern an Mission und Evangelisierung zu denken, wurde von den zuständigen Bischöfen stur überhört. Und dann verlor Franziskus das Interesse an der Sache. Wirklich eingegriffen hat er nie.
Papst Leo ist die Einheit ein zentrales Anliegen
Papst Leo ist anders gestrickt. Er ist gelernter Mathematiker, dem man nicht vormachen kann, dass vier plus vier fünf ist. Und er ist promovierter Kirchenrechtler, der Gnade und Recht, Barmherzigkeit und Wahrheit niemals voneinander trennen würde. Papst Leo ist auch geduldig. Er lässt sich Zeit, hört viel zu und lässt sich von den zuständigen Mitarbeitern beraten. Vor allem aber hat er gezeigt, dass ihm die innerkirchliche Einheit ein zentrales Anliegen ist, das es nicht zulässt, dass eine Ortskirche macht, was sie will. Zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz hat er ein gutes Verhältnis. Das und die Unterstützung des neuen Nuntius in Berlin wird Leo nutzen wollen, um die deutschen Gelenke wieder einzurenken. Nur wenn der Patient sich wehrt, tut das dann ordentlich weh.
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