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Putin ließ Trump ins Leere laufen

Der US-Präsident wollte in Alaska einen Durchbruch zum Frieden in der Ukraine. Doch er hat nichts erreicht und viel verspielt. Jetzt baut China seine „neue Weltordnung“ aus.
US Russia Summit
Foto: IMAGO/Sergey Bobylev (www.imago-images.de) | Zwei Wochen nach dem Alaska-Treffen und angesichts dieses SCO-Gipfels sollte Donald Trump bilanzieren, dass er überhaupt keinen Einfluss auf Wladimir Putin und dessen Kriegsführung hat.

Zwei Wochen nach dem als historisch gerühmten Gipfeltreffen der Präsidenten Russlands und der USA in Alaska dürfte auch in Washington klar sein: Wladimir Putin hat sich keinen Millimeter bewegt, seine Kriegsziele nicht relativiert, die Hoffnungen Donald Trumps niemals ernst genommen und dessen Friedenssuche ins Leere laufen lassen. Trump hat in Alaska sein Gewicht in die Waagschale geworfen und deshalb nun an politischem Gewicht verloren. Seine vollmundigen Verheißungen, es werde bald zu einem Zweiergipfel Putin-Selenskyj, dann zu einem Dreiergipfel beider mit ihm und anschließend zu einem Frieden in der Ukraine kommen, haben sich als Illusion erwiesen.

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Fakt ist: Putin hatte nie daran gedacht, die Wünsche des US-Präsidenten zu erfüllen. Stattdessen hat er die Drohnen- und Raketenattacken auf die ukrainische Zivilbevölkerung intensiviert, den verlustreichen Vormarsch seiner Armee im Nachbarland vorangetrieben und die hybriden wie verbalen Angriffe auf den Westen gesteigert. Putin strebt einen militärischen Sieg in der Ukraine an – keinen Kompromiss, keine Sicherheitsgarantien, keinen Waffenstillstand, keinen Frieden.

Donald Trump, sein Vize J.D. Vance und Sondergesandter Steve Wittkoff stehen jetzt vor aller Welt blamiert da: Erstens, weil sie den russischen Präsidenten, der immerhin ein per internationalem Haftbefehl gesuchter Kriegsverbrecher ist, hofierten, ihm huldigten und den roten Teppich ausrollten. Zweitens, weil sie ihm ohne jede Not Zugeständnisse machten, statt ihm solche abzuringen. Drittens, weil sie seine Worte und Gesten völlig falsch deuteten – im Sinn ihrer eigenen Interessen und Ziele nämlich. Und viertens schließlich, weil sie dem Kreml viele Zeichen der westlichen Schwäche und Zerstrittenheit lieferten, ja sogar die Zusage ukrainischer Gebiete und die Aussicht darauf, dass die USA aus der Finanzierung der ukrainischen Verteidigung aussteigen werden.

Eine alternative Globalisierung

In den kommenden Tagen kann sich Trump ansehen, wie Putin mit einem Staatschef umgeht, den er tatsächlich ernst nimmt und respektiert. Der Kremlchef reist am Sonntag für vier Tage nach China, um Xi Jinping wohlgefällig zu sein, denn Russland ist heute von China abhängiger denn je. Beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) finden sich die wichtigsten Player der gegen den Westen gerichteten „neuen Weltordnung“ ein: Russland, Belarus, der Iran, Indien, Kasachstan, Kirgistan, Pakistan, Tadschikistan, Usbekistan und natürlich – als Führungsmacht der Runde – China. Hier, wie beim BRICS-System, wird sichtbar, dass es auch eine alternative Idee der Globalisierung gibt: gegen und ohne die USA, mit und unter der Leitung von China.

Zwei Wochen nach dem Alaska-Treffen und angesichts dieses SCO-Gipfels sollte Donald Trump bilanzieren, dass er überhaupt keinen Einfluss auf Wladimir Putin und dessen Kriegsführung hat. Putins Hass auf den Westen und seine demokratisch-rechtsstaatliche Ordnung ist so groß, dass er Russland ganz in die Abhängigkeit von Chinas kommunistischer Elite geführt hat. Und durch seinen Zollkrieg gegen Indien hat Donald Trump nun fahrlässig auch das bevölkerungsreichste Land der Welt, den indischen Subkontinent, in Chinas Einflusszone getrieben.

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