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Showdown in Washington

In Alaska empfing Donald Trump den russischen Präsidenten auf dem roten Teppich und mit Applaus. Wolodymyr Selenskyj muss heute in Washington auf einen ganz anderen Empfang gefasst sein.
Außenpolitikkorrespondent Stephan Baier, Wolodymyr Selenskyj
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire / DT | Könnte ein bitterer Abend werden: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist mal wieder bei Donald Trump einbestellt.

Weder einen Frieden für die Ukraine noch einen Waffenstillstand brachte das Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump mit Wladimir Putin am Freitag in Alaska. Zwar empfing Trump den russischen Kriegsverbrecher mit Applaus auf dem roten Teppich, ließ ihm höflich den Vortritt und die große Bühne, widersprach seiner Deutung der Vorgeschichte des Kriegs mit keiner Silbe und stellte dem „lieben Wladimir“ sogar ein Wiedersehen in Moskau in Aussicht. Doch gleichzeitig gingen die russischen Drohnen- und Raketenattacken auf die ukrainische Zivilbevölkerung und ihre Infrastruktur unvermindert weiter.

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Im Vorfeld des heutigen Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gibt sich der US-Präsident weniger kuschelweich. Im Gegenteil: Trump macht nicht den Aggressor, sondern das Opfer der Aggression für das Andauern des Krieges verantwortlich. „Der ukrainische Präsident Selenskyj kann den Krieg mit Russland fast sofort beenden, wenn er will – oder er kann weiterkämpfen“, so Trump. So wie es auf dem Schlachtfeld aussieht, könnte nur Putin den Krieg sofort beenden, nämlich indem er die Kampfhandlungen einstellt. Selenskyj dagegen kann den Krieg nur beenden, indem er alle russischen Forderungen erfüllt – also kapituliert.

Ein Frieden zugunsten Putins

Offensichtlich geht es Trump nicht um einen „echten, gerechten und dauerhaften Frieden“ (Zitat Papst Leo XIV.), sondern um einen schnellen Frieden zugunsten Russlands. Dass er sich weder an die auch von den USA 1994 unterzeichneten Garantien der ukrainischen Grenzen noch an das Völkerrecht gebunden fühlt, beweist Trump, indem er eine Rückgabe der Schwarzmeer-Halbinsel Krim für unrealistisch erklärt: „Manche Dinge ändern sich nie!!!“ Noch mehr Freude dürfte Trump in Moskau damit auslösen, dass er Kiew bereits vor der Begegnung mit Selenskyj öffentlich ausrichtet: „Kein NATO-Beitritt der Ukraine.“

Das Opfer der russischen Invasion darf also weder auf Gerechtigkeit noch auf Sicherheit hoffen. Und auch nicht auf eine weitere Unterstützung durch die USA, das hat US-Vizepräsident J.D. Vance bereits vor dem Alaska-Treffen klargestellt. Nicht nur in Moskau und Kiew dürfte man verstanden haben, dass das Amerika Donald Trumps nicht mehr die Führungsmacht des Westens und ein Anwalt von Recht und Gerechtigkeit ist. Gute Geschäfte mit Russland, eine Normalisierung der Beziehungen zum Machthaber in Moskau und die unausweichliche Konkurrenz zu China sind für Donald Trump allemal wichtiger als die Ukraine, ihre Freiheit und ihre Rechte.

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