Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Gott im Zentrum

Der Wunsch nach einem Wandel in der Bischofskonferenz lässt sich nicht mehr unterdrücken. Als Moderator ist Heiner Wilmer aufgrund seines verbindlichen Wesens für das Amt die beste Wahl.
Der neue DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer
Foto: IMAGO / HMB-Media | Zu den Aufgaben des neuen Vorsitzenden gehört es nun, die Annahme der umstrittenen Satzung der geplanten Synodalkonferenz am Dienstag zu deuten und in der Kurie zu vermitteln.

Mit der Wahl des Hildesheimer Oberhirten Heiner Wilmer zum neuen Vorsitzenden hat sich die Mehrheit der deutschen Bischöfe vom Sekretariat der Bischofskonferenz (DBK) freigeschwommen. Dieses Mal nahmen die Bischöfe das Heft selbst in die Hand. Für den vom DBK-Sekretariat ursprünglich favorisierten Paderborner Erzbischof Udo Bentz fand sich ebenso wenig die notwendige Stimmenzahl wie für den Essener Oberhirten Franz-Josef Overbeck. Der Wunsch nach einem Wandel in der Konferenz lässt sich nicht mehr unterdrücken.

Lesen Sie auch:

Als Moderator ist Wilmer, der bei den Synodalversammlungen mit der Mehrheit stimmte, aufgrund seiner Biografie und seines ruhigen, verbindlichen Wesens für das Amt die beste Wahl. Schon bei seiner ersten Pressekonferenz wehte ein anderer Wind als bei den Vorgängern. Wilmer präsentierte sich als Geistlicher, nicht als machtbewusster Kirchenpolitiker; er sprach davon, Gott ins Zentrum zu stellen und mit den Mitbrüdern in Demut den eigenen Weg zu gehen – das klang erfrischend anders als der übliche Konferenzsprech.

Mehr Beachtung für den Herrn und weniger Strukturdebatte

Mehr Beachtung für den Herrn und weniger Strukturdebatte – mit dieser Maxime hat Wilmer offenbar den Nerv der bischöflichen Mehrheit getroffen, die sich dem über Jahre aufgebauten kirchenpolitischen Druck entziehen möchte und mehr Konzentration auf das Wesentliche erhofft.

Zu den Aufgaben des neuen Vorsitzenden gehört es nun, die Annahme der umstrittenen Satzung der geplanten Synodalkonferenz am Dienstag zu deuten und in der Kurie zu vermitteln. Zu oft wurde den Bischöfen von interessierter Seite mehr römische Zustimmung für das deutsche Synodalprojekt suggeriert, als sich nachweislich abrufen ließ. Wenn die römische Kurie der Satzung uneingeschränkt zustimmte – was spräche gegen eine öffentliche Mitteilung? Eine entsprechende Frage dieser Zeitung blockte der Pressesprecher der DBK eilig ab.

Nun liegt der Schwarze Peter in Rom: Dort wird man sich bis zur Herbstvollversammlung, die Ende September in Fulda stattfindet, mit der Frage der Recognitio befassen, einer üblicherweise zunächst zeitlich befristet erteilten Genehmigung. Über das Problem des Textes, inwieweit die Rechenschaft der Bischöfe zur überdiözesanen Kontrolle der deutschen Bistümer instrumentalisiert werden kann, ist das letzte Urteil noch nicht gefallen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Regina Einig Heiner Wilmer

Weitere Artikel

Die von der Rentenkommission vorgeschlagene Reform weist in die richtige Richtung, sorgt aber erst einmal für zusätzliche Belastung. Das steht drin.
04.07.2026, 11 Uhr
Jakob Ranke
Die Absage aus Rom an Laienpredigten ist eine erneute Erinnerung daran, dass die Kirche ihre eigene Ordnung nicht beliebig verändern kann. Ein Kommentar.
25.06.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt

Kirche

Nach den unerlaubten Bischofsweihen legt die Gemeinschaft fristgerecht Rechtsmittel gegen das Exkommunikationsdekret ein. Damit ist die verhängte Strafe vorerst ausgesetzt.
14.07.2026, 13 Uhr
Meldung
Der neue Eichstätter Bischof äußert sich zurückhaltend zum Pflichtzölibat, und wehrt sich gegen Flügelkämpfe. Sein Abstimmen beim Synodalen Weg dürfte für Diskussionen sorgen.
13.07.2026, 15 Uhr
Dorothea Schmidt
Die Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) braucht eine neue Leitung. Was deren Gegner mit unverhohlener Sensationslust hochkochen, ist in Wirklichkeit alles andere als überraschend.
13.07.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Gefährliches Spiel: Mit einem Antrag, der vorgibt, Pro Familia Fördergelder entziehen zu wollen, sollen Lebensrechtler umarmt und der Union Stammwähler entzogen werden.
11.07.2026, 14 Uhr
Stefan Rehder