Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Heiliges Land

Priester und Nonnen wollen trotz Offensive in Gaza bleiben

Flucht wäre ein „Todesurteil“, heißt es aus dem lateinischen und griechisch-orthodoxen Patriarchat. Auch Kardinalstaatssekretär Parolin und die Caritas melden sich zu Wort.
Pizzaballa und Theophilos III besuchen Gaza
Foto: IMAGO/Hamza Z. H. Qraiqea (www.imago-images.de) | Nah dran: der lateinische und der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa und Theophilos III, bei einem Besuch auf dem Gelände der Pfarrei zur Heiligen Familie in Gaza im Juli.

Trotz israelischer Evakuierungsaufrufe anlässlich der anstehenden Offensive der israelischen Armee in Gaza wollen die Geistlichen der katholischen und griechisch-orthodoxen Pfarreien sowie die Ordensschwestern der Missionarinnen der Nächstenliebe, die sich noch in Gaza-Stadt aufhalten, vor Ort bleiben. Dies geht aus einer gemeinsamen Mitteilung des griechisch-orthodoxen und des lateinischen Patriarchats von Jerusalem vom heutigen Dienstag hervor. Zur Begründung heißt es, seit Ausbruch des Krieges seien die beiden Pfarreien Sankt Porphyrius (orthodox) und Heilige Familie (katholisch) zur Zufluchtsstätte Hunderter Zivilisten geworden, darunter Alte, Frauen, Kinder und Behinderte, von denen viele geschwächt und unterernährt seien. „Gaza-Stadt zu verlassen und nach Süden zu fliehen, wäre nichts Geringeres als ein Todesurteil“, heißt es in dem Statement.

Lesen Sie auch:

Man wisse nun nicht, was genau passieren werde, könne aber nur wiederholen, dass es keine Zukunft auf der Basis von Gefangenschaft, der Vertreibung von Palästinensern oder Rache gebe. Es gebe keinen Grund, die mutwillige und gewaltsame Vertreibung von Zivilisten zu rechtfertigen. Mit „gleicher Dringlichkeit“ appelliere man an die internationale Gemeinschaft, sich für ein Ende dieses „sinnlosen und zerstörerischen Kriegs“ und für „die Rückgabe der Vermissten und der israelischen Geiseln“ einzusetzen.

Parolin: „sinnloses Vorgehen“

Auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat sich besorgt zur Lage in Gaza geäußert. Zu einem Angriff auf ein Krankenhaus in Khan Younis, bei dem nach palästinensischen Angaben 20 Menschen ums Leben gekommen sein sollen, darunter auch fünf Journalisten, sprach Parolin von einem „sinnlosen Vorgehen“, wie „Vatican News“ am Dienstag berichtete. Parolin beklagte demzufolge, dass die humanitäre Situation immer prekärer werde und es keine Anzeichen für eine Lösung gebe. Die israelische Armee hat indessen eine Untersuchung des Angriffs angekündigt. Man ziele nicht absichtlich auf Journalisten.

Wesentlich drastischere Worte wählte die internationale Dachorganisation der nationalen Caritasverbände, Caritas Internationalis. Der Verband, der von dem Erzbischof von Tokio, Tarcisio Isao Kardinal Kikuchi SVD, geleitet wird, sprach in einem auf seiner Website veröffentlichten Statement von einer „systematischen Zerstörung zivilen Lebens“. Die Belagerung Gazas sei „kein Krieg“, sondern eine „Maschinerie der Vernichtung“, die auch durch die Komplizenschaft mächtiger Nationen ermöglicht werde. Die Hungersnot sei „Ergebnis einer bewussten Strategie“ der „Blockade von Hilfslieferungen, der Bombardierung von Lebensmittelkonvois, Zerstörung der Infrastruktur und Verweigerung der Grundversorgung“, so die Organisation. In einer Liste von Forderungen zählt die Organisation neben einem Waffenstillstand und der Entsendung einer UN-Friedensmission auch die Freilassung aller Geiseln auf. Israels widerrechtliche Präsenz auf besetztem palästinensischem Gebiet müsse enden. Gaza warte nun „nicht auf Worte, sondern auf Erlösung“. Die Terrororganisation Hamas wird nicht erwähnt. (DT/jra)

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Caritas Erzbischöfe Gazastreifen Hamas Kardinäle Nonnen Pietro Parolin Terrororganisationen und Terrorgruppen

Weitere Artikel

Ein Jahr Papst Leo: Die Spiritualität des Robert Prevost und der Beitrag der amerikanischen Kardinäle.
08.05.2026, 05 Uhr
Guido Horst
Dem ohne demokratische Legitimation amtierenden Herrscher ist die Kontrolle über den Gazastreifen längst entglitten. Auch im Westjordanland hat er kaum noch Macht.
19.11.2025, 21 Uhr
Stephan Baier
Die Pfingstaktion von Renovabis zeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt in Europa neu wachsen kann – von der Ukraine bis in den Südkaukasus.
05.05.2026, 14 Uhr
Margarete Strauss

Kirche

Beten, suchen, klopfen —und dann? Der sogenannte Rogate-Sonntag lädt zu einer Betrachtung über das Beten ein. Auch alle, die längst zu wissen glauben, wie das geht.
10.05.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Das Gebet ist für den Würzburger Bischof Franz Jung das Wichtigste im christlichen Leben. In seinem Gastbeitrag gibt er Einblick in seine persönliche Gebetspraxis.
10.05.2026, 14 Uhr
Franz Jung
Update der Priesterausbildung in Deutschland: Die Bischöfe setzen mit der überarbeiteten Rahmenordnung neue Akzente und dulden blinde Flecken.
09.05.2026, 11 Uhr
Helmut Hoping
Die erste Spanienreise des Pontifex könnte zu einer transatlantischen Lehrstunde für Washington werden.
09.05.2026, 17 Uhr
Regina Einig
Der US-Außenminister wird von Leo XIV. in Privataudienz empfangen. Die verbalen Attacken von Donald Trump gegen den Pontifex finden in den anschließenden Mitteilungen keine Erwähnung.
08.05.2026, 08 Uhr
Maximilian Lutz