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Patzelt: Kramp-Karrenbauer nutzt AfD am meisten

Kramp-Karrenbauer sei das Pflaster auf der Wunde, die der begonnene Abgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel der AfD zugefügt habe, meint der Dresdner Politologe Werner Patzelt.
CDU Bundesparteitag wählt Kramp-Karrenbauer
Foto: Michael Kappeler (dpa) | „Jene AfD-Wähler, die der CDU im Fall einer deutlichen Abkehr von den Merkel-Jahren noch einmal eine Chance gegeben hätten, werden nun kaum mehr rückgewinnbar sein“, meint Werner Patzelt.

Der Dresdner Politologe Werner Patzelt sieht die neue CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer als diejenige Kandidatin, die der AfD am meisten nutzen wird. Das schreibt der Professor für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dresden in einem Kommentar für die evangelische Nachrichtenagentur „idea“. Kramp-Karrenbauer vergleicht Patzelt mit einem Pflaster auf der Wunde, die der begonnene Abgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel der AfD zugefügt habe.

Patzelt: CDU hat Chance auf Neubeginn verstreichen lassen

„Jene AfD-Wähler, die der CDU im Fall einer deutlichen Abkehr von den Merkel-Jahren noch einmal eine Chance gegeben hätten, werden nun kaum mehr rückgewinnbar sein“, so Patzelt weiter. Die Chance auf einen Neubeginn hätten die CDU-Delegierten auf ihrem Parteitag somit verstreichen lassen. „Und vielleicht bestand eine solche Chance auch gar nicht, weil der Hype um Friedrich Merz nach dem Parteitag verflogen wäre wie weiland der um Martin Schulz“, gibt der Politikwissenschaftler zu bedenken.

Über die Wahl Kramp-Karrenbauers an die CDU-Spitze urteilt Patzelt weiter, die Mehrheit des Parteitags habe sich weiterhin der „wohl trügerischen“ Hoffnung hingegeben, „die AfD werde irgendwie von selbst verzwergen, falls man sich nur lange genug weigere, die Fehler unserer bisherigen Migrations-, Integrations- und Identitätspolitik als zentrale Ursachen des AfD-Aufstiegs ernst zu nehmen oder gar zuzugeben“.

Patzelt: Die Stunde von Merz, Spahn und Co. wird kommen

Bei den Wahlen im kommenden Jahr, darunter Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen, werde sich zeigen, ob die knappe Mehrheit für die ehemalige CDU-Generalsekretärin und saarländische Ministerpräsidentin im längerfristigen Interesse der CDU liege. Wenn die CDU allerdings auch bei den anstehenden Landtagswahlen Stimmen an die AfD verlieren sollte, würde dies die innerparteiliche Stellung von Kramp-Karrenbauer schwächen, so Patzelt.

Zudem warnt der Politologe davor, Kramp-Karrenbauer als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf um die Kanzlerschaft zu schicken. „Wenn sie gleichwohl als Kanzlerkandidatin die CDU/CSU in den Nach-Merkel-Wahlkampf führt, wird sie dadurch das weitere Dahinschwinden der CDU fördern.“ Wenn Deutschland gar keine Volkspartei mehr habe, werde die Stunde von Friedrich Merz, Jens Spahn und Co. schlagen.

DT/mlu

 

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