Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung DEBATTE UM ABTREIBUNGSGESETZGEBUNG

„Paradigmenwechsel“ und „Kulturkampf“

CDU-Abgeordnete warnen Ampelregierung vor amerikanischen Verhältnissen bei Aufkündigung des jetzigen Kompromisses.
Der CDU-Bundesabgeordnete Philipp Amthor spricht im Bundestag. Amthor hat die geltenden Gesetze zum Lebensschutz verteidigt.
Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa) | Der CDU-Bundesabgeordnete Philipp Amthor spricht im Bundestag. Amthor hat die geltenden Gesetze zum Lebensschutz verteidigt.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel hat die Stellungnahme des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dem er selbst angehört, zum § 218 StGB kritisiert. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), sagte Rachel, dieser „Paradigmenwechsel“ bereite ihm „große Sorgen“. Deutschland habe mit dem geltenden § 218 StGB eine „klug, ausbalancierte Regelung“. Die „doppelte Anwaltschaft“ für das Selbstbestimmungsrecht der Frau und das Lebensrecht des Ungeborenen habe sich bewährt und dürfe nicht durch Teilstreichung aus dem Strafrecht „ohne Not beseitigt werden“.

Das Festhalten der EKD an der Pflichtberatung abtreibungswilliger Schwangerer, lobte Rachel hingegen. In der Diskussion befindet sich auch die Forderung, die Pflicht der Schwangeren, sich vor einer Abtreibung beraten zu lassen, in einen Rechtsanspruch der Schwangeren auf Beratung umzuwandeln. Falls die Ampelkoalition die 1995 gefundene Regelung verändere und liberalisiere, könnte Deutschland eine gesellschaftliche Spaltung wie in den USA drohen, sagte Rachel, der auch Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) von CDU und CSU ist.

Lesen Sie auch:

Amthor nennt „Kulturkampf“ gegen die geltenden Lebensschutz-Regelungen „hochgefährlich“

Ähnlich äußerte sich auch der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor. Im Interview mit dem Internetportal „katholisch.de“, der Forderung von Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), vorgeburtliche Kindstötungen außerhalb des Strafrechts zu regeln, stehe „die Verfassungswidrigkeit geradezu auf die Stirn geschrieben.“ „Das Bundesverfassungsgericht hat klar entschieden, dass es in unserer Rechtsordnung ein funktionierendes Schutzkonzept für das ungeborene Leben braucht, das aus meiner Sicht zwingend im Strafrecht verankert bleiben muss. Der von der Familienministerin und von anderen Vertretern linker Parteien angezettelte Kulturkampf gegen die bestehenden Regelungen des Lebensschutzes“ mache ihm „große Sorgen“, so Amthor weiter.

Der CDU-Politiker, der sich 2019 im Alter von 27 Jahren taufen und in die katholische Kirche aufnehmen ließ, sagte, er habe es „als großes Privileg empfunden, dass wir in Deutschland durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und durch die gefundenen politischen Kompromisse bei der gesetzlichen Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen eigentlich einen gesellschaftlichen Konsens hatten“. Dieser Konsens werde „durch die Politik der Ampel nun massiv bedroht“, was er „für hochgefährlich“ halte. Am Beispiel der USA lasse sich „sehr gut erkennen, welche schlimmen gesellschaftlichen Verwerfungen ein politisches Aufschnüren von gefundenen Kompromissen in Fragen des Schwangerschaftsabbruchs bewirken“ könne. DT/reh

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Bündnis 90/ Die Grünen CDU CSU Lebensrechtsbewegung Lebensschutz Lisa Paus Thomas Rachel Verfassungswidrigkeit

Weitere Artikel

Die Ampelkoalitionäre wollen sich offenbar mit unnötigen und verfassungsrechtlich bedenklichen Grundrechtseingriffen in die Parlamentsferien verabschieden.
03.07.2024, 13 Uhr
Stefan Rehder
Gefährliches Spiel: Mit einem Antrag, der vorgibt, Pro Familia Fördergelder entziehen zu wollen, sollen Lebensrechtler umarmt und der Union Stammwähler entzogen werden.
11.07.2026, 14 Uhr
Stefan Rehder

Kirche

Überraschend praktisch weist Jesus seine Jünger an, wie Konflikte in vier Schritten zu lösen sind.
05.09.2026, 21 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Rupniks Mosaike in Lourdes werden nicht mehr enthüllt. Warum der Bischof des französischen Marienheiligtums einen anderen Weg geht als seine Mitbrüder in Fátima und Aparecida.
05.09.2026, 19 Uhr
Regina Einig
Joseph Zen trat als entschiedener Unterstützer der von China niedergeschlagenen Demokratiebewegung in Hongkong auf. Gegen eine Verurteilung will er vor das Oberste Gericht ziehen.
04.09.2026, 16 Uhr
Meldung
Die heilige Teresa von Kalkutta und die reale Gegenwart Jesu in den Armen.
05.09.2026, 07 Uhr
Pater Brian Kolodiejchuk