Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Olaf Scholz schwört nicht auf Gottes Hilfe

Ohne Hilfe Gottes. Olaf Scholz und sieben Minister haben in ihrem Eid auf die Formel „So wahr mir Gott helfe“ verzichtet.
Bundestag - Vereidigung Scholz
Foto: Michael Kappeler (dpa) | Der neu gewählte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) legt im Bundestag den Amtseid für seine erste Amtszeit ab.

„So wahr mir Gott helfe“ – Olaf Scholz und sieben weitere Minister, darunter alle Ressortchefs der Grünen, haben in ihrem Amtseid auf die Formel „So wahr mir Gott helfe“ verzichtet. Eine Zäsur? Zunächst einmal ist es ein Zeichen von Ehrlichkeit. Über ihre individuellen Motivationen haben die Regierungsmitglieder nichts mitgeteilt, aber wenn Sie den Eid mit diesem Zusatz nicht schwören können, weil er nicht ihrer persönlichen weltanschaulichen Grundhaltung entspricht, dann ist es nur konsequent, ihn auch wegzulassen.

Lesen Sie auch:

Ehrlichkeit ist besser

Viel gravierender wäre, wenn sie ihn einfach um der lieben Tradition willen beibehalten hätten, er aber nicht ihrer persönlichen Überzeugung entsprechen würde. Hier geht es eben um Ehrlichkeit und nicht um Konvention. Und diese Ehrlichkeit ist besser als Täuschung. Jetzt weiß man wenigstens, woran man ist. Dass das Grundgesetz die Möglichkeit gibt, diesen Zusatz wegzulassen, ist auch ein Zeichen von Religionsfreiheit. Niemand wird in diesem Staat gezwungen, weltanschauliche Bekenntnisse abzulegen, an die er nicht glaubt.

Trotzdem: Ein Grund zum Jubeln besteht natürlich nicht. So ein Amtseid ist ein öffentlicher Akt. Wenn hier Gott bewusst ausgeklammert wird, dann sagt das auch etwas darüber aus, welche Relevanz der christliche Glauben in Deutschland im Jahr 2021 hat. Gewiss, das alles ist nicht überraschend. Unterstreicht aber nur, was die meisten sowieso schon wissen: Unzähliger Sonntagsreden von Politikern zum Trotz - das Wissen um die Bedeutung der christlichen Tradition für unser Gemeinwesen nimmt stetig ab. Es reicht aber nicht, sich darüber nur zu empören. Eine Analyse muss tiefer gehen. Vorerst reicht vielleicht dies: Auch wenn einige Mitglieder der neuen Bundesregierung sich offenbar sicher sind, Gottes Hilfe nicht beanspruchen zu müssen, Christen wissen, dass es anders ist. Wir können beten. Auch für diese Bundesregierung und unseren Staat.      

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Gott Olaf Scholz

Weitere Artikel

Friedrich Merz wollte Kanzler werden. Jetzt ist er es und muss es auch bleiben. In guten wie in schlechten Zeiten. Weil einfach die Alternative fehlt.
21.09.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Im Januar wird ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Das Kandidatenkarussell dreht sich bereits jetzt. Die „Tagespost" stellt die heißesten Anwärter vor.
01.08.2026, 09 Uhr
Sebastian Sasse
Wer kleine Kinder hat, der ist ständig auf der Suche nach verlorenen Sachen. Der heilige Antonius hilft dabei besser als jedes GPS-Signal.
10.03.2025, 05 Uhr
Maria Fuchs

Kirche

Vier Tage nach seiner Operation wird Leo XIV. wieder aus der Klinik entlassen. Und tritt am Sonntag beim Angelus in Erscheinung. Für die Lateinamerika-Reise geben Ärzte grünes Licht.
19.10.2026, 08 Uhr
Sabine Kleyboldt
Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Prüfstein für die Strukturreformen im Bistum Eichstätt: In der Oberpfälzer Stadt entsteht ein neuer Pastoralraum.
19.10.2026, 13 Uhr
Henry C. Brinker
Spricht sich Jesus gegen die Steuer für den Kaiser aus, droht ihm die Todesstrafe. Noch heute gewichtet die Kirche politische und gesellschaftliche Fragen oft zu hoch.
17.10.2026, 21 Uhr
Lothar Wehr