Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Menschlichkeit statt Digital-Technokratie

Die Senioren-Union fordert ein Recht auf ein analoges Leben. Ein richtiges Zeichen: Es darf nicht sein, dass Menschen, die keine E-Mail-Adresse haben, Probleme bei den Bankgeschäften oder beim Arzt bekommen. Das gilt auch für Jüngere.
Seniorenunion fordert Recht auf analoges Leben
| Es dürfe nicht sein, dass Menschen ohne Smartphone oder E-Mail-Adresse Probleme bei vielen Alltagsgeschäften bekommen, so die Seniorenunion.

Man wird nicht erst mit einer E-Mail-Adresse zum vollwertigen Bürger. Es gibt sie, die Menschen, die auf digitale Aktivitäten weitestgehend verzichten. Viele von ihnen sind Senioren, aber nicht nur, auch in den jüngeren Jahrgängen gibt es Digital-Skeptiker.

Lesen Sie auch:

Die Senioren-Union hat sich nun dieses Themas angenommen. Bei ihrer Bundesdelegiertentagung in Magdeburg fordert die CDU-Vereinigung, in der Christdemokraten jenseits der 60 organisiert sind, ein Recht auf ein analoges Leben. Es dürfe nicht sein, dass Menschen ohne Smartphone oder E-Mail-Adresse Probleme bei vielen Alltagsgeschäften bekommen. Einfach deshalb, weil selbstverständlich davon ausgegangen werde, dass jeder digital vernetzt sei.

Viele vermissen den Kontakt von Mensch zu Mensch

Oder man muss draufzahlen: etwa weil man ein persönliches Beratungsgespräch fordert oder bestimmte Apps und Gutscheine im QR-Code-Format nicht nutzen kann und deswegen von Prämienangeboten der Händler ausgeschlossen wird. Die Senioren-Union ist innerhalb der Kanzler-Partei eine politische Kraft. Nach der Jungen Union ist sie die stärkste Vereinigung der Christdemokraten. Insofern besitzt ihre Mahnung durchaus politisches Gewicht. Bundes- und Landespolitiker werden, wenn sie sich denn für die tatsächlichen Alltagsprobleme der Menschen interessieren, den Ball aufnehmen.

Darüber könnten sich dann auch diejenigen freuen, die vielleicht nicht mit vollkommener Skepsis auf digitale Angebote schauen und sie vielfach gerne als Hilfsmittel nutzen. Denn es geht hier um das Maß. Immer mehr Menschen haben den Eindruck: Wir kommunizieren zwar Tag für Tag gefühlt 24 Stunden durchgängig, und dennoch vermissen viele den unmittelbaren Kontakt von Mensch zu Mensch. Digitale Effektivität ersetzt nicht die Sehnsucht von Personen nach Personen. Und das sollte auch die Wirtschaft erkennen: Auch Kunden sind Personen. Und sie schätzen es, wenn sie auch so behandelt werden. 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse CDU Junge Union

Weitere Artikel

Clara von Nathusius ist gerade so etwas wie eine CDU-Influencerin. Kann sie die Vision der CDU so erzählen, dass sie auch jemand hört?
23.09.2026, 16 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Das Bischofstreffen in Rom zur Familienpastoral stößt auf wenig Interesse bei den Medien. Grund ist die Art und Weise, wie die Versammlung gelenkt und gesteuert wird.
10.10.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Papstjubel und Protestwut: Hunderttausende Franzosen gingen zuletzt aus verschiedenen Gründen auf die Straßen. Eins hat sie dennoch vereint.
09.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Johannes Zehe, früher Geiger und seit 2023 Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum, wird an diesem Samstag im Mariendom zum Bischof geweiht.
09.10.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Gott will glückliche Menschen, schreibt Erzbischof Georg Gänswein. Gott lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Doch die Gäste haben vermeintlich Wichtigeres vor.
10.10.2026, 21 Uhr
Georg Gänswein