Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Wien verschärft den Kampf gegen Islamisten

Der Terroranschlag als Weckruf. Mit Hausdurchsuchungen, Festnahmen, Moscheen-Schließungen, Razzien, Anzeigen gegen die radikalislamische Szene. Das Problem wird gesehen.
Sebastian Kurz, Bundeskanzler von Österreich
Foto: Ronald Zak (AP) | Sebastian Kurz wird den Kampf gegen Islamisten verschärfen.

Der Terroranschlag vor einer Woche in Wien, bei dem vier unschuldige Menschen ermordet und zwei Dutzend verletzt wurden, wirkt wie ein Weckruf an die Politik. Binnen Stunden wurden dutzende Hausdurchsuchungen in drei Staaten durchgeführt und radikale Islamisten im Umfeld des Terroristen festgenommen. Kurz darauf wurden zwei Wiener Moscheen behördlich geschlossen. Am Montagmorgen nun gab es in Österreich eine Großrazzia gegen Muslimbruderschaft und Hamas. Gegen 70 Personen wird jetzt wegen Terrorfinanzierung und Geldwäsche ermittelt.

Lesen Sie auch:

Problem bekannt

Nein, man kann der Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nicht vorwerfen, das Problem einer radikalen, gewaltbereiten islamistischen Substruktur nicht gesehen zu haben: Bereits im Regierungsprogramm von 2017 heißt es, dass „die größte Gefahr für die innere Sicherheit Österreichs von islamischem Extremismus“ ausgeht. Man werde „einer zunehmenden, vor allem islamistischen Radikalisierung, dem Entstehen von Parallelgesellschaften sowie einem vermehrten Einfluss aus dem Ausland entgegengetreten“. Die im Regierungsprogramm mit den Grünen 2020 vereinbarte Dokumentationsstelle „politischer Islam“ ist ins Leben gerufen und muss nun ihre Arbeit aufnehmen.

Jetzt wachsam bleiben

Gesehen hat Österreichs Regierung das Problem. Umso schärfer muss die Frage gestellt werden, warum ein IS-Sympathisant, der in Syrien morden wollte, nach seiner Enthaftung Salafisten aus Deutschland und der Schweiz treffen konnte, ohne dass dies den Behörden auffiel; warum er in der Slowakei Munition für ein Sturmgewehr zu erwerben versuchte, ohne dass in Österreich die Handschellen klickten; warum die Moscheen, in denen er radikalisiert wurde, erst jetzt unter die Lupe genommen werden. Der Terroranschlag vom Allerseelen-Abend wirkte wie ein Weckruf. Jetzt kommt es darauf an, dass Politik und Gesellschaft wach und wachsam bleiben.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Hamas Moscheen Salafisten Sebastian Kurz Terrorfinanzierung Österreichische Volkspartei

Weitere Artikel

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann im Gespräch über die Sicherheit von Weihnachtsmärkten, seinen Lieblingswallfahrtsort und die Bedeutung des Kreuzes für Bayern.
18.12.2025, 07 Uhr
Regina Einig
Beate Meinl-Reisinger hat ihre Partei NEOS zum Debüt in der österreichischen Bundesregierung geführt. Sie ist die erste liberale Außenministerin der Zweiten Republik. Ein Porträt.
29.08.2025, 15 Uhr
Alexander Eiber

Kirche

Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke
Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
14.02.2026, 21 Uhr
Martin Grichting