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Erdogan der Eroberer

Ein Trauertag der Orthodoxie: Morgen kommt der türkische Staatschef zum islamischen Freitagsgebet in die Hagia Sophia.
Öffnung der Hagia Sophia fürs islamische Gebet
Foto: Osman Orsal (XinHua) | Es ist ein Akt der Besitzergreifung. Mit dem morgigen Freitagsgebet wird die Hagia Sophia wieder als Moschee genutzt.

Es ist ein Akt der Besitzergreifung: Am morgigen Freitag findet erstmals seit 1934 ein muslimisches Freitagsgebet in Istanbuls Hagia Sophia statt. Präsident Recep Tayyip Erdogan ist als Stargast dabei. Offiziell wird der Allmächtige gepriesen, tatsächlich der nach Allmacht strebende Präsident gefeiert. Lange hat Erdogan gezögert, aber dann hat er dem Drängen der Islamisten nachgegeben und die neuerliche Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee angeordnet.

Erdogan in der Nachfolge Mehmets des Eroberers

Am Freitag stellt er sich betend in die Hagia Sophia – wie Sultan Mehmet der Eroberer, als er am 29. Mai 1453 Konstantinopel erobert hatte und seine Soldaten plündernd und vergewaltigend durch die Stadt am Bosporus zogen. Alle, die es bis jetzt nicht sahen oder sehen wollten, bekommen morgen die neue Türkei vor Augen geführt: Erdogans Vision eines Landes in der Tradition der Osmanen, mit einem Staatschef in der Nachfolge Mehmets des Eroberers.

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Zur feierlichen Besitzergreifung der Hagia Sophia hat Erdogan ausländische Gäste eingeladen, etwa aus Aserbaidschan und Katar. Aber natürlich nicht den Papst, wie griechische Medien (und sie abschreibend christliche Onlinemedien) jetzt „berichten“. Was sollte ein Papst auch bei diesem Akt der Demütigung der gesamten orthodoxen, ja der christlichen Welt?

Franziskus wird Erdogans "Einladung" wohl nicht annehmen

Nein, Erdogans Sprecher hatte lediglich versichert, die Hagia Sophia stehe auch in Zukunft für Touristen aus aller Welt offen, für Gläubige und Ungläubige, also auch für den Papst. Das ist mehr als in Mekka erlaubt ist, mindert aber nicht die Trauer geschichtsbewusster Christen. Erdogan versichert, die Hagia Sophia stehe (wie fast alle Moscheen in der Türkei) weiter für Touristen jeder Religionszugehörigkeit offen, aber das türkische Religionsamt „Diyanet“ hat klargestellt: das gilt nicht für muslimische Gebetszeiten. Während dieser werden sogar die christlichen Mosaike abgedunkelt oder verhängt. Auch diese Zeichenhandlung können wir lesen!

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Stephan Baier Christen Hagia Sophia Islamisten Moscheen Recep Tayyip Erdoğan

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