Madrid

In Spanien steht das Leben auf dem Spiel

„Das Leben wird immer gewinnen“: Großdemonstration in Spanien gegen neue Gesetze im Sinne einer „Kultur des Todes“.
Demonstrationen für das Leben in Madrid
Foto: IMAGO/Atilano Garcia (www.imago-images.de) | Die spanische Regierung, eine Koalition aus der sozialistischen und einer linksextremen Partei, verabschiedete am 17. Mai eine Reform des Abtreibungsgesetzes.

Unter dem Motto „Das Leben steht auf dem Spiel. Schluss mit Gesetzen gegen die Wahrheit und die menschliche Natur!“ haben am Sonntag laut den Veranstaltern mehr als 100.000 Menschen in Madrid „für die Wahrheit und für das Leben“ demonstriert. Organisiert wurde die Großdemonstration von mehr als 200 Verbänden. 

Für „NEOS“ – eine im November 2021 gegründete Plattform, die für „das Leben, die Würde der Person und der Familie, die Wahrheit, die Bildungs- und die Religionsfreiheit“ eintritt – sprach Jaime Mayor Oreja, ehemaliger Innenminister Spaniens und Europaabgeordneter: Die Debatte um die Kultur des Lebens sei trotz der Liberalisierung der Abtreibung durch ein neues spanisches Abtreibungsgesetz „noch lange nicht abgeschlossen“, wie die Aufhebung des für die Abtreibung maßgeblichen Urteils des Obersten Gerichts, „Roe vs. Wade“, gezeigt habe. 

Christliche Grundlagen stärker mobilisieren

„Und das Leben wird immer gewinnen“. Für den ehemaligen Innenminister ist es an der Zeit, die christlichen Grundlagen der spanischen Gesellschaft stärker „zu mobilisieren und zu verteidigen“, denn die Regierenden würden sich „nicht als Machthaber, sondern als Neuerfinder gebärden, die die Spanier gegeneinander aufbringen wollen“, so Mayor Oreja. „Wir wollen uns nicht durch Schweigen zu den Gesetzen mitschuldig an ihnen machen.“

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Die Direktorin des CEU-Instituts für Familienstudien Carmen Fernández de la Cigoña kritisierte insbesondere, dass das neue spanische Abtreibungsgesetz die dreitätige Bedenkzeit vor der Abtreibung abschaffen soll: dies sei „ein weiterer Schritt, um die Menschen vom Nachdenken abzuhalten“. Es sei schließlich einfacher jemanden zu manipulieren, der mit sich allein sei. Die spanische Regierung wolle die Realität verändern: „Töten ist nach ihnen gut und barmherzig – Fürsorge, Gebete und Hilfe für diejenigen, die Unterstützung brauchen, schlecht“. Die Direktorin des Instituts für Familienstudien: „Wir wollen uns um das Leben derjenigen kümmern, die uns am meisten brauchen. Sie erinnerte an die Worte Papst Johannes Pauls II: „Habt keine Angst“.

Josep Miró i Ardèvol von der „Versammlung der Vereinigungen für Leben, Würde und Freiheit“ sprach über das spanische Gesetz zur aktiven Sterbehilfe. Statt der assistierte Suizid sollte die Palliativmedizin gefördert werden: „Was ist das für eine Freiheit, die einem die Wahl zwischen Leiden und Sterben durch Euthanasie lässt?“ Die von der Regierung geförderte Abtreibungsbeihilfe nannte Ardèvol „etwas absolut Selbstmörderisches und Irrationales“, und schloss: „Diese ungerechten Gesetze diskriminieren und respektieren nicht den Glauben, den viele Menschen bekennen“.

„Die Pro-Life-Bewegung ist stärker denn je“

Nayeli Rodriguez, Spanien-Koordinatorin der Gebets-Plattform „40 Tage für das Leben“, rechnete vor, dass seit der Legalisierung der Abtreibung in Spanien 1985 bereits 2,5 Millionen unschuldige Menschen gestorben seien. „Die Pro-Life-Bewegung ist stärker denn je“. Sie versprach, weiterhin für schwangere Mütter zu beten. „Wir sind die Gegenwart und die Zukunft. Wir sind hier, um die Welt zu verändern“, erklärte sie. Sie versicherte, dass vor Abtreibungskliniken weiterhin gebetet und schwangeren Frauen Alternativen angeboten werden sollen.

Die spanische Regierung, eine Koalition aus der sozialistischen und einer linksextremen Partei, verabschiedete am 17. Mai eine Reform des Abtreibungsgesetzes. Laut dem Gesetzentwurf werden Mädchen ab 16 Jahren ohne elterliche Genehmigung oder Kenntnis abtreiben dürfen. Außerdem soll die dreitätige Bedenkzeit wegfallen. Darüber hinaus soll in den staatlichen Krankenhäusern mit Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe die Durchführung von vorgeburtlichen Kindstötungen sichergestellt werden. Über den Gesetzentwurf soll nun in der ersten Parlamentskammer (Abgeordnetenhaus) abgestimmt werden, ehe über ihn in der zweiten Kammer (Senat) endgültig entschieden wird.

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