Washington

Herbstvollversammlung: US-Nuntius stärkt Lebensschutz

Die Kirche müsse unmissverständlich für das Leben stehen, so der Apostolische Nuntius der USA. Eine Umfrage kommt indes zu dem Ergebnis: Die Amerikaner sind mehrheitlich für ein „Recht“ auf Abtreibung.
US-Nuntius Christophe Pierre
Foto: KNA | Erzbischof Christophe Louis Yves Georges Pierre, Apostolischer Nuntius in den USA, spricht am 12. November 2018 während der Herbstvollversammlung der US-amerikanischen Bischofskonferenz (USCCB) in Baltimore.

Der Apostolische Nuntius der USA, Erzbischof Christophe Pierre, hat die Bedeutung des Lebensschutzes innerhalb der katholischen Kirche betont. Bei der Herbstvollversammlung der amerikanischen katholischen Bischöfe in Baltimore (Maryland) erklärte er: „Die Kirche muss unmissverständlich für das Leben stehen.“ Man dürfe den Einsatz für den Schutz unschuldigen menschlichen Lebens und schutzbedürftiger Personen nicht aufgeben. 

Kultur des Lebens fördern

Der französischstämmige Nuntius machte vor der Vollversammlung der US-Bischöfe auch deutlich, wie er das kirchliche Engagement für den Lebensschutz im Einklang mit dem von Papst Franziskus angeregten Prozess der Synodalität sehe. So sei es beispielsweise ein „synodaler Ansatz“, wenn die US-Bischöfe Pfarreien und Gemeinden Schwangere und bedürftige Frauen, die Kinder erziehen unterstützten. 

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Ein synodaler Ansatz bestehe zudem darin, auch der Frage nachzugehen, warum manche Frauen eine Schwangerschaft beenden wollen. „Worin wurzeln die Gründe für eine Entscheidung gegen das Leben, und welche Faktoren machen diese Entscheidungen für einige derart kompliziert?“, fragte Pierre. Daran anschließend müsse man einen Konsens finden und konkrete Strategien entwickeln, „die Kultur des Lebens und die Zivilisation der Liebe“ zu fördern. Zudem rief Pierre die Bischöfe zur Einheit auf: „Eine geteilte Kirche wird die Menschen nie dahin führen, wo sie sein sollten.“ 

Indirekt ging der Apostolische Nuntius auch auf die Diskussion um den Kommunionempfang katholischer Politiker ein, die Abtreibung befürworten. Es gebe die Versuchung, die Eucharistie als etwas zu behandeln, das man nur einer kleinen Gruppe von Privilegierten anbieten könne, „anstatt an der Seite derjenigen zu stehen, deren Theologie oder Jüngerschaft Defizite aufweist und ihnen dabei zu helfen, die Gabe der Eucharistie zu verstehen und zu schätzen und ihre Schwierigkeiten zu überwinden“. 

60 Prozent dafür, "Roe vs. Wade" aufrechtzuerhalten

Während das Thema Lebensschutz bei der Herbstvollversammlung der US-Bischöfe eines der zentralen Themen darstellt, wurde jüngst eine aktuelle Umfrage veröffentlicht, die innerhalb der US-Gesellschaft ein anderes Bild zeichnet. Laut der Erhebung, die von der linksliberalen Zeitung „Washington Post“ und dem linken Sender „ABC News“ in Auftrag gegeben wurde, befürwortet eine Mehrheit von 60 Prozent der Amerikaner, dass der Oberste Gerichtshof der USA das Grundsatzurteil „Roe vs. Wade“ aus dem Jahr 1973 aufrechterhält. Nur 27 Prozent gaben an, das Urteil solle revidiert werden. Unter den katholischen Befragten stimmten demnach sogar 62 Prozent dafür, „Roe vs. Wade“ nicht anzutasten.

Das umstrittene Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs garantiert einen straffreien Zugang zu Abtreibungen im ersten Trimester einer Schwangerschaft – mit gewissen Einschränkungen auch noch im zweiten Trimester. Unter den Befragten, die sich als Anhänger der Demokraten identifizieren, ist die Zustimmung zu „Roe vs. Wade“ mit 82 Prozent besonders hoch. 70 Prozent der Bürger, die sich als „sehr konservativ“ einstufen, sind dafür, das Grundsatzurteil zu kippen. In der Gruppe der „eher Konservativen“ sinkt dieser Wert dagegen auf 38 Prozent. Von den weißen Evangelikalen sind 58 Prozent dafür, „Roe vs. Wade“ zu kippen.

Für die von dem Institut „Langer Research Associates“ durchgeführte Erhebung wurden 1.001 erwachsene Personen im Zeitraum vom 07. bis 11. November telefonisch befragt. „ABC News“ zufolge liegt die Fehlerspanne bei 3,5 Prozent. 27 Prozent der Teilnehmer waren eingetragene Demokraten, 26 Prozent Republikaner und 37 Prozent Unabhängige.

Den Teilnehmern wurde auch die Frage gestellt, ob sie es befürworteten, wenn Bundesstaaten Gesetze erlassen, die Abtreibungskliniken ihre Arbeit erschweren. Dafür stimmten 36 Prozent aller Befragten, 58 Prozent stimmten dagegen. Zudem sprachen sich 75 Prozent dafür aus, dass die Entscheidung, eine Abtreibung durchzuführen oder nicht, von einer Frau und ihrem Arzt getroffen werden sollte; nur 20 Prozent gaben an, dies sollte gesetzlich geregelt werden. Auch unter Republikanern und Konservativen stimmte eine knappe Mehrheit dafür, dass die Entscheidung über eine Abtreibung bei Frauen und ihrem Arzt liegen sollte (53 Prozent der Republikaner; 52 Prozent der Konservativen).  DT/mlu

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