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„Geh‘ und sündige noch mehr“

Pride-Fähnchen im Wind: Ein Spiel, bei dem alle verlieren.
Los Angeles Dodgers
Foto: IMAGO/JIM RUYMEN (www.imago-images.de) | Zwei Spieler der Los Angeles Dodgers, einer Baseball- Mannschaft aus Kalifornien, die mit einer Aktion zum umstrittenen "Pride Day" provozierte.

Ende Mai spielte sich in den USA ein kleines gesellschaftliches Drama ab. Der tragische Held war das Baseball-Team von Los Angeles, die „L.A. Dodgers“. Anlässlich des Pride-Monats Juni wollten die Dodgers die „Pride-Night“ veranstalten und luden deshalb eine Gruppe von Dragqueens ein, die als die „Schwestern des Immerwährenden Genusses“ katholische Nonnen verspotten. „Geh‘ und sündige noch mehr“, lautet eines ihrer Mottos.

Kritik von Christen 

Für ihre Arbeit sollten die Schwestern einen Preis als „Helden der Gemeinschaft“ erhalten. Kurz nachdem die Gästeliste verkündet war, regnete es Kritik vonseiten hochrangiger Christen wie dem früheren Vize-Präsidenten Mike Pence, der die Gruppe als „anti-katholische Hassgruppe“ bezeichnete. Andere kritisierten zu Recht, dass offenbar mit zweierlei Maß gemessen werde und die Forderungen der LGBTQ-Aktivisten nach Toleranz und Diversität wohl nicht für Katholiken gelte.

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Kurzerhand zogen die Dodgers ihre Einladung zurück. Daraufhin machte die andere Seite Druck. Andere LGBTQ-Gruppen kündigten an, die Pride-Night schlichtweg zu boykottieren. Die Bürgermeisterin von Anaheim lud die Schwestern zur Pride-Night eines anderen Baseball-Teams, der Angels, ein. Wieder wankten die Dodgers – und luden die Schwestern wieder ein, der verletzten Gefühle katholischer Baseball-Fans zum Trotz.

Das Ergebnis war wohl absehbar. Im Wettstreit der Empörung gewinnen im öffentlichen Raum natürlich die LGBTQ-Befürworter gegenüber den Katholiken. In seiner Predigt am Fest des heiligsten Herzens Jesu erinnerte der Erzbischof von Los Angeles, José Gomez, daran, dass religiöse Freiheit und der Respekt für die Überzeugungen des anderen die Ecksteine der Nation seien. „Wenn Gott beleidigt wird und der Glauben unseres Nächsten lächerlich gemacht wird, macht es uns alle kleiner“, beschrieb Gomez die Situation.

Auf die Reaktionen hören

In einer Zeit, in der die Menschen zunehmend isoliert und polarisiert sind, wirkt diese Aussage idealistisch. Noch vor zwei Jahren sprachen Menschen ihren Mitbürgern, die sich nicht gegen den Corona-Virus impfen lassen wollten, ihre Menschlichkeit ab – rhetorisch unterstützt durch die Impfkampagnen der Regierung. Das wirkt nach.

Der Gedanke, dem anderen keinen Respekt zollen zu müssen, weil man seine Überzeugungen für schädlich hält, schwebt noch in der Luft, gepaart mit der Weigerung, den anderen verstehen zu wollen, aus Wut oder aus Angst. Deshalb ist es wichtig, sich jetzt wieder auf diese Grundwerte zu besinnen: Dazu gehört der Respekt vor jedem Menschen und Geduld dafür, Argumente anzubringen und sich nicht mit Beschimpfungen zu begnügen.

Katholiken gehören zur religiösen Landschaft von Los Angeles und zur Fangemeinde der Dodgers dazu. Deswegen war es richtig, auf die Reaktionen dieser Fans zu hören, und genau falsch, einzuknicken. Aber dazu hätte Mut gehört. Dass die Dodgers die bunten Schwestern wieder eingeladen haben, zeigt allerdings, dass sich das Team nach der Öffentlichkeit richtet – und nicht nach Werten. Und dass die Aktivisten nicht mit Argumenten hantieren, sondern mit Druck, und dabei auch gerne über die religiösen Gefühle anderer trampeln.

Schlussakt einer Tragödie

Was wie ein Sieg aussehen mag, ist nur der Schlussakt einer Tragödie, bei der alle verlieren. Nur die nicht, die vielleicht am weitesten von den gesellschaftlichen Grabenkämpfen entfernt sind: Die echten Nonnen, die sich im Gegensatz zu allen anderen Beteiligten auf das Wesentliche konzentrieren, auf der ganzen Welt beten, lehren, Kranke pflegen, und das nicht selten unter Einsatz ihres eigenen Lebens – etwas, wofür Mut wirklich erforderlich ist.

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