Mit seinem Blogbeitrag, in dem er den Auftritt des US-Präsidenten Donald Trump bei der Trauerfeier für den ermordeten Aktivisten Charlie Kirk kritisierte und insbesondere konservative Katholiken davor warnte, einer Vereinnahmung des Glaubens für politische Zwecke aufzusitzen, sorgte der Passauer Bischof Stefan Oster jüngst für Schlagzeilen. Nun hat er sich erneut zu Wort gemeldet, um seine Beweggründe hinter der Stellungahme zu erläutern.
Im Gespräch mit dem Kölner Internetportal „domradio.de“ erklärte Oster, er habe die Verantwortung gespürt, sich zu Wort zu melden, da die Gedenkfeier für Kirk „unfassbar intensiv inszeniert“ gewesen sei und er gemerkt habe, dass es auch Leute gebe, die davon fasziniert seien. „Und ich wollte einfach versuchen, ,Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht‘ zu sagen: Da ist so viel Show dabei und die Versuchung zur Macht ist ja auch bei uns Christen immer gegeben. Übrigens auch bei Linken.“
Oster sieht gefährliche nähe zu Rechts
Wie bereits in seinem ursprünglichen Blogbeitrag bekräftigte Oster, er habe den Eindruck, „dass es manchmal eine gefährliche Nähe und Allianzen von eher konservativeren Christinnen und Christen, Katholikinnen und Katholiken – zu denen ich mich ja auch zähle – mit Rechts gibt“. Ausdrücklich betonte der Passauer Bischof: „Ich werde ja auch in diese konservative Richtung eingeordnet.“
Jene Allianz erklärt sich der 60-Jährige folgendermaßen: Bei manchen Menschen, die so im Glauben unterwegs seien, gebe es „im Grunde die Sehnsucht nach festem Halt, nach Identität in einem Traditionsbewusstsein, das dann manchmal vielleicht sogar völkisch oder nationalistisch wird“. Oster wörtlich: „Das geht nicht, gerade für uns als Katholikinnen und Katholiken. Wir sind katholisch, das heißt allumfassend. Wir sind für alle Menschen mitverantwortlich in dieser Welt.“ Die Kirche sei dem katholischen Glauben zufolge Sakrament des Heils für die ganze Welt. Deswegen seien Katholiken berufen, allen Menschen mit Respekt zu begegnen. „Wir sind aufgefordert, zu lieben und nicht zu hassen“, so Oster.
„Das kann man aus meiner Sicht so nicht machen"
Der Passauer Bischof schilderte auch, wie er die Trauerfeier für Kirk persönlich erlebt habe: Kirk sei dort zu einem „nationalen Volkshelden“ stilisiert worden. „Da hatte ich den Eindruck, diejenigen, die da als Politiker gesprochen haben, insbesondere der Präsident, haben hier die Religion für sich vereinnahmt.“ Besonders aufgestoßen sei ihm, dass einerseits Kirks Witwe Erika „wirklich persönlich als gläubige Frau von Vergebung für den Täter gesprochen“ habe, Trump daraufhin als Staatsmann jedoch gesagt habe, es täte ihm leid, aber er hasse. „Das kann man aus meiner Sicht so nicht machen“, so Oster. Damit ziehe sich Trump seine pseudoreligiöse Maske vom Gesicht. „Er inszeniert eine Politshow, die pseudoreligiös ist. Man merkt, er benutzt einfach die Religion, solange sie ihm nützt.“ Die Nachfolge Jesu aber schließe Hass aus. „Und er hat das Gegenteil davon gesagt“, meint Oster.
Darüber hinaus erklärte der Bischof, die Rückmeldungen zu seiner Stellungnahme, die ihn erreicht hätten, seien „fast nur positiv und dankbar und interessanterweise von liberal bis konservativ“ gewesen. DT/mlu
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