Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Für Trump-Fans keine Alternative

Auch Mike Pence will 2024 US-Präsident werden. Seine Chancen sind gering. Profitieren wird sein ehemaliger Chef.
Pence will für Republikaner ins Weiße Haus
Foto: Rick Bowmer (AP/dpa) | Pence von den Republikanern will Präsident der Vereinigten Staaten werden. Der ehemalige Vize unter Trump reichte dazu am Montag Unterlagen bei der Bundeswahlkommission ein.

Der schon jetzt ziemlich kuriose amerikanische Präsidentschaftswahlkampf ist um ein historisches Faktum reicher: Zum ersten Mal überhaupt wird ein ehemaliger Vizepräsident gegen seinen ehemaligen Chef antreten. Dies steht seit Montagabend fest, als bekannt wurde, dass Mike Pence, lange Donald Trumps loyaler Mann im Hintergrund, die nötigen Dokumente für eine Kandidatur bei der Bundeswahlkommission eingereicht hat.

Eine Überraschung stellt dieser Schritt nicht dar – schon länger war erwartet worden, dass Pence seinen Hut in den Ring werfen würde. Hat er in dem von Trump dominierten republikanischen Bewerberfeld eine Chance? Kann er sich womöglich sogar gegen den ehemaligen Amtsinhaber durchsetzen? Wohl kaum. 

DeSantis bleibt Trumps Haupt-Konkurrent

In den Umfragen liegt der 64-jährige Pence bislang stets im einstelligen Bereich, während Trump meist auf Zustimmungswerte von über 50 Prozent kommt. Der Haupt-Konkurrent Trumps ist und bleibt Floridas Gouverneur Ron DeSantis, doch auch er liegt momentan mit deutlichem Abstand hinter dem umstrittenen Ex-Präsidenten. Nachdem nun auch Mike Pence ins Rennen eingestiegen ist, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch so bleibt. Um einen anderen Kandidaten als Trump über die Ziellinie zu bringen, bräuchte es einen starken Kontrahenten, der die gesamte Opposition gegen Trump vereint. Derzeit zersplittert das Bewerberfeld tatsächlich immer mehr. Zumal in dieser Woche auch noch die Bewerbungen des ehemaligen Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie, sowie des Gouverneurs von North Dakota, Doug Burgum, erwartet werden. Die Kandidatenliste würde dann auf zehn anwachsen.

Lesen Sie auch:

Nun könnte man einwenden, dass zahlreiche Vorwahlkämpfe ihre eigene Dynamik entwickelten, sobald in den ersten Bundesstaaten die Stimmen abgegeben wurden, siehe Trumps Überraschungserfolg 2016. Das stimmt zwar, jedoch spricht gegen Pence noch ein äußerst gewichtiges Argument: Trotz seiner leisen Töne und allenfalls vorsichtiger Kritik am Polarisierer Trump ist er unter dessen Anhängern nahezu verhasst. Seitdem er sich im Januar 2021 weigerte, Trumps Versuche zu unterstützen, den legitimen Wahlsieg Joe Bidens zu kippen, gilt er im Trump-Lager als Verräter. Eine breite Abwanderung der republikanischen Wähler von Trump zu Pence ist daher nahezu ausgeschlossen.

So bleibt die ernüchternde Erkenntnis: Trotz seiner klassischen konservativen Positionen, die er – anders als Trump – aus Überzeugung, nicht aus Kalkül vertritt, wird der Stern des Mike Pence wohl schnell wieder verglühen. In diesen Zeiten geht es in der „Grand Old Party“ nämlich kaum noch um Haltung. Es geht allein um Donald Trump.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Donald Trump Joe Biden Mike Pence Ron DeSantis Wahlsiege

Weitere Artikel

Mike Pompeo, Ron DeSantis oder doch Marjorie Taylor Greene? In Washington spekuliert man, wer mit Donald Trump zur Wahl antritt.
12.05.2024, 13 Uhr
Maximilian Lutz

Kirche

Die Eucharistische Prozession macht Halt in Champion, dem einzigen anerkannten Marienerscheinungsort der USA. Mehr als 2.000 Gläubige schließen sich dort der Prozession an.
24.06.2024, 14 Uhr
Kai Weiß
Wieder eine Aufgabe für den Sekretär von Benedikt XVI.: Die Zeit der gespannten Beziehungen zu Franziskus ist beendet.
24.06.2024, 12 Uhr
Guido Horst
Der Bischof von Dresden-Meißen lud ein, eigene Grenzen und Ängste zu überwinden und Jesus ganz zu vertrauen. Landesbischof Bilz lobte die verschiedenen Gruppen der Kirche.   
23.06.2024, 14 Uhr
Meldung