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Franziskus warnt vor Kriegsgefahr

„Sinnloses Gemetzel“: Der Papst erinnert an die Friedensappelle von Benedikt XV. und Johannes Paul II.
Papst Franziskus erinnert an die Friedensappelle von Benedikt XV. und Johannes Paul II.
Foto: Andrew Medichini (AP) | „Immer noch wehen bedrohliche Winde über die Steppen Osteuropas, die die Lunten und die Flammen der Waffen entzünden und die Herzen der Armen und Schuldlosen erstarren lassen, die nichts zählen“, so der Papst wörtlich.

Die Menschheit sei „Meister im Kriegführen“ und das sei eine Schande für alle, sagte Papst Franziskus angesichts der weiter wachsenden Spannungen in Osteuropa bei einem Treffen mit Spitzen der katholischen Ostkirchen am Freitag im Vatikan. „Immer noch wehen bedrohliche Winde über die Steppen Osteuropas, die die Lunten und die Flammen der Waffen entzünden und die Herzen der Armen und Schuldlosen erstarren lassen, die nichts zählen“, so der Papst wörtlich.

Warnungen ungehört verhallt

Zuvor hatte der Präfekt der Ostkirchen-Kongregation, Kardinal Leo Sandri, einen Friedensappell von Papst Benedikt XV. aus dem Jahr 1917 zitiert: Ob denn Europa, „fast überwältigt von einem weltweiten Wahnsinn, auf einen echten Selbstmord“ zusteuere, hatte Benedikt inmitten des Ersten Weltkriegs an die kriegsführenden Nationen geschrieben. 

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„Wir hatten gehofft, im dritten Jahrtausend sei es nicht mehr nötig, solche Worte zu wiederholen“, sagte Papst Franziskus bei der Audienz. Der Friedenspapst Benedikt XV. habe die Unmenschlichkeit des Ersten Weltkriegs als „sinnloses Gemetzel“ angeprangert, doch seine Warnungen seien ungehört verhallt. Auch die Appelle Papst Johannes Pauls II. zur Abwendung des Irak-Krieges von 2003 seien nicht befolgt worden. 

In Gedanken in der Ukraine

Heute sei es nicht viel anders, so der Papst. „Wir mögen Kriege und das ist tragisch!“ Die Menschheit, die sich rühme, in der Wissenschaft, im Denken und in vielen schönen Dingen führend zu sein, hinke beim Schaffen von Frieden hinterher. Dafür müssten sich alle schämen, so Franziskus.

Kardinal Sandri versicherte im Namen der Vollversammlung der Ostkirchen-Kongregation: „In Gedanken und im Herzen sind wir bei unseren Brüdern und Schwestern in der Ukraine.“ An die politisch Verantwortlichen gerichtet, sagte er: „Von euren Entscheidungen hängen das Wohlergehen und die Freude unzähliger Familien ab, das Leben Tausender junger Menschen, das Glück der Völker, das zu schützen Sie die absolute Pflicht haben.“

Die Kirche bleibt an der Seite des Volkes

Das Oberhaupt der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, Großerzbischof Swjatoslav Schewtschuk, hatte seine Teilnahme an dem Treffen in Rom kurzfristig abgesagt, um bei seinem Volk zu bleiben. Er sprach am Donnerstag via Zoom zwei Stunden lang mit den am Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaftern der EU-Mitgliedstaaten. „Unsere Priester verlassen ihr Volk unter keinen Umständen. Wenn wir jetzt sehen, wie verschiedene Diplomaten und Politiker Kiew verlassen, ist es die Position unserer Kirche, bei unserem Volk zu sein“, kritisierte der ukrainische Großerzbischof den Abzug vieler Diplomaten. Die Kirche habe eine besondere Sendung, im Mittelpunkt der Einheit des Volkes zu stehen.

DT/Vatican News/sba

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