Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Österreich

FPÖ wollte vermeintliche Kirchen-Privilegien abschaffen

Die Streichung der steuerlichen Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags scheint vom Tisch. Bei der Entwicklungszusammenarbeit soll jedoch der Rotstift angesetzt werden.
Christian Stocker und Herbert Kickl bei Pressekonferenz
Foto: IMAGO/[c] photonews.at/Georges Schneid (www.imago-images.de) | Die Koalitionsverhandlungen zwischen der ÖVP unter Christian Stocker und der FPÖ unter der Führung Herbert Kickls gestalten sich holprig.

Bei ihren holprigen Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP versuchte offenbar die stimmenstärkste Partei Österreichs, die FPÖ von Herbert Kickl, vermeintliche Kirchen-Privilegien abzuschaffen. Ein Vorhaben, das am ÖVP-Widerstand gescheitert sein dürfte, zumindest was die Abschaffung der steuerlichen Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags betrifft, der derzeit bis zu einer Höhe von 600 Euro jährlich steuerlich geltend gemacht werden kann. Es war die ÖVP gewesen, die 2023 die Erhöhung der Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags von 400 auf 600 Euro durchgesetzt hatte.

Lesen Sie auch:

Auch die teilweise Befreiung der Kirchen von der Grundsteuer soll der FPÖ ein Dorn im Auge gewesen sein, wie „Die Tagespost“ aus dem Umfeld der Verhandler erfuhr. Auch dieser Verhandlungsgegenstand dürfte aber bereits ad acta gelegt worden sein. Von der Grundsteuer befreit sind in Österreich jene Liegenschaften der Kirche, die dem Gottesdienst, der Seelsorge oder der Verwaltung dienen.

Kirchen-kritische Sozialdemokratie verteidigt Arbeit der Kirchen

Ausgerechnet von Seiten der traditionell kirchen-kritischen Sozialdemokratie kam eine Verteidigung der Arbeit der Kirchen. So sagte der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), die Religionsgemeinschaften spielten „eine große Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Miteinander“. Und weiter: „Die steuerliche Absetzbarkeit von Beiträgen für gesetzlich anerkannte Kirchen und Religionsgemeinschaften ist sehr wichtig. Es wäre daher verantwortungslos, daran zu rütteln und ein inakzeptabler Angriff auf die Religionsgemeinschaften.“

Weiter in der Diskussion ist bei den Koalitionsverhandlungen von FPÖ und ÖVP dagegen eine mögliche Kürzung oder Begrenzung der Absetzbarkeit von Spenden an gemeinnützige und mildtätige Vereine sowie eine Kürzung der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit (EZA). Die Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf und Vorsitzende des Bündnisses für Gemeinnützigkeit, Annemarie Schlack, spricht von einem „Frontalangriff auf die Kirchen und Religionsgemeinschaften“ und von einem Versuch, „die unabhängige Finanzierungsbasis von Vereinen und anderen gemeinnützigen Organisationen zu schwächen“.  DT/sba

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Die Tagespost Freiheitliche Partei Österreichs Herbert Kickl Michael Ludwig Religiöse Gemeinschaften SPÖ Seelsorge Traditionen Österreichische Volkspartei

Weitere Artikel

Die österreichische Bundesregierung will den Politischen Islam verbieten. Aber was ist der überhaupt genau? Es deuten sich verfassungsrechtliche Probleme an. Und nicht nur das.
09.10.2026, 09 Uhr
Alexander Eiber
Aus der Politik hat er sich zurückgezogen und trotzdem ist der ehemalige Bundeskanzler immer noch öffentlich präsent. Auch als weltweite Leitfigur für Bündnisse rechts der Mitte.
20.09.2026, 09 Uhr
Alexander Eiber

Kirche

Das Bischofstreffen in Rom zur Familienpastoral stößt auf wenig Interesse bei den Medien. Grund ist die Art und Weise, wie die Versammlung gelenkt und gesteuert wird.
10.10.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Papstjubel und Protestwut: Hunderttausende Franzosen gingen zuletzt aus verschiedenen Gründen auf die Straßen. Eins hat sie dennoch vereint.
09.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Johannes Zehe, früher Geiger und seit 2023 Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum, wird an diesem Samstag im Mariendom zum Bischof geweiht.
09.10.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Gott will glückliche Menschen, schreibt Erzbischof Georg Gänswein. Gott lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Doch die Gäste haben vermeintlich Wichtigeres vor.
10.10.2026, 21 Uhr
Georg Gänswein