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Ein „Tandem“ mit Schleudersitz

Putin ist nun vollständig von Pekings Wohlwollen abhängig. Doch die Zuneigung des großen Bruders ist begrenzt.
Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit
Foto: Sergei Bobylev (Pool Sputnik Kremlin/AP) | Dieses von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik via AP veröffentlichte Foto zeigt Wladimir Putin (l), Präsident von Russland und Xi Jinping, Präsident von China, beim Gipfel der Shanghaier ...

Erstmals seit Ausbruch des Ukrainekriegs sind Russlands Diktator Wladimir Putin und der chinesische Machthaber Xi Jinping am Donnerstag aufeinandergetroffen – und gerade für Putin, dessen Armee sich kürzlich schmachvoll aus weiten Teilen der Ostukraine zurückziehen musste, bedeutete die Begegnung mit Xi in der usbekischen Hauptstadt Samarkand eine willkommene Abwechslung angesichts einer Woche zum Vergessen.

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Als „Tandem“ bezeichnete der Kreml-Führer am Rande des Gipfeltreffens der Schanghai-Organisation für Zusammenarbeit (SCO) die Partnerschaft beider Länder und lobte zudem die „ausbalancierte Haltung der chinesischen Freunde in der ukrainischen Krise“ – sprich: Pekings Weiterverbreitung des russischen Lügen-Narrativs von der militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine inklusive des Hinwegsehens über alle völker- und menschenrechtswidrigen Gräueltaten, die Putins Soldateska seit Februar gegenüber dem angeblichen „Brudervolk“ begeht. 

Chinesische Medien kritisieren Putins Versagen in der Ostukraine

Ziel dieses in Putins Augen so fabelhaften Tandems sei die Bildung einer gerechten, demokratischen und multipolaren Weltordnung, die auf dem Völkerrecht und der zentralen Rolle der Vereinten Nationen basiere. Angesichts der verheerenden Menschenrechte-Bilanz, Demokratiefeindlichkeit und unverhohlener Hegemonialansprüche beider Länder dürfen sich nicht wenige politische Beobachter beim Hören dieser Worte die Augen und Ohren gerieben haben.

Noch weiß Putin trotz seiner grandios gescheiterten Kriegsführung in der Ukraine und der selbstverschuldeten verheerenden Wirtschaftssanktionen des Westens gegenüber Russland den großen Bruder aus Peking hinter sich – doch dessen Zuneigung ist nicht unbegrenzt. Ein sichtbares Zeichen hierfür: Chinesische Medien konnten seit Kriegsbeginn erstmals vergleichsweise offen und kritisch über die russischen Rückschläge in der Ostukraine berichten. Denn die Kommunistische Partei Chinas weiß, dass der Kreml-Führer gegenwärtig deutlich angezählt ist, und so will man sich entgegen der üblichen Freundschaftsbeteuerungen auch gegenüber Russland alle Optionen offenhalten. So funktioniert Realpolitik – und die wird China im Gegensatz zu dem in hoffnungslose Herrenvolk-Ideologie verrannten Russland auch weiterhin praktizieren.

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