Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Drei-Prozent-Hürde: Kleine Parteien können das Parlament beleben

Das Parteiwesen differenziert sich neu aus. Es gibt immer mehr kleine Parteien. Auch die sollten eine Chance haben, ins Parlament zu kommen.
Parteizentrale der SPD in Magdeburg
Foto: IMAGO / Emmanuele Contini | Könnte auch sie an der Fünfprozenthürde scheitern? Die SPD in Sachsen-Anhalt, hier die Parteizentrale in Magdeburg, baut für dieses Szenario schon einmal für und spricht sich für eine Dreiprozenthürde aus.

Die SPD in Sachsen-Anhalt spricht sich dafür aus, die Drei-Prozent-Hürde einzuführen. Das erinnert auf den ersten Blick daran, wenn bei den Bundesjugendspielen diejenigen das Siegertreppchen abschaffen wollen, die sowieso nie eine Chance auf eine Urkunde haben. Den Sozis rund um Magdeburg und Halle könnte nach den Umfragen nämlich tatsächlich die Sprungkraft fehlen, bei der anstehenden Landtagswahl die Fünf-Prozent-Hürde zu nehmen.

Lesen Sie auch:

Also alles nur eine Argumentation, um die eigenen Schwächen auszugleichen und irgendwie mit dabei zu bleiben? Die SPD mag ihre Gründe haben, es gibt aber auch grundsätzliche Überlegungen, die für so eine Drei-Prozent-Hürde sprechen: Das Parteiensystem differenziert sich gerade aus. Da, wo über Jahre nur Statik herrschte, kehrt nun Bewegung ein.

Vielfalt, die sich auch im Parlament widerspiegeln sollte

Parteien sind nach unserem Grundgesetz die Orte, wo Bürger ihren politischen Willen herausbilden können. Werden diese „Orte“ immer mehr, dann sollte sich das auch im Parlament abbilden. Um im Bild zu bleiben: Neu gegründete Orte haben vielleicht noch nicht so viele Einwohner, also Wähler, aber auch sie repräsentieren Teile des Volkes.

Die SPD ist sicher keine solche Neugründung, aber das gilt zum Beispiel für das BSW. Und es bleibt auch spannend, ob sich zwischen Union und AfD vielleicht doch noch eine politische Kraft der rechten Mitte etablieren könnte (Werteunion und Bündnis Deutschland sind bisher gescheitert). 

Wenn das politische Leben in Bewegung kommt, dann spricht das für die lebendige Demokratie. Und diese Lebendigkeit sollte sich in ihrer Vielfalt auch im Parlament widerspiegeln.  

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Alternative für Deutschland Landtagswahlen SPD

Weitere Artikel

Grandios als Tiger gestartet, und ebenso grandios als Bettvorleger gelandet: Wie Friedrich Merz die CDU in die Bedeutungslosigkeit führt.
09.09.2026, 19 Uhr
Stefan Rehder
Der AfD schreiben ihre Wähler eine hohe Wirtschaftskompetenz zu. Zu Unrecht, meint Carl-Victor Wachs. Die Brandmauer habe sie bisher davor geschützt, sich beweisen zu müssen.
07.09.2026, 18 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Trump beruft Bischof Barron in die Kommission für internationale Religionsfreiheit. Das lässt hoffen, dass er die oft so befremdlich agierende US-Regierung mit Augenmaß zum Nachdenken anregt.
18.09.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Nachdem die Szene im Internet als eucharistisches Wunder gedeutet wurde, stellt Pfarrer Brent Bowman klar: Er habe eine „persönliche geistliche Erfahrung“ gemacht.
18.09.2026, 10 Uhr
Dorothea Schmidt
Ein Jahr nach der Liberalisierung des rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetzes hat sich netto nicht viel geändert. Dennoch ist Wachsamkeit angesagt.
18.09.2026, 09 Uhr
Regina Einig
Der Heilige Stuhl hat mehrere protokollarische Wünsche der französischen Regierung für die Reise Leos XIV. abgelehnt.
16.09.2026, 18 Uhr
Meldung