Papst Leo hat sich warnend zum neuen Irankrieg geäußert. „Mit tiefer Sorge“ verfolge er die Ereignisse im Nahen Osten und im Iran, sagte der Papst nach dem mittäglichen Angelusgebet im Vatikan: „Stabilität und Frieden entstehen nicht durch gegenseitige Drohungen oder Waffen, die Zerstörung, Leid und Tod säen, sondern nur durch einen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog.“
Die beteiligten Parteien, so Leo XIV., sollten „ihrer moralischen Verantwortung nachkommen und die Spirale der Gewalt stoppen, bevor sie in einen unüberwindlichen Abgrund mündet“. Und weiter: „Möge die Diplomatie ihre Rolle zurückgewinnen und das Wohl der Völker fördern, die sich nach einem friedlichen, auf Gerechtigkeit gegründeten Zusammenleben sehnen. Und lasst uns weiterhin für den Frieden beten.“
Bereits am gestrigen Samstag hatte sich der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, mit einem ähnlichen Statement zu Wort gemeldet. Auch ihn erfüllen demnach die „neuerlichen Kampfhandlungen … mit tiefer Sorge“. Allerdings: Israels Sicherheit sei für ihn „von herausragender Bedeutung“, und jeder, der Freiheit liebe, sehne sich „nach dem Moment, an dem die iranische Bevölkerung das Joch einer brutalen Herrschaft abschütteln kann“.
Jedoch sorgt sich Wilmer um den Erfolg des israelisch-amerikanischen Angriffs: „Werden die militärischen Auseinandersetzungen, die am Samstagmorgen begonnen haben, dem Mittleren Osten mehr Frieden und Freiheit bringen? Ich bete in dieser Stunde für die Menschen im Iran und Israel, die einmal mehr Opfer der Gewalt werden.“ Er bete für die Region, dass sie sich „endlich zu einer Stätte echten Friedens statt immer wiederkehrenden Blutvergießens“ wandeln möge. Juden, Muslime und Christen seien an den Kämpfen beteiligt und davon betroffen. „Ich lade die Gläubigen der abrahamitischen Religionen ein, sich dem Gebet anzuschließen.“
Um Gebet bittet auch die christliche Hilfsorganisation „Open Doors“. Das gut vernetzte, überkonfessionelle Hilfswerk schreibt auf Anfrage der „Tagespost“, in der aktuellen Situation sei die Gefahr für die iranischen Christen „sehr groß“, weil das Mullah-Regime Christen als Verbündete des Westens einstufen würde. Bereits im „Zwölftagekrieg“, der Luftkampagne Israels gegen Iran im Sommer 2025, sei es verstärkt zu entsprechenden Anschuldigungen gekommen, im ersten Monat nach Kriegsende seien dann über 50 Christen verhaftet worden. Das iranische Ministerium für Geheimdienst und Sicherheit, so Open Doors weiter, habe die Festgenommenen als „Mossad-Söldner“ bezeichnet, die „unter dem Deckmantel der ‚zionistischen‘ christlichen Evangelisierungsbewegung im Ausland ausgebildet worden seien“.
Auch nach dem blutig niedergeschlagenen Aufstand im Januar 2026, bei dem das Regime mutmaßlich Zehntausende Demonstranten tötete, seien Christen betroffen gewesen. Viele hätten enge Freunde und Familienmitglieder verloren, berichtet Open Doors. Auch Christen seien unter den Opfern: „Die betroffenen Familien sind in tiefer Trauer, manche kämpfen mit Verzweiflung. Wir haben auch von Christen gehört, die sich selbst nach dem Ende der Proteste in ihrer Wohnung eingeschlossen haben, weil sie durch die Erlebnisse tief erschüttert sind.“ In dieser Situation stellten die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten eine zusätzliche Belastung dar. Viele Informationen würden nur die Leiter der Untergrundgemeinden erreichen, ein direkter Kontakt zu den trauernden Familien sei schwer. Derzeit ist im Iran wie während der Aufstände wieder das Internet abgeschaltet. (DT/jra)
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