Im Rahmen seiner Afrika-Reise besucht Papst Leo auch Angola. Im Südwesten Afrikas am Atlantischen Ozean gelegen, grenzt Angola an die Demokratische Republik Kongo, die Republik Kongo, Sambia und Namibia. Das Land ist etwa dreimal so groß wie Deutschland und damit eines der größten Länder Afrikas. Angola ist ein stark christlich geprägtes Land, in dem über 90 Prozent der Bevölkerung dem christlichen Glauben angehören. Die Mehrheit ist römisch-katholisch, gefolgt von einer wachsenden Zahl protestantischer Konfessionen, darunter Baptisten, Methodisten und Pfingstkirchen.
Bereits im späten 15. Jahrhundert kamen portugiesische Entdecker und Missionare nach Angola, und mit ihnen der christliche Glaube. Dieser löste mit der Zeit traditionelle Religionen ab. Beobachtern zufolge besitzt die katholische Kirche in Angola eine Glaubwürdigkeit, über die nur wenige in dem Land verfügen. Geschmälert wird diese, wenn das Thema Abtreibung zur Sprache kommt. So äußerte sich laut dem katholischen Portal „aciafrica“ Gabriel Mbilingi, Erzbischof der katholischen Erzdiözese Lubango, besorgt über Gesetzesänderungen zur Abtreibung in Angola im Jahr 2019, insbesondere über die Rolle der christlichen Gesetzgeber.
Wörtlich sagte Mbilingi, Angehöriger der Ordensgemeinschaft der Spiritaner (CSSp): „Seit Februar 2019 hat unsere Nationalversammlung die Abtreibung legalisiert. Mehr als 69 Prozent der Abgeordneten waren Christen. Aber sie zogen es vor, christliche Parlamentarier zu sein, anstatt Parlamentarier, die nach christlichen Werten leben.“ Auch Laien müssten sich ihrem Glauben verpflichtet fühlen: „Ein christlicher Abgeordneter gehorcht eher der Parteidisziplin als der Stimme seines Gewissens. Was die Partei sagt, ist wichtiger als das, was ihr Glaube verlangt. Und das sind Laien – wir sehen keine Bischöfe, Priester oder Diakone im Parlament.“
Seit 1975 ist Angola unabhängig von Portugal. Die Konkurrenz zwischen drei Unabhängigkeitsbewegungen führte das Land jedoch in einen 27 Jahre dauernden Bürgerkrieg. Über eine Million Menschen kamen durch die gewaltsamen Auseinandersetzungen ums Leben. In den vergangenen Jahren wandelte sich Angola von einem marxistischen Einparteiensystem zu einem Präsidialsystem. Staatspräsident João Lourenço konzentriert die Macht, während Korruption, wirtschaftliche Stagnation und soziale Unruhen die politische Lage trotz Reformversprechen prägen. Unter João Lourenço verfolgt das Land eine Strategie der gezielten Blockfreiheit, um Partnerschaften mit den USA, der EU, China und Indien gleichzeitig auszubauen.
Geopolitisch ist Angola ein bedeutender Akteur in Afrika, geprägt von enormen Öl- und Rohstoffvorkommen. Neben Diamanten birgt das Land ein enormes, bislang nur in Ansätzen erschlossenes Potenzial an kritischen Rohstoffen, die für die europäische Energiewende von strategischer Bedeutung sind. Während sie von hoher Arbeitslosigkeit und Armut trotz des Rohstoffreichtums des Landes betroffen ist, kämpft vor allem die Jugend für bessere Bildung, Arbeitsplätze und Bürgerrechte. Sie wirft der Machtelite vor, den Rohstoffreichtum unter sich zu verteilen.
So kommt es aufgrund hoher Lebenshaltungskosten und Forderungen nach politischem Wandel häufig zu Protesten, die oft mit Gewalt durch Sicherheitskräfte beantwortet werden. Menschenrechtsaktivisten berichten von willkürlichen Festnahmen, Tötungen bei Demonstrationen und Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit.
Der Autor war Chefredakteur der „Tagespost“, ist Journalist und Afrika-Experte.
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