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So bereitet sich Afrika auf den Papstbesuch vor

Vielfältig, lebendig, bedroht: Der nigerianische Priester Ezekiel Oko schildert Freud und Leid der afrikanischen Christen in Kamerun und im angrenzenden Nigeria.
Pope Leo XIV in Ankara
Foto: IMAGO/Ercin Erturk (www.imago-images.de) | Die nächste Papstreise steht bevor: Leo wird ab 13. April mehrere afrikanische Länder besuchen.

„Der Papst wird vielerorts nicht nur als religiöses Oberhaupt, sondern auch als Hoffnungsträger für Frieden und Versöhnung willkommen geheißen. Insgesamt freuen sich die Christen auf diese Reise als spirituelle Ermutigung und als Anlass, ihren Glauben gemeinsam und sichtbar zu feiern“, beschreibt der nigerianische Priester Ezekiel Ifeanyichukwu Oko die Stimmung auf dem afrikanischen Kontinent kurz vor dem Besuch des Heiligen Vaters, der am 13. April beginnt und während elf Tagen durch Kamerun, Algerien, Angola und Äquatorialguinea führt. „Die Nachricht von seiner Ankunft hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet, begleitet von einer Welle der Vorfreude und dem Wunsch, dass dieser besondere Besuch sowohl spirituell als auch gesellschaftlich einen positiven Impuls für die Gemeinschaft setzt.“

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Oko, katholischer Priester des Bistums Enugu in Nigeria, fügt an, dass sich die Gemeinden im Nachbarland Kamerun auf verschiedenen Ebenen auf das große Ereignis vorbereiten: „Überall wird organisiert, geplant und geprobt: Die Bischofskonferenz arbeitet Hand in Hand mit dem Vatikan, während ein nationales Komitee mit sprühender Energie alles vom Ablauf der Feiern bis zum Empfang der Gäste koordiniert. Was dabei besonders ins Auge fällt, ist die kreative liturgische Vorbereitung – riesige Chöre üben traditionelle Lieder, Tänze werden einstudiert, und Kirchen werden mit bunten Stoffen und Blumen geschmückt. Die Gemeinschaft wächst zusammen, denn alle möchten dem Heiligen Vater einen unvergesslichen Empfang bereiten. Von Douala bis Bamenda: Die Vorbereitungen sind von Begeisterung und Stolz geprägt, und selbst im Ausland lebende Kameruner zieht es zurück in die Heimat, um dieses Fest mit Familie und Freunden zu erleben.“

Auch in den anderen Zielländern des Papstbesuchs laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Gemeinden engagieren sich Oko zufolge in besonderem Maße in der Gestaltung der Liturgie, indem lokale Sprachen, Musik und Bräuche in die heiligen Messen integriert werden, um die Vielfalt und Lebendigkeit des afrikanischen Christentums zu zeigen.

Der Priester, der derzeit im Rheinland lebt und seit 2024 Doktorand an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) im Bereich Christliche Sozialwissenschaften und gesellschaftlicher Dialog ist, betont die hohe Bedeutung des Christentums auf dem afrikanischen Kontinent: „Besonders in meinem Heimatland Nigeria ist der christliche Glaube tief im Alltag verwurzelt und prägt die Lebensweise vieler Menschen entscheidend. Rund die Hälfte der Bevölkerung in Nigeria zählt zu den Christen, und der Glaube wird dort mit großer Freude und Leidenschaft gelebt: Die Gottesdienste sind lebendig und gut besucht, zahlreiche Gemeinden sorgen für ein vielfältiges, spirituelles Leben, und religiöse Feste werden mit viel Enthusiasmus gefeiert. Christliche Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und gegenseitige Unterstützung sind feste Bestandteile des täglichen Miteinanders und spiegeln sich im gesellschaftlichen Engagement der Kirchen wider – sei es in Bildungsprojekten oder im Gesundheitswesen. Das Christentum schafft so nicht nur spirituelle, sondern auch soziale Verbindungen, die die Gemeinschaft stärken und den Alltag bereichern.“

Manche sprechen von Genozid

Doch die Schattenseite ist allgegenwärtig: In Nigeria und in Kamerun, das der Papst besuchen wird, häufen sich Gewalttaten gegen Christen. Islamistische Gruppen wie Boko Haram verfolgen, entführen und ermorden sie. Kirchen werden niedergebrannt, Häuser zerstört. Vor allem im Norden Nigerias, so Oko, leben Christen oft in ständiger Angst vor Angriffen und Diskriminierung durch extremistische Gruppen. Er sagt: „Viele Familien mussten ihre Heimat verlassen, sie finden aber Trost im Glauben, indem sie gemeinsam beten und sich gegenseitig unterstützen. Die Kirchen bieten nicht nur spirituellen Halt, sondern werden auch zu sicheren Zufluchtsorten für Menschen in Not.“

Gleich zu Beginn seines Afrika-Aufenthalts wird Papst Leo XIV. die Große Moschee von Algier besuchen. Verbinden Afrikas Christen mit einer solchen Geste die Hoffnung auf mehr Frieden zwischen den Religionen? „Meines Erachtens wird das von vielen Menschen in Afrika als starkes Zeichen der Versöhnung und des interreligiösen Dialogs gewertet. Gerade vor dem Hintergrund der Diskriminierung und Verfolgung von Christen durch islamistische Terrorgruppen in verschiedenen Regionen Afrikas ist der Besuch des Papstes in der Moschee ein Symbol für Respekt, Offenheit und die Bereitschaft zum Dialog zwischen den Religionen. Viele Gläubige – sowohl Christen als auch Muslime – sehen darin eine Chance, bestehende Spannungen abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern“, meint Oko. Der Versuch, Versöhnung herbeizuführen, sei besonders derzeit von großer Wichtigkeit: „In Nigeria – wo Muslime und Christen Seite an Seite leben – dauert der Kampf gegen die Terrorgruppe Boko Haram bereits seit 17 Jahren an. Trotz aller Anstrengungen wächst das gegenseitige Misstrauen zwischen den beiden Glaubensrichtungen, und gerade die christlichen Gemeinden sind vielerorts besonders von den verheerenden Folgen betroffen, sodass manche sogar von einem gezielten Genozid sprechen.“

Was erhofft sich Oko persönlich von dem Besuch des Heiligen Vaters in Afrika? „Zum einen wünsche ich mir mehr Frieden und Harmonie zwischen den Religionen. Zum anderen finde ich es ebenso wichtig, dass die Welt die christliche Vielfalt und Einzigartigkeit des afrikanischen Kontinents wahrnimmt und wertschätzt. Ein lebendiger, gegenseitiger Austausch zwischen europäischen und afrikanischen Gemeinden kann hier eine Brücke schlagen, sodass beide Seiten in Offenheit und Demut voneinander lernen und bereichert werden.“

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