Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung STRASSBURG

Das Imperium schlägt zurück

Putins hybrider Krieg erreicht das Herz der europäischen Demokratie: Das Europäische Parlament nennt Russland einen Terrorstaat und wird sogleich von Hackern attackiert.
Hybrider Krieg
Foto: Sina Schuldt (dpa) | Das EU- Parlament war nach Verurteilung Russlands Ziel einer Hackerattacke.

Das Europäische Parlament hat Putins Reich am Mittwoch als „dem Terrorismus Vorschub leistender Staat“ eingestuft und sah sich wenige Stunden später mit einer massiven Hacker-Attacke konfrontiert. Nach Angaben der christdemokratischen Parlamentspräsidentin Roberta Metsola hat sich eine kremlnahe Hackergruppe zu dem Cyberangriff auf die Internetseite des Europäischen Parlaments bekannt. Zeitweise war die Seite aufgrund der Attacke nur eingeschränkt nutzbar.

Lesen Sie auch:

Vorwürfe an Russland

Unmittelbar zuvor hatte das Europäische Parlament seine „rückhaltlose Unterstützung der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Unversehrtheit der Ukraine“ bekräftigt und den „rechtwidrigen, unprovozierten und ungerechtfertigten Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine“ verurteilt. Russland müsse seine Angriffe, insbesondere auf Wohngebiete und zivile Infrastruktur, sowie die Deportation ukrainischer Zivilisten und die Zwangsadoptionen von Kindern einstellen.

Das in Straßburg tagende Europaparlament wirft Russland Kriegsverbrechen, Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung und schwerwiegende Verletzungen der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts vor. Russland leiste dem Terrorismus Vorschub und setze terroristische Mittel ein. Das Parlament fordert die EU, ihre Mitgliedstaaten sowie Partnerländer auf, die Russische Föderation als dem Terrorismus Vorschub leistenden Staat einzustufen und eine „vollumfängliche internationale Isolation“ voranzutreiben. Staatsnahe russische Einrichtungen, die russische Staatspropaganda unterstützen, sollten geschlossen und verboten werden.

Embargo erweitern

Auf eine Terrorliste der EU sollen nach Ansicht der Europaabgeordneten die paramilitärische Wagner-Gruppe und die von Tschetschenen-Führer Ramsan Kadyrow geführte Einheit gesetzt werden. Russland und Belarus müssten auf die EU-Liste der Staaten „mit hohem Risiko der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung gesetzt werden“, heißt es in der Entschließung des Europäischen Parlaments von Mittwoch. Der Text fordert weiter „ein sofortiges und vollständiges Embargo auf Einfuhren von fossilen Brennstoffen und Uran aus Russland“ sowie die „vollständige Aufgabe der Erdgasfernleitungen Nord Stream 1 und 2“. DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung CDU Demokratie Russlands Krieg gegen die Ukraine Ramsan Kadyrow Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Der russische Autokrat sieht die Bürger seines Landes als homogenen Volkskörper, der im Gleichklang mit dem Führer zu handeln und zu denken hat. 
12.08.2026, 11 Uhr
Stephan Baier
Orbáns Verdienste bei Migration, Sicherheit und Familie reichen nicht aus. Die schlechte Wirtschaft, Russlandnähe und Korruptionsvorwürfe bringen Magyar ins Amt.
13.04.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Das „Glaubenstribunal“ der Wiener Festwochen endet mit einem Bekenntnis zur Blasphemie als Freiheit der Kunst, die Gefühle von Gläubigen zu missachten.
31.05.2026, 20 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Tadel für Benedikt XVI. wegen mangelnder Berücksichtigung des jüdisch-christlichen Dialogs und Sympathie für die Piusbruderschaft: Wie passt das zusammen?
20.08.2026, 17 Uhr
Benjamin Leven
Im quirligen spanischen Katholizismus war er Stabilisator und treibende Kraft zugleich: Kardinal Antonio Rouco Varela wird 90 Jahre alt. Um klare Positionierung war er nie verlegen.
20.08.2026, 09 Uhr
Regina Einig
Die Evangelische Akademie Berlin muss wegen Kürzungen ihr Sommerfest absagen – das wirft ein Schlaglicht auf die Situation der kirchlichen Bildungsarbeit in Zeiten knapper Haushalte.
19.08.2026, 16 Uhr
Benjamin Lassiwe