Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nach Attentat auf Kreml-Propagandistin

Das Feuer, das Dugins Denken entfachte

Das tödliche Attentat auf die Kreml-Propagandistin Darja Dugina ist ein bisher einzigartiger Schlag gegen die Putinisten. Und zeigt, wie zerrissen Russland seit dem Krieg in der Ukraine ist.
Darja Dugina bei Attentat getötet
Foto: IMAGO/Sergei Bobylev (www.imago-images.de) | Dugin war am Samstagabend mit seiner Tochter auf dem patriotischen Festival „Tradition“, sie hat ungeplant das Treffen allein verlassen.

Ein Foto zeigt den russischen PhilosophenAlexander Dugin mit über dem Kopf zusammengeschlagenen Händen vor dem brennenden Auto, im dem gerade seine Tochter starb. Ist es das Feuer, das er durch sein Denken selbst entfachte?

Das tödliche Attentat auf die Kreml-Propagandistin, Journalistin und Politologin Darja Dugina nahe Moskau ist ein bisher einzigartiger Schlag gegen die Putinisten. Sie ist die Tochter des „Putin-Einflüsterers“ Alexander Dugin, des geistigen Vordenkers eines großrussischen Reiches von Wladiwostok bis Lissabon. Dugin war am Samstagabend mit seiner Tochter auf dem patriotischen Festival „Tradition“, sie hat ungeplant das Treffen allein verlassen. Die Autobombe galt wohl besonders dem Vater, Darja Dugina hatte seinen Wagen für die Heimfahrt benutzt. 

Überzeugte Verfechterin des russischen Krieges

Nicht nur Dugina galt in öffentlichen Reden als überzeugte Verfechterin des russischen Überfalls auf die Ukraine, Dugin hat es im vergangenen Jahr sogar in seiner Schrift „Das große Erwachsen gegen den Reset“ gefordert, worin er die imperiale Wiedergeburt Russlands verlangte und den Liberalismus der Globalisierung sowie die „biopolitische Diktatur“ von Impfungen und anderen Maßnahmen gegen die Pandemie als den eigentlichen Feind ausmachte. „Amerika ist auf dem Rückzug. Wir müssen angreifen!“, ist eine der Überschriften des Buchs. Auch sein Buch „Konflikte der Zukunft. Die Rückkehr der Geopolitik“ (2014) zeigte deutlich, was Dugin erwartete und fördern wollte: historisch begründete Machtpolitik anstatt Weiterentwicklung und Wirklichkeit von Rechtsinstitutionen. 

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Der Eurasier Dugin stützt sich auf die westeuropäische Konservative Revolution sowie auf den Panrussismus mit Denkern wie Julius Evola, Friedrich Nietzsche, den Geopolitiker Karl Haushofer, den Juristen Carl Schmitt oder den französischen Metaphysiker René Guénon. Dugins Großmutter war Dekanin an der Hochschule der Partei KPdSU, seine Mutter arbeitete im Gesundheitsministerium; der Vater war beim KGB. In dieser Nähe zur Macht hielt sich auch Dugin auf. Schon in seiner frühen Schrift „Wege des Absoluten“ forderte er einen „totalen Traditionalismus“, der westlichen Werte infrage stellte.

Die Bombe war für ihn vorgesehen

Besonders gegen deren zunehmende Herrschaft der Minderheiten gegenüber den Mehrheiten wandte er sich. In seinen Youtube-Interviews erscheint er als der nette nachdenkliche Philosoph, der aber Russland an der Spitze des großen Erwachens sehen will. Die für ihn vorgesehen Bombe explodierte somit im engsten Umkreis um Putin und zeigt, wie zerrissen das Land seit dem Krieg um die Ukraine wirklich ist. 

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