Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Blasphemievorwurf

Christ nach 24 Jahren in pakistanischer Todeszelle freigelassen

Verurteilung wegen Blasphemie aufgehoben: Nach einem Vierteljahrhundert kommt der christliche Pakistani Anwar Kenneth frei.
Anwar Kenneths Hand
Foto: CSI | Sein Gesicht zu zeigen, wäre noch zu gefährlich: Anwar Kenneth, im Bild seine Hand, ist nach 24 Jahren im Gefängnis freigekommen.

Nach fast 24 Jahren in der Todeszelle ist der pakistanische Christ Anwar Kenneth am 21. Oktober aus dem Zentralgefängnis von Faisalabad entlassen worden. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI), die Kenneths Anwaltsteam unterstützt hatte. Der 72-Jährige war 2002 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof Pakistans hatte das Urteil bereits im Juni 2025 aufgehoben, doch erfolgte die Freilassung erst jetzt.

Lesen Sie auch:

Kenneth war 2001 im Alter von 48 Jahren verhaftet worden, nachdem er einem muslimischen Gelehrten einen Brief geschrieben hatte, in dem er seinen christlichen Glauben darlegte. Der Inhalt des Schreibens wurde als Verleumdung des Propheten Mohammed gewertet. Ein Gericht in Lahore verurteilte ihn daraufhin im Juli 2002 zum Tod durch den Strang und zu einer Geldstrafe. Auch der Lahore High Court bestätigte 2014 das Urteil.
„Anwar Kenneth ist ein unschuldiger Mensch, der keine Blasphemie begangen hat“, erklärte sein Rechtsanwalt Rana Abdul Hameed Khan, der den Fall seit Jahren betreute. Er sprach von „dem größten Fall in der Rechtsgeschichte Pakistans“. Der Jurist sei während des Verfahrens mehrfach bedroht worden, so der CSI-Bericht.

Zuletzt vermehr Anklagen wegen „Online-Blasphemie“

Laut CSI hatte Kenneth zeitweise ohne anwaltliche Vertretung im Gefängnis ausgeharrt, nachdem staatlich bestellte Verteidiger das Mandat niedergelegt hatten. Erst mit Unterstützung der Organisation konnte das Berufungsverfahren am Obersten Gerichtshof durchgesetzt werden.
Der Fall lenkt erneut den Blick auf den Missbrauch der pakistanischen Blasphemiegesetze, die seit 1987 gelten. Die Beleidigung des Propheten Mohammed steht dort unter Todesstrafe. Nach Angaben eines Berichts von 2022 wurden seither fast 2.000 Menschen wegen Blasphemie angeklagt, 86 von ihnen wurden von aufgebrachten Menschenmengen getötet.

Menschenrechtler warnen, dass die Gesetze ein Klima der Straflosigkeit fördern. „Falsche Vorwürfe können leicht als Waffe eingesetzt werden“, erklärte CSI. Besonders Angehörige religiöser Minderheiten und sozial Schwache seien gefährdet, weil sie sich keine wirksame Verteidigung leisten könnten. In den vergangenen Jahren habe zudem die Zahl der Anklagen wegen sogenannter Online-Blasphemie stark zugenommen – häufig würden junge Christen zur Zielscheibe selbst ernannter Bürgerwehren.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Christen Christliche Glaubensrichtungen Prophet Mohammed Todesurteile

Weitere Artikel

Achtung, Triggerwarnung. Über die Wiener Ausstellung „Du sollst dir ein Bild machen“.
13.12.2025, 06 Uhr
Gudrun Trausmuth
Die religiöse Indifferenz vieler Christen höhlt die Gesellschaft aus und öffnet eingewanderter Christusfeindlichkeit die Türen
19.01.2025, 19 Uhr
Rüdiger Plantiko
Pakistans Blasphemie-Gesetze unterdrücken die Meinungsfreiheit, schreibt Christian Elser, Referent der christlichen Menschenrechtsorganisation CSI-Deutschland, in einem Gastbeitrag.
31.10.2025, 09 Uhr
Christian Elser

Kirche

Positionspapier zur Rettung der Kirchenmusik, das es in sich hat: Der Deutsche Musikrat beschämt die Kirche mit Kritik an ihrem Musikleben. Zwischenruf einer Kirchenmusikerin.
23.01.2026, 16 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Von Favoriten bis Kompromisskandidaten für den Posten des Vorsitzenden der deutschen Bischöfe: Ein Überblick über Chancen und Profile.
22.01.2026, 16 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Journalist Franz Herre schrieb große Biografien. Einen besonderen Blick warf er auf Konrad Adenauer. Mit fast 100 Jahren ist der Katholik nun gestorben.
23.01.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse
Bei einer Grönland-Invasion wäre es „moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu verweigern“, meint der ehemalige Vorsitzende der US-Bischofskonferenz. Sein Nachfolger hält sich noch bedeckt.
21.01.2026, 10 Uhr
Meldung