Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Richterwahl im Bundestag

Bundestag wählt drei neue Richter für das Bundesverfassungsgericht

Alle Kandidaten erhalten die erforderliche Mehrheit. Eine Staatskrise ist somit abgewendet.
Neue Richter ans Bundesverfassungsgericht gewählt
Foto: IMAGO/Michael Bihlmayer (www.imago-images.de) | Bei der geheimen Wahl, die ohne vorherige Debatte erfolgte, erhielten alle Kandidaten die erforderliche Zweidrittelmehrheit.

Der Deutsche Bundestag hat heute die Richter Sigrid Emmenegger und Günter Spinner sowie die Münchner Staats- und Verwaltungsrechtlerin Ann-Kathrin Kaufhold zu neuen Richtern am Bundesverfassungsgericht gewählt.

Lesen Sie auch:

Bei der geheimen Wahl, die ohne vorherige Debatte erfolgte, erhielten alle Kandidaten die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Um 18.29 Uhr unterbrach Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CDU) die Haushaltsdebatte zum Einzelplan 30 (Forschung, Technologie und Raumfahrt) und verkündete die Ergebnisse. 

Emmenegger erhält die meisten Stimmen

Der von CDU/CSU vorgeschlagene Günter Spinner, bislang Vorsitzender Richter des 8. Senats des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt, wird die Nachfolge des Bundesverfassungsrichters Josef Christ, Mitglied des Ersten Senats, antreten. Er erhielt bei der Wahl 424 der 613 abgegebenen Stimmen. Mit Nein stimmten 178 Abgeordnete. Elf enthielten sich. Ann-Kathrin Kaufhold, bislang Ordinarius für Staats- und Verwaltungsrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München, folgt auf den Bundesverfassungsrichter Ulrich Maidowski, Mitglied des Zweiten Senats. Für sie stimmten 440 Abgeordnete, 166 stimmten gegen sie, sieben enthielten sich.

Die von der SPD vorgeschlagene Sigrid Emmenegger, bislang Richterin am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, wird die Vorsitzende Richterin des Zweiten Senats, Doris König, ersetzen. Sie erhielt mit 446 Stimmen, mehr als jeder der beiden anderen Kandidaten. 161 Abgeordnete stimmten gegen sie, sechs enthielten sich.

Union und SPD können nun nach vorne schauen. Nach dem ersten Anlauf im Juli stand die Koalition wochenlang vor einer Zerreißprobe. Die Richterwahl wurde damals erst am Wahltag selbst abgesagt, nachdem in einer Sitzung der Unionsfraktion klar wurde, dass die von der SPD nominierte Potsdamer Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf wegen ihrer Positionen zu Abtreibungen und Menschenwürde nicht ausreichend Stimmen aus der Union erhalten würde. Nach der Aufgabe Brosius-Gersdorfs nominierte die SPD schließlich Emmenegger.  DT/reh

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung CDU CDU/CSU-Bundestagsfraktion Deutscher Bundestag Menschenwürde SPD

Weitere Artikel

Was die Wahl der Bundesverfassungsrichter so kompliziert macht und warum es eigentlich ganz einfach gewesen wäre – Eine Analyse.
05.07.2025, 14 Uhr
Stefan Rehder
Am Freitag wählt der Bundestag drei neue Richter für das Bundesverfassungsgericht. Vor allem eine Kandidatin gilt vielen als untragbar.
09.07.2025, 19 Uhr
Stefan Rehder
Heute wird das Bundesverfassungsgericht 75 Jahre alt. Grund genug, einen Blick auf unser Grundgesetz, seine Auslegung und seine Brüche zu werfen.
12.03.2026, 08 Uhr
Georg Dietlein

Kirche

Joseph Zen trat als entschiedener Unterstützer der von China niedergeschlagenen Demokratiebewegung in Hongkong auf. Gegen eine Verurteilung will er vor das Oberste Gericht ziehen.
04.09.2026, 16 Uhr
Meldung
Von einer, die vom Balkan auszog, um zunächst im indischen Kalkutta und schließlich weltweit den Ärmsten der Armen das Licht Gottes zu bringen.
04.09.2026, 09 Uhr
Stephan Baier
Unterstützung für Washington und goldene Brücken für Moskau: ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Mariano Barbato über die vatikanische Diplomatie in der Ukrainefrage. 
04.09.2026, 13 Uhr
Benjamin Leven
Beim Katholikentag ging die Nachricht unter. Nun ist klar: Im November wird es keine erste Sitzung der Synodalkonferenz geben, die Hotelzimmer sind storniert. Versandet das Vorhaben?
03.09.2026, 19 Uhr
Benjamin Leven
Wenn ein hoher Vertreter der US-Administration und der Chefdiplomat des Heiligen Stuhls zeitgleich nach Moskau reisen, darf man über die Hintergründe spekulieren.
03.09.2026, 13 Uhr
Henry C. Brinker