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Bischof Rolando Álvarez in Nicaragua verhaftet

Der Bischof von Matagalpa ist wegen seiner Opposition gegen das kommunistische Regime bekannt. Nun steht er unter Hausarrest.
Bischof Rolando Alvarez wurde in Nicaragua festgenommen.
Foto: Wikimedia/Ramírez 22 nic/CC-BY-SA-4.0 | Bischof Rolando Alvarez wurde in Nicaragua festgenommen. (Archivbild)

Seit mehr als zwei Wochen hatten bewaffnete Polizeikräfte das Bischofshaus der Diözese Matagalpa belagert. Nun haben Polizeikräfte in den ersten Morgenstunden am Freitag Bischof Álvarez, der auch Apostolischer Administrator der Diözese Estelí ist, zusammen mit vier Priestern, zwei Seminaristen und einem Laien, festgenommen. Laut einer Erklärung der Polizei wurden die Festgenommenen in die Hauptstadt Managua überführt. Ohne den Grund für die Verhaftung näher zu erläutern, behauptet die Polizei, dass die Geistlichen „destabilisierende und provokative“ Aktivitäten ausübten. In einem etwa auch vom spanischsprachigen CNN-Nachrichtendienst verbreiteten Audio sagt Vizepräsidentin Rosario Murillo, die Verhaftung sei „nötig gewesen“, um „den Frieden und die Ruhe für die nicaraguanischen Familien sicherzustellen.“

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Bischof unter Hausarrest

Bischof Álvarez wurde in Managua unter Hausarrest gestellt. Er hat sich mit Angehörigen treffen können; der Erzbischof von Managua, Kardinal Leopoldo Brenes, konnte ihn besuchen. In einer Erklärung der Diözese Managua heißt es: „Kardinal Leopoldo Brenes hatte Gelegenheit, Erzbischof Álvarez im Haus seiner Familie zu besuchen und mit ihm zu sprechen, wobei er seine brüderliche Wertschätzung im Namen unserer nicaraguanischen Kirche zum Ausdruck brachte“. In der Erklärung heißt es weiter: „Obwohl sich sein körperlicher Zustand verschlechtert hat, sind sein Geist und seine Seele stark.“

Begleiter in Haft

Die Begleiter von Bischof Álvarez wurden dem Vernehmen nach in eine Justizanstalt überführt, die als Ort der Folter für Gegner der Diktatur bekannt ist. 

Auf die als „Entführung“ wahrgenommene Verhaftung des Bischofs von Matagalpa reagierten verschiedene Bischofskonferenzen, etwa die spanische, die brasilianische oder die Costa-Ricanische, mit der Forderung um sofortige Freilassung. So erklärte der Erzbischof von Panamá José Domingo Ulloa: „Die abwegigen Fakten im Zusammenhang mit dieser Verhaftung sind für die gesamte lateinamerikanische Kirche ein Grund zur Sorge und zum Schmerz. Ich schließe mich den Stimmen an, die die sofortige Freilassung von Bischof Rolando fordern. Wir verlangen, dass seine Würde als Mensch und katholischer Bischof respektiert wird.“

Auch das Bischöfliche Sekretariat für Zentralamerika (SEDAC) brachte in einem Kommuniqué seine Verbundenheit und volle Solidarität mit Bischof Rolando Álvarez zum Ausdruck. Das „Nicaraguanische Zentrum für Menschenrechte“ Cenidh hat ebenfalls den „Überfall auf die bischöfliche Kurie“ in Matagalpa und die „kriminelle Entführung“ von Bischof Álvarez scharf verurteilt.

UN besorgt

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „sehr besorgt“ über den Angriff der nicaraguanischen Behörden auf den Bischofssitz sowie über „die jüngsten Maßnahmen gegen die katholische Kirche und zivile Organisationen“. Er forderte die nicaraguanische Regierung auf, alle willkürlich Festgenommenen freizulassen, heißt es auf der UN-Website. Über seinen Sprecher Farhan Haq forderte Guterres die Regierung von Daniel Ortega erneut auf, „den Schutz der Menschenrechte aller Bürger zu gewährleisten, insbesondere die allgemeinen Rechte auf friedliche Versammlung, Vereinigungsfreiheit, Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit“. Die „Operation im Bischofspalast der Diözese Matagalpa“ verstärke nur noch die UN-Bedenken. DT/jga

Zum Hintergrund der Angriffe gegen die katholische Kirche in Nicaragua lesen Sie einen ausführlichen Bericht in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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