Kiew

Bartholomaios soll Kyrill verurteilen

Ukrainische Orthodoxie wirft dem Moskauer Patriarchen Häresie und Schisma vor.
Metropolit Epifanij
Foto: IMAGO/Valeria Ferraro (www.imago-images.de) | Wörtlich heißt es in dem Schreiben von Metropolit Epifanij an Bartholomaios, der Ökumenische Patriarch möge „auf panorthodoxer Ebene eine Überprüfung und Verurteilung der Aktivitäten des Moskauer Patriarchen Kyrill ...

Eine weltkirchliche orthodoxe Verurteilung der Aktivitäten des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill und seiner Doktrin der „russischen Welt“ (russki mir) fordert das Oberhaupt der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ (OKU), Metropolit Epifanij. Er appelliert mit Zustimmung der Synode seiner Bischöfe an das Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie, den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Kyrill wegen Häresie und Schisma zu verurteilen.

Überprüfung und Verurteilung der Aktivitäten Kyrills

Wörtlich heißt es in dem Schreiben von Metropolit Epifanij an Bartholomaios, das der „Tagespost“ vorliegt, der Ökumenische Patriarch möge „auf panorthodoxer Ebene eine Überprüfung und Verurteilung der Aktivitäten des Moskauer Patriarchen Kyrill Gundjajev und der ethnophyletischen und rassistischen Doktrin der russischen Welt, die er predigt“ erwirken. Epifanij wirft dem Moskauer Patriarchen eine „fast völlige Gleichgültigkeit gegenüber theologischen Fragen“ vor. Stattdessen habe Kyrill seine Aufmerksamkeit auf geopolitische Fragen gerichtet und sich der Doktrin der „russischen Welt“ verschrieben, die eine „nationalistische, ethnophyletische Theorie über die besondere Rolle der russischen Nation und des russischen Staates in der Welt und in der Kirche“ sei.

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Diese Doktrin verzerre die orthodoxe Anthropologie: „Nach dem mythologischen Geschichtskonzept gehören Russen, Ukrainer und Weißrussen angeblich zur gemeinsamen Zivilisation der russischen Welt und haben als solche kein moralisches Recht auf historische Selbstbestimmung. Die in der Vergangenheit getroffene Wahl verpflichtet sie angeblich dazu, lebenslang Teil der russischen Welt oder des russischen Staates zu sein. Die Leugnung der Freiheit ganzer Völker verbindet sich im Weltbild von Patriarch Kyrill mit einer rassistischen Theorie im Geiste, wonach Russland etwas grundlegend Besseres und Höheres sei als andere Nationen“.

Bedrohung für die gesamte orthodoxe Welt

Diese Ideologie sei nicht nur eine Bedrohung für die Ukraine, sondern für die gesamte orthodoxe Welt. Die universale Kirche müsse angemessen auf die Herausforderungen reagieren, die von „der paganisierten russischen Orthodoxie ausgehen“. Epifanij fordert, die Aktivitäten von Patriarch Kyrill auf Zeichen des Schismas zu prüfen, „um den Moskauer Patriarchen in die kanonische Verantwortung zu bringen“. Bartholomaios solle die Doktrin der russischen Welt verurteilen und als ketzerisch würdigen, die Handlungen von Patriarch Kyrill im kanonischen Gebiet des Patriarchats von Alexandria als schismatisch benennen und ihm das Recht entziehen, das Moskauer Patriarchat zu leiten.

Epifanij verweist darauf, dass unter den von russischen Truppen Getöteten auch Geistliche der orthodoxen Kirche und Religionslehrer anderer Glaubensrichtungen sind. Fast 200 religiöse Gebäude, hauptsächlich orthodoxe Kirchen, seien durch den russischen Beschuss ganz oder teilweise zerstört worden. Der christliche Glaube sei in Russland in den vergangenen Jahrzehnten „einer Paganisierung unterzogen“ worden: „Er wurde schleichend durch eine Zivilreligion ersetzt, die scheinbar auf der orthodoxen Tradition basiert, aber dem Geist und Inhalt des Evangeliums fremd ist.“

Akt der Abkehr von Christus

Wenngleich sich viele russische Soldaten mit der Orthodoxie identifizierten, zeugten ihre Taten „von ihnen als Kriminellen, die eine lebendige Verbindung zu Christus und seiner Kirche verloren haben“, so der orthodoxe Metropolit. „Jedes ermordete Kind, jede vergewaltigte Frau, jedes zerstörte Wohnhaus und jeder zerstörte Tempel ist nicht nur ein Kriegsverbrechen, sondern auch ein Akt der Abkehr von Christus“. Die moralische Verantwortung für die begangenen Verbrechen liege nicht nur bei den Tätern, „sondern auch bei ihren ideologischen Inspiratoren – dem Moskauer Patriarchen Kyrill und gleichgesinnten Hierarchen, die jahrzehntelang die ethnophyletische und rassistische Doktrin der russischen Welt propagierten und jetzt den Angriff auf die Ukraine segneten“.  DT/sba

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