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Armenier-Feindlichkeit bedroht Frieden im Kaukasus

Die EU setzt sich für den Erhalt des religiösen Kulturerbes der Armenier in Bergkarabach ein und kritisiert Aserbaidschan vehement.
Demonstranten tragen eine Fahne des Landes Armeniens
Foto: Dan Himbrechts (AAP) | Demonstranten tragen bei einem Protest zur Unterstützung Armeniens eine Fahne des Landes.

Die Vernichtung von armenisch-christlichem Kulturerbe durch Aserbaidschan in der von beiden Staaten beanspruchten Region Bergkarabach (Artsach) kritisiert das Europäische Parlament. In einer Entschließung, die am Donnerstag in Straßburg verabschiedet wurde, verurteilt das Parlament „aufs Schärfste, dass Aserbaidschan seine Politik fortsetzt, das armenische Kulturerbe in und um Bergkarabach herum auszulöschen und dessen Existenz zu leugnen“. Das stelle eine Verletzung des Völkerrechts dar.

Staatliche Politik der Armenierfeindlichkeit

Die Auslöschung des armenischen Kulturerbes sei „Teil eines breiter angelegten Musters einer systematischen, landesweit betriebenen und von den Staatsorganen Aserbaidschans geförderten Politik der Armenierfeindlichkeit, des Geschichtsrevisionismus und des Hasses gegenüber Armeniern“. Dies schließe Gewaltverherrlichung und Gebietsansprüche mit ein und bedrohe damit den Frieden und die Sicherheit im Kaukasus.

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Die „Verschandelung und Zerstörung des kulturellen oder religiösen Erbes“ stehe im Widerspruch zu Urteilen des Internationalen Gerichtshofs von 2021. Nicht nur die UNESCO, der Europarat und die OSZE, sondern auch die EU selbst müssten sich „tatkräftig an den Bemühungen um den Schutz des gefährdeten Kulturerbes in Bergkarabach beteiligen“, ja „den Schutz des kulturellen und religiösen Erbes gemeinsam fördern“.

Religiöses und kulturelles Erbe zerstört

Aserbaidschan müsse damit aufhören, „die armenische Sprache zu unterdrücken, das armenische Kulturerbe zu zerstören oder anderweitig die Existenz der historischen kulturellen Präsenz Armeniens zu beseitigen oder Armeniern den Besuch und die Nutzung dieser Stätten zu verbieten“. Die Achtung der Minderheitenrechte einschließlich des historischen, religiösen und kulturellen Erbes sei eine wesentliche Voraussetzung für Wiederaufbau, Aussöhnung und gutnachbarschaftliche Beziehungen.

Das Europäische Parlament geht davon aus, dass seit dem Waffenstillstand zwischen beiden Staaten 1.456 armenische Denkmäler unter aserbaidschanischer Kontrolle sind. Während des Krieges seien mehrere Kirchen und Friedhöfe schwer beschädigt worden. Das Europaparlament kritisiert, dass Aserbaidschan in den vergangenen 30 Jahren „religiöses und kulturelles Erbe unumkehrbar zerstört hat“. Die Beseitigung von armenischem Kulturerbe sei auch ein Akt der Geschichtsfälschung.  DT/sba

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