Konversion

Konversionen aus dem Islam: „Wenn ich muslimischer Migrant wäre, hätte mich die Kirche besser aufgenommen“ 

Der algerischstämmige Mehdi-Emmanuel Djaadi bekehrte sich vor zehn Jahren zum katholischen Glauben. In einem Interview beklagt er, dass manche katholische Priester eine Konversion vom Islam zur katholischen Kirche nicht unterstützten.
Jesus trägt das Kreuz - Bronze
Foto: Peter Kneffel (dpa) | Konvertiten sind im Namen des interreligiösen Dialoges zuweilen kulturell, aber auch in religiöser Hinsicht unbequem.

In einem Gespräch mit Appel de Chartres, der Pilgerzeitung der Bewegung „Notre-Dame de Chrétienneté“, berichtet Mehdi-Emmanuel Djaadi über seine Konversion vom Islam zum katholischen Glauben. In der Familie muslimisch erzogen, besuchte er dennoch eine katholische Schule. Seine katholischen Mitschüler waren für ihn „Ungläubige: die Menschen, die sich als Christen bezeichneten, befanden sich im Irrtum“.

Evangelien gelesen

Dennoch sei Djaadi sehr neugierig gewesen, und er „wollte verstehen, woran die anderen glaubten. Ich bin evangelischen Christen begegnet, und sie erzählten mir von einem Gott, der mich liebt und der für mich sein Leben gegeben hat“. Daraufhin habe er begonnen, die Evangelien zu lesen, und „ich habe einen Jesus entdeckt, der weit von dem entfernt war, den ich aus dem Koran kannte“. 2007 wurde Djaadi bei den Protestanten getauft.

Eintritt in die Kirche

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Doch nach mehreren Jahren fühlte er, „dass mir etwas fehlt, so als ob ich zwar die Sauce hatte, aber ohne das Fleisch. Manche Dinge ähnelten ein wenig dem, was ich im Islam kennengelernt hatte: der Imam und der Pastor gaben ihre Interpretationen – die einen haben den Koran, die anderen die Bibel“. Exerzitien in der Abtei Notre-Dame de Sept-Fons brachte schließlich die Erkenntnis: „Ich verbrachte ein Jahr im Erwachsenenkatechumenat und bin 2013 in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche eingetreten“.

Fremdeln mit Konvertiten

Dennoch verlief sein Weg nicht ohne Hindernisse: „Ich glaube, wenn ich ein muslimischer Migrant gewesen wäre, hätte mich die Kirche besser aufgenommen als einen Muslim, der Christus entdeckt. Einen Migranten aufzunehmen, einen Armen aufzunehmen – das ist leicht. Doch jemanden aufzunehmen, der eine Religion verlassen hat, manchmal verstoßen oder verfolgt wurde – das ist etwas anderes. Die Konvertiten sind im Namen des interreligiösen Dialoges zuweilen kulturell, aber auch in religiöser Hinsicht unbequem“. Wenn einer daherkomme und sage: „Aber Sie haben einen Schatz, warum wollen Sie ihn nicht mit möglichst vielen teilen?“, dann werde „man über ihn sehr häufig sagen, dass dies das Feuer des Konvertiten ist, das wird sich beruhigen“.

Als Konvertit stelle man sich daher oft Fragen und sage sich: „‘Vielleicht bin ich ja das Problem‘: Gegenüber unseren ehemaligen Mitgläubigen muss man verschwiegen sein, weil der Glaubensabfall vom Islam mit dem Tod bestraft wird, man muss aber auch in unserer neuen Gemeinschaft verschwiegen sein, weil man nicht den interreligiösen Dialog ins Wanken bringen darf, vor allem darf man die Muslime nicht evangelisieren etc… Es ist schwierig, Position zu beziehen“.

Leben wie Christus es will

Viele der Konvertiten zum katholischen Glauben sagten, so erklärt Djaadi, sie hätten „zwei oder auch drei Absagen von Priestern bekommen, die Angst vor dem Skandal hätten, die Diskretion wünschten und es vorzögen, nichts zu tun. Doch erfreulicherweise sind nicht alle Priester so, aber es gibt wenige Strukturen, um diesen Menschen zu helfen und sie zu begleiten, um sie anschließend in die Pfarrgemeinde zu integrieren“. Dies sei übrigens einer der Gründe, weshalb man mehrere „Missions Ismérie“ gegründet habe, die eben diese Aufgaben bewältigen sollen.
Seine größte Freude innerhalb der katholischen Kirche sei es, „mit meiner Frau gemäß dem zu leben, was die Kirche empfiehlt. Es ist eine wahre Freude, seine Ehe so zu leben, wie es von Christus und der Kirche empfohlen wird. Es ist aber auch eine Freude, jedes Jahr Hunderte von Taufen von Menschen aus dem Islam zu erleben – ich sehe, dass der Herr alle Herzen berührt“. DT/ks

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