Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Afghanistan: Abschiebe-Stopp wurde falsch kommuniziert

Die Entscheidung war aus humanitären Gründen richtig. Es darf aber nicht das Signal „Macht euch nach Deutschland auf“ nach Afghanistan gehen.
Anhänger der militant-islamistischen Taliban patrouillieren in der Stadt Gasni
Foto: Gulabuddin Amiri (AP) | Anhänger der militant-islamistischen Taliban patrouillieren in der Stadt Gasni im Osten Afghanistans.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat vor zwei Tagen die Abschiebungen nach Afghanistan ausgesetzt. Dies gelte zwar nur vorläufig, es ist aber davon auszugehen, dass angesichts des immer weiteren Vordringens der Taliban diese Regelung länger andauern wird. 

Lesen Sie auch:

Deutsche Afghanistan-Politik endgültig gescheitert

Die Entscheidung wirft einen Schatten auf die Probleme der deutschen Afghanistan-Politik, bei denen keine Lösung in Sicht ist: Im Grunde hat hier der Innenminister der Sicherheitspolitik seines Landes indirekt ein Zeugnis ausgestellt – und zwar ein ziemlich schlechtes. Denn der Abschiebestopp heißt ja: Die Sicherheitslage ist so, dass man aus humanitären Gründen nicht verantworten kann, Menschen dorthin zu schicken. Nur wer hat diese Sicherheitslage zu verantworten? Der Abzug der Bundeswehr und der anderen Bündnistruppen ist hier der wesentliche Punkt. Kurz: Die deutsche Afghanistan-Politik der letzten zwei Jahrzehnte ist endgültig gescheitert.

Der zweite Aspekt – er ist zentral für die deutsche Afghanistan-Politik der Zukunft: Gewiss, der Stopp ist ein Zeichen der Humanität. Und deswegen richtig. Trotzdem: Er wird von den Menschen in Afghanistan aber auch als Signal verstanden. Vielleicht würde es sich ja doch lohnen, Richtung Deutschland aufzubrechen? Deswegen hätte diese Entscheidung anders kommuniziert werden müssen. So hätte etwa durchaus eine Unterscheidung getroffen werden können zwischen Afghanen, deren Asylantrag abgelehnt worden ist, und Menschen, die hier straffällig geworden sind. Die letzte Gruppe könnte auch weiter ausgewiesen werden.

Der andere Fehler: Die Entscheidung hätte mit dem eindringlichen Appell verbunden werden müssen, sich nun nicht nach Deutschland aufzumachen. Freilich müsste man dann den Afghanen auch ein einigermaßen schlüssiges Sicherheitskonzept für ihr Region bieten. Aber daran mangelt es – siehe oben – weiter.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Bundeswehr CSU Horst Seehofer Taliban

Weitere Artikel

Die CSU-Politikerin Ilse Aigner im Gespräch über Grundsätzliches: über Gefahren für die Demokratie, die Aufgaben eines Parlamentes und warum sie ihre Zukunft weiter in Bayern sieht.
01.05.2025, 07 Uhr
Sigmund Gottlieb
Die Islamforscherin und Ethnologin Susanne Schröter über das Ende ihres Forschungszentrums Globaler Islam, die Gefahr des Islamismus und das Versagen der Politik.
18.09.2025, 07 Uhr
Sebastian Ostritsch

Kirche

Das vatikanische Appellationsgericht ordnet die Wiederholung des Verfahrens gegen Kardinal Angelo Becciu an. Ein Grund: wie Papst Franziskus in die Verhandlungen eingegriffen hat.
01.04.2026, 08 Uhr
Giulio Nova
Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok